WirtschaftFr, 17.12.2010 14:55

IHK-Studie: Region Stuttgart ist führend unter den Innovationsstandorten

Die Metropolregion Stuttgart liegt im Standortwettbewerb der 13 wichtigsten deutschen Wirtschaftsmetropolen auf einem Spitzenplatz. Sie ist der führende Industrie- und Innovationsstandort Deutschlands und lässt bei Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F+E) sowie bei den Patentanmeldungen die Region München als Zweitplatzierten weit hinter sich. Zudem hat der Ballungsraum Stuttgart die dritthöchste Kaufkraft nach Frankfurt und München.

Auch beim Thema Bildung ist die Region Stuttgart vorbildlich. Handlungsbedarf besteht vor allem bei der Frage, wie gut die Region angesichts geringer Zuwanderung und niedriger Frauenerwerbsquote den rasch wachsenden Fachkräftebedarf in Zukunft bewältigen kann. Bei Technologietransfer, Existenzgründungen und Tourismus gibt es Nachholbedarf. Das ergab der aktuelle Metropolenvergleich, den die Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart nach 2003 in diesem Jahr wiederholt durchgeführt hat. Untersucht wurden Metropolregionen in Deutschland mit einer Großstadt als Kern und mindestens 500.000 Einwohnern – zusammen mit ihrem Umland: Stuttgart, München, Hamburg, Berlin, Köln-Bonn, Frankfurt/Main, Düsseldorf, Bremen, Ruhrgebiet, Hannover, Dresden, Nürnberg und Halle/Leipzig.

„Die Region Stuttgart ist ein Wirtschaftsstandort, an dem es sich lohnt zu leben, zu arbeiten und zu investieren“, sagt IHK-Präsident Dr. Herbert Müller. „Dass die Region so gut dasteht, ist vor allem dem Engagement, der Kreativität und dem Expansionswillen der Unternehmen und ihren Mitarbeitern zu verdanken.“ Aber auch das zumeist gute Zusammenspiel von Wirtschaft, Wissenschaft sowie Regionalpolitik hätten zu diesem Ergebnis beigetragen. Trotzdem dürfe sich die Region auf ihren Erfolgen nicht ausruhen. Vor allem komme es in den nächsten Jahren darauf an, die Attraktivität der Metropolregion Stuttgart im In- und Ausland weiter zu erhöhen, qualifizierte Fachkräfte und Investoren anzuziehen und mehr Touristen anzulocken. „Die Konkurrenz schläft nicht. Der Wettbewerb um die klügsten Köpfe ist schon voll entbrannt. Wir müssen die Angebote für Fachkräfte, junge Familien, Existenzgründer und Unternehmen weiter verbessern und das auch in der Öffentlichkeit adäquat deutlich machen“, erklärt der IHK-Präsident.

Aus dem Ranking geht die Region Stuttgart als führender Industriestandort hervor. Mit einem Industrie-Anteil von 40 Prozent an der Bruttowertschöpfung liegt Stuttgart weit vor dem Ruhrgebiet, Nürnberg oder Dresden. Schwerpunkt der regionalen Wirtschaftsstruktur ist der Fahrzeugbau mit einem fast dreimal höheren Beschäftigtenanteil als im Metropolendurchschnitt. Weitere wichtige Branchen sind Maschinen- und Anlagenbau sowie Metallverarbeitung, Elektrotechnik, Kunststoffherstellung, technische Beratung, sowie das Verlagswesen und Druckgewerbe. Insgesamt hat die Region von allen Vergleichsregionen die höchste Beschäftigtendichte in der Industrie.

Die Industrie der Region Stuttgart verdient mehr als jeden zweiten Euro im Ausland. Auf die gesamte Wirtschaft bezogen entspricht das einer Quote von rund 48 Prozent des Sozialprodukts – mit Abstand der höchste Wert aller Metropolregionen.

Die Region Stuttgart ist zudem der führende Innovationsstandort, sowohl bei den F+E-Ausgaben als auch bei den angemeldeten Patenten. Bei F+E-Ausgaben liegt die Region mit knapp 6,5 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt auf dem ersten Platz weit vor München mit knapp 3,9 Prozent. Die Patentstatistik ist ebenfalls eindeutig: Stuttgart mit rund 165 Anmeldungen pro 100.000 Einwohner liegt weit vor München mit 127 und Nürnberg mit 103 Anmeldungen. Begünstigt wird dieses Abschneiden allerdings durch die Patentanmeldungen der Großunternehmen. Kleine und mittlere Unternehmen tun sich bei Forschung und Entwicklung schwer.

Bei der Kaufkraft befindet sich die Region Stuttgart mit knapp 22.000 Euro pro Einwohner auf Platz drei, fast gleich auf mit Frankfurt auf dem zweiten Rang. Auf Platz eins liegt München mit etwa 25.000 Euro pro Einwohner.

Spitze ist Stuttgart auch beim Thema Bildung: Nur 5,5 Prozent der Schulabgänger haben keinen Abschluss, in Halle/Leipzig sind es doppelt so viel. Allerdings hat die Region Stuttgart auch die meisten Menschen ohne Ausbildung, nämlich 66 Beschäftigte auf 1.000 Einwohner.

Eine große Herausforderung ist laut IHK der demografische Wandel. Zwar habe die Region Stuttgart mit knapp 20 Prozent die geringste Nachwuchslücke: die Zahl der 0- bis 15-jährigen ist nur ein Fünftel geringer als die Zahl der 50- bis 65-jährigen. Während in Hamburg und München aber die Erwerbsbevölkerung zugenommen hat, ist sie in der Region Stuttgart 1998-2008 leicht zurückgegangen.

Kritisch bewertet Dr. Müller die hohe Erwerbshürden für Frauen. Nur 51 Prozent der Frauen in der Region Stuttgart sind in einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnis, überdurchschnittliche 33 Prozent davon arbeiten in Teilzeit, nur eine Minderheit ist mit einem Volumen von mehr als 50 Prozent beschäftigt. Die Differenz zwischen der Erwerbsquote der Männer und der bei den Frauen beträgt knapp 17 Prozentpunkte, in den übrigen westdeutschen Regionen im Durchschnitt nur zwölf, während in den ostdeutschen Metropolen das Verhältnis sogar umgekehrt ist.

Auch bei der Zuwanderung sowohl aus anderen Regionen als auch aus dem Ausland liegen München, Berlin, Frankfurt und Hamburg weit vor Stuttgart. Die IHK fordert daher neben einer Standortverbesserung bei Kinderbetreuung und Ganztagsschulen auch eine verbesserte Standortwerbung. Die Tourismusstatistik belegt diesen Handlungsbedarf zusätzlich: 2.470 Übernachtungen von Geschäftsreisenden und Touristen pro 1.000 Einwohner reichen der Region Stuttgart nur für den zehnten Platz unter den Vergleichsregionen. Die Stadt Stuttgart liegt mit 4.593 Übernachtungen immerhin im Mittelfeld. Eine positive Entwicklung belegt allerdings der Anstieg der Übernachtungen von über 30 Prozent in den letzten zehn Jahren.

(Redaktion)