WirtschaftDi, 19.03.2013 08:31

Mittelstandsbarometer: Schuldenkrise wichtigstes Konjunkturrisiko

Dem deutschen Mittelstand bereitet die europäische Schuldenkrise große Sorgen. 72 Prozent der Unternehmer erwarten eine weitere Zuspitzung der Krise. Diese ist nach Meinung der Unternehmer derzeit das größte Konjunkturrisiko. Darunter leidet auch die Zustimmung zur Politik für den Standort Deutschland. Nur knapp 80 Prozent der Mittelständler bewerten die Standortpolitik der Bundesregierung positiv. Auch mit den regionalen Vorraussetzungen sind die Mittelständler nicht mehr ganz so zufrieden wie noch vor einem Jahr. Am besten schneiden im Standort-Ranking Bayern und Baden-Württemberg ab. Das sind Ergebnisse des Mittelstandsbarometers 2013 der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young.

Spätestens seit der Wahl in Italien steht hinter dem vermeintlichen Abflauen der europäischen Schuldenkrise wieder ein großes Fragezeichen. Und auch die deutschen Mittelständler glauben nicht, dass die Krise schon bald ausgestanden ist. Knapp drei von vier Befragten rechnen damit, dass der schlimmste Teil der Schuldenkrise noch bevorsteht. 30 Prozent der Manager gehen sogar davon aus, dass die europäische Währungsunion auseinanderfallen wird. Und die große Mehrheit der Unternehmer (81 Prozent) ist der Ansicht, dass schließlich auch Deutschland in erheblichem Umfang für die Schulden anderer Euro-Länder zahlen wird.

„Viele Mittelständler misstrauen den bisherigen Strategien der Politiker zur Lösung der Staatsschuldenkrise. Aus eigener Erfahrung wissen sie um die Notwendigkeit struktureller Anpassungsprozesse in Krisenzeiten und sehen in einer Politik des billigen Geldes vor allem einen Aufschub der Probleme, nicht aber die Lösung“, beobachtet Peter Englisch, Partner bei Ernst & Young. Zudem müssen viele in den südeuropäischen Ländern engagierte Mittelständler derzeit schmerzhafte Einbußen bei ihrem Geschäft vor Ort hinnehmen.

Vorerst sei in den Krisenländern keine positive Trendwende auszumachen. Im Gegenteil: „Einige der wichtigsten Auslandsmärkte deutscher Unternehmen – vor allem Spanien, Italien und auch Frankreich – fallen als Wachstumstreiber vorerst aus“, konstatiert Englisch. „Und unabhängig davon, ob eine politische Lösung für das Schuldenproblem gefunden wird, die auch die Märkte überzeugt, steht fest: Die Talsohle der Krise in den südeuropäischen Schuldenländern ist noch nicht erreicht. Diese Volkswirtschaften befinden sich nach wie vor im Abwärtsstrudel – und das spüren wir auch Deutschland.“

Trotz des düsteren Ausblicks ist die große Mehrheit der Mittelständler grundsätzlich zufrieden mit der Politik für den Standort Deutschland. 80 Prozent der Befragten bewerten die bundesweite Standortpolitik positiv ("eher gut" oder "gut"). Im Vorjahr lag die Zustimmungsquote mit 87 Prozent noch etwas höher. Nachdem allerdings die Zustimmung seit 2009 kontinuierlich gestiegen war, könnten die aktuellen Zahlen eine Trendwende signalisieren.

Auch die Bewertung der Rahmenbedingungen in den Bundesländern fällt in diesem Jahr etwas zurückhaltender aus als 2012. Nach 90 Prozent im Vorjahr äußern sich derzeit durchschnittlich 86 Prozent der Unternehmen zufrieden mit den Rahmenbedingungen in ihrem Bundesland. Besonders gute Noten gibt es für Bayern. Das Land führt sowohl das Gesamtranking an und schneidet auch in den Kategorien Mittelstands-, Bildungs- und Förderpolitik am besten ab. Auch die Rahmenbedingungen in Baden-Württemberg und Niedersachsen werden von den Mittelständlern vor Ort überdurchschnittlich positiv bewertet.

Die besten Noten für ihre Mittelstandspolitik erhalten in diesem Jahr Bayern und Berlin. Danach folgen Thüringen, Rheinland-Pfalz und Hamburg. In den meisten anderen Bundesländern ist die Zustimmung zur Mittelstandspolitik hingegen rückläufig.

(Redaktion)