KMU & FreiberuflerDo, 26.05.2011 13:19

Führungstipps für Frauen: Auftritt vor der Gruppe - Frau sucht den Konsens, Mann die Gefolgschaft

Von: Claus von Kutzschenbach

Führen heißt, Menschen zu bewegen, Ziele zu erreichen. Intuitiv machen wir das genau so, wie wir selbst gern motiviert werden. Aber Vorsicht: In Gruppen brauchen Männer einen anderen Führungs-Auftritt als Frauen.

Eine Chef-Ansprache vor versammelter Mannschaft oder ein Meeting mit Chef-Ansage sind die Königsdisziplinen des Führens: Hier spricht der Chef alle gleichzeitig an – und er spürt sofort, wie die Gruppe seine Botschaft auffasst. Höchst effektiv.

Aber bei Frauen nicht so sehr beliebt: Dieses Vorgehen gilt als autoritär. Und autoritäres Verhalten im Business gilt heute für viele Frauen als höchst verachtenswert. Männer schert das weniger.

Was bei Meetings in einem reinen Frauenteam abläuft, kenne ich als Mann natürlich nur vom Hörensagen. Danach geht es dort vor allem um Harmonie und Konsens. Eine Chefin, die sich dort deutlich vor die Gruppe stellt und Gefolgschaft einfordert, wird wenig gelitten. Sie hat nur Erfolg, wenn sie inmitten der Gruppe bleibt, auf sublime Weise steuert und Konsens herstellt.

Männer funktionieren anders. Männer sind grundsätzlich wettbewerbsorientiert veranlagt. Sie orientieren sich nach Hierarchie. Sie hören nur hin, wenn sich einer deutlich vor der Gruppe aufbaut, sich dort behaupten kann (Autorität gewinnt!) und ganz klar sagt, was nun zu geschehen hat.

Pech für die neue Führungskraft, weiblich, die nun meint, mit ihren unter Frauen geschätzten Methoden der sanft-sublimen Führung intuitiv im Kreis Konsens zu erzielen und führen zu können. Sie wird von den Männern möglicherweise gar nicht wahrgenommen, die ihre Anführer(in) vor der Gruppe suchen und dort nicht finden.

Männer-Verhalten nicht imitieren!

Was nun? Keinesfalls wäre der jungen, weiblichen Führungskraft zu raten, die Männer-Verhalten zu imitieren oder gar zu toppen. Gehen wir mal ein paar Verhaltensweisen durch:

Burschikoses Auftreten von Frauen wird zwar in einer fröhlichen Männerrunde akzeptiert – aber niemals auf der Vorgesetzten-, sondern allenfalls auf der Kumpel-Ebene (und auch dort weiß mann stets, dass der burschikose Kumpel eine Frau ist!).

Autoritäres Auftreten von Frauen – das passt einfach nicht. Erstens kostet es die meisten Frauen viel zu viel Energie (vor allem, wenn sie sich dabei verbiegen müssen) und zweitens wirkt das wenig charmant. Und ein wenig Charme als Führungshilfe überzeugt bei Frauen wie Männern.

Weibchen-Gehabe – völlig daneben. Das ruft zwar stets einige Kavaliere auf den Plan, erzeugt aber sonst nur Feindschaften – und die Kavaliere, die auf diesen Typ Frau stehen, sind sofort weg, wenn’s ernst wird.

Grande Dame – schon besser, fast ideal. Vorausgesetzt, frau ist es wirklich. Umgekehrt gilt eher: Wer als Frau wirklich Erfolg hat und die richtige Kinderstube, wird fast zwangsläufig  zur Grande Dame ... (Glückwunsch!).

Mütterliches Verhalten ist nicht ganz verkehrt, wenn Einzelne oder kleine Gruppen geführt werden sollen. Allerdings wird mütterliches Verhalten sofort dann belächelt, wenn es um weitreichende, strategische Entscheidungen geht.

Sie sind die Chefin – das genügt!

Also was nun? Nichts dergleichen. Sie sind die Chefin, das genügt. Sie müssen nur darauf achten, dass Sie den Chef-Platz am Tisch einnehmen und ihre Gruppe sie deutlich sehen kann, wenn Sie mal eine Augenbraue hochziehen, oder hört, wenn Sie mal ein Wort langsam, laut und betont aussprechen (mit nachfolgender Sprechpause). Es reicht aus. Und da ist es von Vorteil, wenn Männer dabei sind: Die warten auf solche Zeichen und Kommandos – und parieren.

Nur, wenn die nicht kommen, wird’s blöd. Aber diese Zeichen kommen ganz automatisch, wenn Sie voller Selbstbewusstsein, kühl und schlich sagen, was jetzt Sache ist.

Chefin im Meeting: Ideal. Denn merkwürdigerweise setzen sich Moderatorinnen in turbulenten und männerdominierten Meetings leichter durch als ihre männlichen Kollegen. Auch gegenüber teilnehmenden Männern in einer höheren Hierarchieebene. Das jedenfalls beobachte ich immer wieder in Führungstrainings (siehe auch Beitrag „Frauen-Fallen im männerdominierten Meeting“. Warum das so ist? Vermutlich, weil

Frauen eben nicht als Platzhirsche angesehen werden, sondern als Angehörige des anderen Geschlechts tabu sind im Männergerangel,

der Chef/die Chefin mehr respektiert werden – im Hackordnungsgerangel geht es weniger um die Spitzenposition als vielmehr um die Plätze danach,

Frauen nüchterner und bestimmter sagen können, was jetzt Sache ist – und Männer genau diese nüchterne und zielorientierte Führung brauchen.

Also: Nichts spielen, nichts vormachen, nicht manipulieren. Einfach Chefin dieser Gruppe sein!

Zum Autor: Claus von Kutzschenbach ist Managementberater und -Trainer in Wiesbaden und Autor des Buchs „Frauen – Männer – Management“ (Rosenberger Fachverlag, 3. Auflage jetzt erschienen). 2010 wurde er Präsident des BDVT e.V. – Der Berufsverband für Trainer, Berater und Coaches. Mehr zum Autor und kostenfreie „Tipps aus der Managementpraxis“ unter www.cvk-consulting.de.