Marketing & PersonalMo, 09.12.2013 14:07

Bürokratie und Karrierefrust senken Leistungsbereitschaft von Führungskräften

Unter deutschen Führungskräften wächst die Enttäuschung über weniger Karrierechancen und geringere Handlungsspielräume angesichts der wachsenden Bürokratie im Unternehmen. Dies ergab eine Befragung von Managern durch den Führungskräfteverband ULA und die Bertelsmann Stiftung.

77 Prozent der Führungskräfte fühlen sich bei der Karriereentwicklung durch ihr Unternehmen kaum oder gar nicht unterstützt. 63 Prozent (2012: 59 Prozent) nehmen ihre Betriebe als bürokratisch wahr. Auch der innerbetrieblichen Fehler- und Innovationskultur geben sie keine guten Noten. Jeder zweite Manager bewertet sie negativ.

Ebenso wenig halten 47 Prozent die Umsetzung des Krisen- und Veränderungsmanagements für gelungen. Insbesondere mangelt es zunehmend an einer vertrauensvollen Zusammenarbeit und Wertschätzung im Unternehmen. Für jeden dritten Manager ist die Arbeitsatmosphäre nicht von gegenseitigem Vertrauen geprägt.

An eine Verbesserung des Klimas in den Unternehmen glaubt zurzeit nicht einmal jeder zweite Befragte. Über die Hälfte der Führungskräfte erwarten eher eine Verschlechterung des Betriebsklimas und schwierigere Arbeitsbedingungen.

Mit der persönlichen Situation am Arbeitsplatz sind die Führungskräfte aber durchaus zufrieden. Nur 19 Prozent fürchten sich vor einem Verlust des Arbeitsplatzes. Zwei Drittel empfinden ihre berufliche Belastung als angemessen, 68 Prozent können Beruf und Privatleben gut miteinander vereinbaren. Das in letzter Zeit viel diskutierte Burnout-Phänomen scheint aktuell wohl nicht zu den Sorgen der Führungskräfte zu gehören.

Auch die wirtschaftliche Zukunft ihrer Betriebe sehen viele Manager positiv. 70 Prozent halten die aktuelle Auftragslage für gut. Zufrieden sind drei Viertel mit dem Stand der Kundenorientierung, dem Umgang mit Wettbewerbern sowie den Beziehungen zu Lieferanten. 90 Prozent sind davon überzeugt, das Unternehmen halte sich an gesetzliche Vorgaben und Nachhaltigkeitsforderungen.

„Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen: Neben der unternehmensinternen Bürokratisierung drohen sie in eine Motivationsfalle bei denjenigen Führungskräften zu tappen, die durch unzureichende Karrieremöglichkeiten und mangelnde Wertschätzung enttäuscht sind“, so Martin Spilker, Leiter des Kompetenzzentrums Führung und Unternehmenskultur" der Bertelsmann Stiftung. Man habe das Gefühl, viele Manager machten ihren Job zurzeit eher „mit angezogener Handbremse“. Das bedeute aber – vor dem Hintergrund einer guten Wirtschafts- und Wettbewerbssituation – eine nicht zu unterschätzende Gefahr für viele Unternehmen, so Spilker.

ULA-Hauptgeschäftsführer Ludger Ramme: „Eine gute wirtschaftliche Lage des Unternehmens und eine hohe Arbeitsplatzsicherheit in einem schwierigen internationalen Umfeld sind wertvolle Güter. Sie sind aber offensichtlich kein sicherer Garant für Höchstwerte bei der Motivation und der Zufriedenheit. Ein Zuviel an innerbetrieblicher Bürokratie und fehlende Spielräume für eine Weiterentwicklung der eigenen Karriere können das Klima eintrüben. Anders formuliert: Auch goldene Zügel werden oft als einengend empfunden.“

(Redaktion)