KMU & FreiberuflerDo, 29.09.2011 15:03

Meeting (3): Störer und andere Abweichler

Wenn jemand im Meeting vehement eine andere Meinung vertritt, stört das zunächst. Klar: Als Moderator/in wollen Sie das Meeting schnell und einvernehmlich zum Ergebnis führen. Und dann dieser eine Typ – immer hat er etwas dagegen zu setzen.

Analysieren wir: Der Störer (nennen wir ihn mal so) hat

a) eine grundsätzlich negative Einstellung gegen Alles und verhält sich trotzig,

b) eine deutlich abweichende Ansicht,

c) schweigt lange und erklärt sich dann mit dem Ergebnis nicht einverstanden.

So werden Sie als Moderator/in mit abweichendem Verhalten Einzelner fertig:

Grundsätzlich negative Einstellung

Schlechtes Benehmen einfach übersehen, Wortmeldungen des Störers berücksichtigen, bei emotionalen Äußerungen nachfragen: „Wie darf ich das jetzt genau verstehen?“ „Wie soll ich jetzt Ihre Äußerung protokollieren?“ – Wenn es gar nicht anders geht: „Herr Störer, ich mache Sie darauf aufmerksam, dass Sie durch Ihr Verhalten das Meeting stören, bitte unterlassen Sie das“. Wenn auch das noch nicht hilft, Störer aus dem Meeting verweisen oder Meeting abbrechen.

Wichtig: Begegnen Sie dem Störer ernst und vermeiden Sie auf jeden Fall Ihrerseits abfällige Bemerkungen oder Ironie. Sonst besteht schnell die Gefahr, dass der Störer die ganze Gruppe auf seine Seite zieht.

Bitte vermeiden Sie, herausbekommen zu wollen, was den Störer zu seinem Verhalten  motiviert. Vielleicht fühlt er sich übergangen, vielleicht  hat er grundsätzlich eine negative Einstellung oder Stress mit seinem Chef, seiner Frau, seinen Kindern ... Man weiß es nicht – und es ist auch nicht notwendig, das zu wissen. Wichtig ist lediglich, dass er sein Verhalten in Ihrer Gegenwart ändert.

Abweichler

Wenn jemand im Meeting eigenartige Ansichten vertritt, dann stört das zwar, aber er ist kein Störer. Letztendlich verliert dieser Typ gegen die Mehrheitsmeinung und wird zum Buhmann, aber deswegen ist er noch lange kein Loser. Manchmal liegen solche Typen mit ihren Einschätzungen sogar richtig: Allgemeines Teamkuscheln und Harmoniebedürfnis vernebeln schnell den Blick auf die wirklichen Erfolgsfaktoren oder Risiken.

Also: Ernst nehmen, seine Aussagen protokollieren und eindringlich noch einmal in die Runde fragen, ob die abweichende Meinung wirklich völlig abweicht, oder ob da nicht doch das eine oder andere zu bedenken sei.

Schweiger

Wenn jemand im Meeting grundsätzlich schweigt, ist er entweder sehr introvertiert, oder ihm passt etwas nicht. Doch spätestens, wenn Sie zu den einzelnen Punkten Kommentare aller einholen,  muss sich auch der Schweiger äußern. Wenn er das tut, kann er auch das Endergebnis nicht mehr verhindern.

Und je nachdem, wie sich der Schweiger bei den einzelnen Punkten äußert, wissen Sie, ob er zur Kategorie heimlicher Störer/schüchterner Abweichler gehört – oder einfach keine dezidierte Meinung zu einem bestimmten Thema hat. Merke: Meeting ist nicht Kindergarten, wo alle (pädagogisch wertvoll) mitmachen dürfen (sollen), bei einem Meeting geht es um Ergebnisse.

Zum Autor: Claus von Kutzschenbach ist Managementberater und -Trainer in Wiesbaden, Buchautor (z.B.: „Frauen – Männer – Management“) und wurde im Jahr 2010 Präsident des BDV e.V. – Der Berufsverband für Trauner, Berater und Coaches. Adresse: www.cvk-consulting.de