Marketing & PersonalDo, 30.07.2015 13:45

Fachkräftemangel: Jedes dritte Unternehmen ohne Gegenkonzept

Der Fachkräftemangel in Deutschland erreicht einen neuen Rekord. Fast jedes zweite Unternehmen hierzulande hat Schwierigkeiten, Stellen zu besetzen. 40 Prozent klagen über zu wenige Bewerbungen auf ihre Stellenangebote und sehen die Ursache darin im Fachkräftemangel. Doch trotzdem hat ein Drittel der Unternehmen in Deutschland noch kein Rezept, wie es dagegen vorgehen will. Weltweit trifft dies sogar auf jeden fünften Arbeitgeber zu. Vor allem unzureichende Fachkenntnisse erweisen sich für Kandidaten als Hindernis bei der erfolgreichen Jobsuche. Dies belegt eine Sonderauswertung der Studie „Fachkräftemangel 2015“ des Personaldienstleisters ManpowerGroup.

„Die Unternehmen beklagen Probleme bei der Suche nach passenden Mitarbeitern. Trotzdem ergreifen 32 Prozent der deutschen Arbeitgeber noch keine Gegenmaßnahmen“ so Herwarth Brune, Vorsitzender der Geschäftsführung der ManpowerGroup Deutschland. „So verschenken diese Unternehmen wertvolle Zeit bei der nachhaltigen Gewinnung und Bindung von Fachkräften, die sie nur schwer wieder aufholen können. Davon profitiert vor allem der Wettbewerb.“

Als Gründe für den Mangel an passenden Kandidaten nennen die befragten Betriebe vor allem fehlendes Know-how. Mehr als ein Viertel gibt an, dass die Kandidaten nicht genügend Fachkenntnisse und branchenspezifisches Wissen mitbringen. Jeder Fünfte moniert zudem fehlende Soft Skills der Bewerber, wie zum Beispiel Anpassungsbereitschaft, Motivation oder Teamfähigkeit. Mangelnde Berufserfahrung beanstanden zwölf Prozent der Unternehmen. Auch die Forderung nach einem zu hohen Gehalt wird von elf Prozent als Hindernis bei der erfolgreichen Stellenbesetzung genannt. Jeder zehne Entscheider macht ein negatives Image der Firma beziehungsweise der Branche als Ursache für den Mangel an interessierten Bewerbern aus.

29 Prozent der deutschen Unternehmen haben den Fachkräftemangel immerhin schon zum Anlass genommen, ihre Personalarbeit ganzheitlicher aufzustellen und den Mitarbeiter mit seinen individuellen Ansprüchen in den Fokus aller HR-Maßnahmen zu rücken. Jedes fünfte Unternehmen will deshalb künftig alternative Arbeitszeitmodelle wie Gleitzeit, Teilzeit, Jobsharing oder Homeoffice anbieten, um für neue Mitarbeiter attraktiver zu sein. Fast ebenso viele Unternehmen erschließen gezielt neue Bewerbergruppen, zum Beispiel junge Eltern oder ältere Arbeitnehmer.

Nur vier Prozent weiten ihr Recruiting auch auf ausländische Fachkräfte aus. Dabei gibt es in Ländern wie Polen, Spanien oder Griechenland viele motivierte Talente, die eine neue berufliche Zukunft suchen. 17 Prozent der Unternehmen testen neue Rekrutierungswege wie zum Beispiel Apps zum Mobile Recruiting, Social Media, Matching Tools oder Guerilla-Maßnahmen. Lediglich zwölf Prozent nutzen das Potenzial, vorhandene Mitarbeiter weiterzubilden und somit Stellen mit speziellen Anforderungen intern zu besetzen. Das sind sieben Prozent weniger als im Vorjahr.

„Wenn Unternehmen am Markt keine hundertprozentig passenden Kandidaten finden, sind sie gut beraten, Talente selbst aus- beziehungsweise weiterzubilden“, sagt Herwarth Brune. „Mit professionellen Qualifizierungsmaßnahmen und attraktiven Entwicklungsperspektiven motivieren sie vorhandene Mitarbeiter und binden sie langfristig an sich. Auch Bewerber werden dadurch angelockt.“

Nicht zuletzt schafft eine klare Arbeitgeberpositionierung eine gute Grundlage für eine strategische Personalplanung. Erst wenn Unternehmen sich darüber klar sind, was sie als Arbeitgeber für ihre Wunsch-Kandidaten interessant macht, können sie sich entsprechend präsentieren und ihre Vorzüge herausstellen. Schließlich machen zehn Prozent der deutschen Betriebe einen schlechten Ruf ihres Unternehmens oder der Branche für ihre Schwierigkeiten bei der Besetzung verantwortlich.

(Redaktion)