WirtschaftMi, 17.04.2013 08:43

Jeder dritte ALG II-Empfänger stockt auf

Immer mehr Hartz IV-Empfänger stocken ihr Erwerbseinkommen auf. Derzeit sind dies rund 1,3 Millionen Menschen. Das ist fast jeder dritte ALG II-Bezieher. Vor fünf Jahren waren es noch 23 Prozent. Das zeigen Auswertungen der offiziellen Arbeitsmarktstatistik, die das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen (UDE) jetzt veröffentlicht hat.

Die Gruppe der Aufstocker setzt sich sehr unterschiedlich zusammen: 44 Prozent sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 36 Prozent üben einen Minijob aus. Weitere zehn Prozent arbeiten selbstständig. Mehr als die Hälfte dieser sozialversichungspflichtig Beschäftigten arbeitet Vollzeit (57,7 Prozent). Dennoch verdienen sie so wenig, dass sie den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie nicht aus eigener Kraft bestreiten können. Selbst Kindergeld, Kinderzuschläge und Wohngeld verhindern nicht, dass sie auf Unterstützung angewiesen sind.

Vor allem in den neuen Bundesländern ist dies häufig der Fall „Hier werden Niedriglöhne, von denen man nicht leben kann, aus Steuermitteln subventioniert“, kritisiert Prof. Dr. Gerhard Bäcker vom IAQ.

Ähnliches stellt der Sozialwissenschaftler bei den Selbstständigen fest. Sie zählen immer öfter zu den Aufstockern, weil ihr Einkommen nicht ausreicht. „Das Geschäftsmodell einer nicht existenzsichernden Selbständigkeit wird hier staatlich gefördert.“

Minijobs bieten einen willkommenen, aber nicht üppigen Zuverdienst für Arbeitslose und z.B. für Alleinerziehende mit kleinen Kindern, die wegen Pflege und Betreuung nur wenige Stunden arbeiten können. Von dem 400 Euro-Zuverdienst (2012) für eine geringfügige Beschäftigung bleiben nach Kürzung noch 160 Euro übrig, um das Familieneinkommen aufzubessern.

Trotz der positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sind die Zahlen der Hartz IV-Empfänger in den letzten fünf Jahren nur schwach gesunken, stellt Prof. Bäcker fest. So waren 2012 im Durchschnitt immer noch mehr als 6,1 Millionen Menschen auf Arbeitslosengeld II und Sozialgeld angewiesen, weil das Einkommen zu gering war. 72,3 Prozent von ihnen gelten laut Statistik als erwerbsfähig, die übrigen 27,7 Prozent als nicht erwerbsfähig. Das sind im Wesentlichen Kinder unter 15 Jahren.

(Redaktion)