WirtschaftDo, 25.06.2015 08:44

Kräftige Binnenkonjunktur stützt Wachstum

Die deutsche Wirtschaft setzt ihren Aufschwung fort, wird aufgrund der unerwartet schwachen Produktionsentwicklung zu Jahresbeginn aber in diesem Jahr nicht ganz so stark wachsen wie zunächst erwartet: Die Konjunkturforscher des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) prognostizieren für das laufende Jahr einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,8 Prozent; im März hatten sie noch ein Wachstum von 2,2 Prozent erwartet. Für das kommende Jahr rechnen sie mit einem ähnlichen Plus in Höhe von 1,9 Prozent.

Maßgeblich zum Wachstum beitragen dürfte weiterhin der private Verbrauch, auch weil die Beschäftigung nach wie vor steigt. Allerdings weiten die Unternehmen ihre Ausrüstungsinvestitionen nur zögerlich aus, denn viele Risiken sind nicht von der Hand zu weisen: So könnten ein Scheitern der Verhandlungen mit Griechenland und ein sich anschließender Austritt des Landes aus dem Euroraum zu Verwerfungen auf den Finanzmärkten führen. Auch ein Wiederaufflammen des Konflikts um Russland und die Ukraine würde die weltweite Konjunktur und damit auch die Investitionstätigkeit belasten.

Derzeit nimmt die Weltwirtschaft nach einem unerwartet schwachen Auftaktquartal 2015 Fahrt auf. In Schwellenländern wie China verliert das Wachstum zwar mehr und mehr an Schwung; dies hat vor allem strukturelle Gründe, hinzu kam zuletzt noch eine konjunkturelle Abkühlung. Die Wirtschaft in den Industrieländern entwickelt sich aber – getragen von der Erholung der Konsumentwicklung – insgesamt recht kräftig: Im Zuge der sich vielerorts nach und nach verbessernden Situation auf dem Arbeitsmarkt steigen die Einkommen der privaten Haushalte. Dies dürfte im weiteren Verlauf die Investitionen anregen, wobei die Zuwächse allerdings wohl moderat ausfallen werden. Weil die Konjunktur in den USA wieder anzieht und die Zuwächse im Euroraum sowie in Japan kräftig bleiben, dürfte sich das Expansionstempo der Weltwirtschaft insgesamt leicht beschleunigen. Die Konjunkturexperten des DIW Berlin erwarten 3,5 Prozent globales Wachstum für dieses und vier Prozent für das nächste Jahr.

Auch die Konjunktur im Euroraum dürfte sich insgesamt recht robust entwickeln: Allmähliche Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt, eine weniger restriktiv ausgerichtete Finanzpolitik und die allgemeine Zuversicht der Konsumenten schieben den privaten Verbrauch an. Zudem stützt der niedrige Wechselkurs des Euro die Exporte. Das DIW Berlin rechnet für den Euroraum daher mit 1,3 Prozent Wachstum für das laufende und mit 1,5 Prozent für das kommende Jahr.

Die deutsche Wirtschaft wird derzeit maßgeblich von der kräftigen Binnenkonjunktur getragen. Die Beschäftigung steigt weiter – wenn auch mit etwas nachlassendem Tempo – und die Arbeitslosenquote sinkt der DIW-Prognose zufolge auf 6,4 Prozent im laufenden und auf 6,2 Prozent im kommenden Jahr. Die Lohneinkommen dürften in diesem Umfeld in beiden Jahren kräftig zulegen, wobei in diesem Jahr auch der Mindestlohn zu Buche schlägt. Für sich genommen etwas die Kaufkraft dämpfen dürfte hingegen, dass die Ölpreise nicht weiter rückläufig sind und daher die sehr niedrige Inflation wieder etwas steigt; für dieses Jahr erwartet das DIW Berlin eine Inflationsrate von 0,6 Prozent und für nächstes Jahr von 1,2 Prozent. Insgesamt dürften sich die Realeinkommen aber kräftig entwickeln und der private Konsum daher eine wichtige Stütze des Wachstums sein.

Trotz der günstigen wirtschaftlichen Entwicklung im Inland steigen die Investitionen nur verhalten und werden in Relation zum nominalen Bruttoinlandsprodukt weiter unter ihrem Vorkrisenniveau bleiben. Dämpfend wirkt die anhaltend hohe Unsicherheit hinsichtlich des Zusammenhalts im Euroraum – angesichts der schleppenden Verhandlungen mit Griechenland – und der Spannungen um Russland und die Ukraine. Etwas Fahrt aufnehmen dürften die Exporte, die zu Jahresbeginn aufgrund der weltwirtschaftlichen Entwicklung schwach waren; die dynamische Binnenkonjunktur dürfte auch die Importe ansteigen lassen. Der Leistungsbilanzsaldo dürfte in diesem und im kommenden Jahr weiterhin sehr hoch, bei knapp achteinhalb Prozent liegen.

(Redaktion)