Marketing & PersonalMo, 14.09.2015 10:46

Inklusion im Arbeitsleben kann gelingen

Manche Menschen mit geistiger Behinderung streben eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt an. Sind sie einmal in ein Arbeitsverhältnis vermittelt, kommen sie dort in der Regel sehr gut zurecht. Das zeigt eine neue Studie der Universität Würzburg.

Sie sind Hilfskräfte auf dem Bau oder in Gärtnereien, sie assistieren bei der Pflege alter Menschen, sie arbeiten im Einzelhandel oder im Verkauf: Auch Menschen mit geistiger Behinderung streben eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt an, wenn sie die Förder- oder Inklusionsschulen verlassen. Unterstützt werden sie bei diesem Schritt von den Integrationsfachdiensten, die auch den Arbeitgebern als Berater zur Seite stehen.

Was aber passiert nach einem gelungenen Einstieg in den Beruf? „Teilweise wird befürchtet, dass die Beschäftigungsverhältnisse dann nicht mehr lange Bestand haben oder dass die Personen sozial isoliert werden“, sagt Erhard Fischer, Professor für Pädagogik bei geistiger Behinderung an der Universität Würzburg. Diese Befürchtung bewahrheitet sich häufig aber nicht, wie ein dreijähriges Forschungsprojekt des Professors ergeben hat. Federführend bei den Untersuchungen und ihrer Auswertung waren Fischers Mitarbeiterinnen Tina Molnár-Gebert und Dr. Christina Kießling.

„Die Arbeitsverhältnisse sind in der Regel sehr stabil, wenn das Anforderungsprofil der Stelle zum Leistungsvermögen des Beschäftigten passt“, sagt Tina Molnár-Gebert. Ein halbes Jahr nach der Vermittlung über die bayerische Fördermaßnahme „Übergang Förderschule-Beruf“ seien mehr als 80 Prozent der Arbeitnehmer noch auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Und oft dauere die Stabilität noch länger. Eine Befragung von 107 Betroffenen aus Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Thüringen zeigte, dass ein Drittel davon schon länger als fünf Jahre auf derselben Arbeitsstelle ist.

Das sind beeindruckende Zahlen – „besonders wenn man bedenkt, dass noch vor wenigen Jahren die Überzeugung vorherrschte, Menschen mit geistiger Behinderung könnten nur in der geschützten Umgebung spezieller Werkstätten arbeiten“, so Professor Fischer.

Wie die Betroffenen selbst ihre Situation einschätzen? Das haben die Würzburger Sonderpädagogen ebenfalls mit Fragebögen und Interviews ergründet. „Die Leute empfinden ihre Lebenssituation überwiegend als gut“, fasst Christina Kießling zusammen. „Sie fühlen sich an der Arbeitsstelle als gleichberechtigte Kollegen akzeptiert und sind zum Teil sehr stolz auf ihre Leistungsfähigkeit.“

Dazu komme eine hohe Motivation, die sich zum Beispiel am sehr niedrigen Krankenstand zeigt und an der Bereitschaft, für Kollegen einzuspringen. Sie zeigt sich auch an Geschichten wie dieser: „Ein Mann hat uns erzählt, wie an einem Morgen der Zug zu seiner Arbeit nicht fuhr. Er machte sich zu Fuß auf den mehrere Kilometer langen Weg, weil er unbedingt zur Arbeit wollte. Zum Glück wurde er unterwegs von einem Kollegen entdeckt, der ihn dann im Auto mitnahm.“

(Redaktion)