WirtschaftMo, 27.01.2014 09:29

Konjunktur in Baden-Württemberg nimmt im Winterhalbjahr weiter Fahrt auf

Im vierten Quartal 2013 ist das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Baden-Württemberg voraussichtlich um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Der Gesamtkonjunkturindikator des Statistischen Landesamtes zeigt an, dass der Aufschwung noch weit in das Jahr 2014 tragen dürfte.

„Für das erste Quartal 2014 erwarten wir ein reales Wirtschaftswachstum von 2,75 Prozent“, sagte die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Dr. Carmina Brenner.

Die Inlandsumsätze des baden-württembergischen Verarbeitenden Gewerbes lagen im Durchschnitt der Herbstmonate September bis November 2013 real und arbeitstäglich bereinigt um 2,7 Prozent über ihrem Vorjahreswert. In den Sommermonaten blieben die Industrieumsätze noch etwas hinter dem Vorjahresniveau zurück. Damit wird zunehmend zur Gewissheit, dass sich die Aufschwungphase der Binnenkonjunktur verstetigt. Ein Blick auf die saisonbereinigten Absolutzahlen stützt diese Einschätzung: Im Herbst stiegen die inländischen Industrieumsätze gegenüber der Vorperiode um 1,3 Prozent.

Wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung hat der Fahrzeugbau: In dieser Branche stiegen die Umsätze preis- und arbeitstäglich bereinigt um 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Saisonbereinigt erhöhten sich die Inlandserlöse zwischen den Sommer- und Herbstmonaten um 4,8 Prozent, was für eine Dreimonatsspanne ein sehr beachtlicher Wert ist. Im Maschinenbau legten die Umsätze im Herbst gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit 2,2 Prozent vergleichsweise moderat zu, gegenüber der Vorperiode ist sogar ein Minus von 1,2 Prozent zu verzeichnen.

Beide Werte sind jedoch nicht überzuinterpretieren. Dass die Branchenkonjunktur auch hier intakt ist, kann man der (geglätteten) Trend-Konjunktur-Komponente der Zeitreihe erkennen: Diese steigt seit rund einem Dreivierteljahr kontinuierlich von Monat zu Monat an. Auch das Bauhauptgewerbe zeigt sich in guter Verfassung: Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden nahm im Vorjahresvergleich um 2,8 Prozent zu, was sich auch in steigenden Umsatz- und Beschäftigtenzahlen niederschlug.

Die Entwicklung der Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt zeigt an, dass die gute Binnenkonjunktur noch weiter anhalten, sich vielleicht sogar beschleunigen dürfte. Mittlerweile übertrifft das Volumen der Inlandsbestellungen wieder merklich das Vorjahresniveau – im Durchschnitt der Monate September bis November um immerhin knapp neun Prozent. Darüber hinaus übertrifft die Dynamik der Auftragseingänge auch die der Umsätze deutlich, so dass zu erwarten steht, dass letztere in den nächsten Monaten mitgezogen werden.

Ein zusätzliches Argument dafür, dass die Binnenkonjunktur weiterhin stabil bleiben dürfte, ist die ausgezeichnete Beschäftigungssituation im Land. Sowohl in der Industrie, dem Bausektor als auch im Dienstleistungsbereich weisen die Indikatoren auf einen Beschäftigungsaufbau hin. Die Arbeitslosenquote in Baden-Württemberg lag im Dezember bei lediglich 3,9 Prozent. Im Durchschnitt des Schlussquartals 2013 waren rund 224.000 Personen arbeitslos, das sind rund 4.000 mehr als im Vorjahreszeitraum.

Die Auslandsnachfrage, von der zumindest in der ersten Jahreshälfte 2013 kaum expansive Nachfrageeffekte ausgegangen sind, stellte in den Herbstmonaten wieder eine wichtige Stütze der baden-württembergischen Wirtschaftsentwicklung dar. Tatsächlich sind die Zahlen beeindruckend. Im Durchschnitt der Herbstmonate September bis November lagen die Auslandsumsätze der baden-württembergischen Industrie preis- und arbeitstäglich bereinigt um 8,8 Prozent über ihrem Vorjahreswert. Im Vergleich zu den Sommermonaten Juni bis August belief sich das Plus saisonbereinigt auf stolze 5,6 Prozent, so dass man mit gutem Grund von einer konjunkturellen Trendwende sprechen kann.

Getragen wird das lebhafte Auslandsgeschäft vor allem von der Investitionsgüternachfrage mit einem Vorjahres-Umsatzplus von 10,2 Prozent. Besonders begehrt waren Fahrzeuge aus baden-württembergischer Produktion. Im Fahrzeugbau stiegen die Erlöse im Herbst gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 12,4 Prozent und gegenüber den Sommermonaten um 9,4 Prozent. Auch im Maschinenbau ist das konjunkturelle Muster ganz ähnlich.

Hinter diesen Wachstumsraten stehen die wieder erstarkten Nachfrageimpulse aus den USA und China, aber auch die verbesserten Konjunkturaussichten auf den für die heimischen Produzenten so wichtigen europäischen Märkten. Noch in den Sommermonaten sah es gar nicht nach einer Belebung aus. Umso bemerkenswerter ist die Deutlichkeit, mit der die Auslandsbestellungen mittlerweile ins Plus gedreht haben. Die Auftragslage hat sich zuletzt weiter verbessert. Das Volumen der Bestellungen lag im Herbst um 4,9 Prozent über dem Vorjahreswert.

Dass die saisonbereinigte Veränderungsrate zur Vorperiode mit 4,3 Prozent ebenfalls in dieser Größenordnung liegt, zeigt, dass die Auslandskonjunktur auch im weiteren Jahresverlauf lebhaft bleiben wird. Die Dynamik wird hier wesentlich vom Maschinenbau bestimmt (+8,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr und +6,4 Prozent mehr als im Sommer). Die Auslandsnachfrage nach Fahrzeugen und Fahrzeugteilen belebt sich zwar ebenfalls, aber noch nicht mit dem gleichen Schwung.

(Redaktion)