WirtschaftFr, 19.08.2011 10:48

Mittelstandsreport 2011: Fachkräftemangel bremst Aufschwung am Arbeitsmarkt

Der deutsche Mittelstand will weiter Personal aufbauen. Kleine und mittlere Betriebe werden in den nächsten Monaten bis zu 300.000 Jobs schaffen. Stünden genug Fachkräfte zur Verfügung, könnten es noch mehr sein. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage des DIHK, der mehr als 20.000 Unternehmensantworten zugrunde liegen.

Die Beschäftigungspläne, die der DIHK-Mittelstandsreport 2011 aufzeigt, sind fast so expansiv wie im Konjunktur-Boom des Sommers 2007: 23 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen möchten in kommenden Monaten Mitarbeiter einstellen, nur 9 Prozent wollen ihre Belegschaften verkleinern, die restlichen 68 Prozent planen mit unveränderter Personalstärke.

Getragen wird die erfreuliche Entwicklung am Arbeitsmarkt von der gesamten Breite der Wirtschaft. Die stärksten Beschäftigungsimpulse setzt derzeit die Binnenwirtschaft: Kleine und mittelgroße Händler, aber auch die mittelständischen Bauunternehmer und Hersteller von Schmuck, Musikinstrumenten, Sportgeräten sowie Spielwaren sind so einstellungsbereit wie nie zuvor.

Gleichzeitig spürt der exportorientierte industrielle Mittelstand noch immer eine hohe Nachfrage auf den internationalen Märkten. So wollen etwa die mittelständischen Maschinenbauer in den kommenden Monaten ihre Belegschaften kräftig aufstocken, ebenso kleine und mittelgroße Chemieunternehmen.

Die in der ganzen Wirtschaft gestiegene Einstellungsbereitschaft ist auch Ausdruck einer gestiegenen Attraktivität des Standortes Deutschland. Insbesondere die vergleichsweise moderate Lohnentwicklung hat Arbeitskostennachteile gegenüber anderen Ländern verringert.

Die Kehrseite der Medaille: Mit der insgesamt noch guten Konjunktur spüren die Unternehmen immer stärker die Engpässe bei qualifiziertem Personal. Offene Stellen können zunehmend nicht oder nur schwer besetzt werden. Damit verhindert der Fachkräftemangel, dass noch mehr als 300.000 Jobs entstehen. Können Aufträge nicht angenommen werden, schlägt das letztlich auch beim Wirtschaftswachstum negativ zu Buche.

32 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten sehen hierin bereits kurzfristig ein Risiko für ihre Geschäftstätigkeit, vor gut einem Jahr waren es mit 16 Prozent nur halb so viele. Viele Unternehmen haben vor allem Probleme bei der Suche nach technisch-mathematisch versierten Fachkräften. Der Mangel betrifft jedoch längst nicht mehr nur hochqualifiziertes Personal; auch Gastgewerbe und Hotelbranche betrachten die Engpässe zunehmend als Risiko.

Der Mittelstand begegnet der Herausforderung, die Fachkräftebasis zu sichern, mit vielfältigen Strategien. Die Palette reicht von verstärkten Anstrengungen zur Gewinnung von Auszubildenden und zur frühzeitigen Bindung von Hochschülern etwa durch Stipendien und Studentenpraktika über Weiterbildung durch die Betriebe bis hin zur verbesserten Vereinbarkeit von Familie und Beruf und zur finanziellen Unterstützung von Gesundheitsmaßnahmen.

(Redaktion)