WirtschaftFr, 18.01.2013 10:33

Nachhaltigkeit: Unternehmen fehlen Methoden zur Erfolgsmessung

Knappe Ressourcen, Klimawandel und demografische Veränderungen haben zu einem Umdenken in der Wirtschaft geführt. Ökologisch und sozial verträgliches Handeln gilt heute auch als wirtschaftlicher Erfolgsfaktor. Mehr als zwei Drittel der Fach- und Führungskräfte in Deutschland sind der Ansicht, dass Nachhaltigkeit in der Wertschöpfung für ihr eigenes Unternehmen wichtig ist. Allerdings mangelt es noch an der Umsetzung. Erst weniger als die Hälfte der Unternehmen misst und steuert systematisch die Nachhaltigkeit ihrer Aktivitäten. Das ist ein Ergebnis des "Managementkompass Nachhaltige Wertschöpfung" von Steria Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut.

„Das Nachhaltigkeitsmanagement sollte fest ins Kerngeschäft integriert werden. Denn nur dann wird es gelingen, den Unternehmenswert dauerhaft zu steigern“, sagt Michael Hagedorn, Senior Executive Manager bei Steria Mummert Consulting. „Dazu gehört, die Aktivitäten des eigenen Unternehmens fortlaufend auf ihre Umwelt- und Sozialverträglichkeit zu überprüfen“, so Hagedorn. Er empfiehlt zu diesem Zweck, spezielle Instrumente wie eine Sustainability Balanced Scorecard einzuführen. Mit dieser lässt sich die Nachhaltigkeit anhand von Steuerkennzahlen, den sogenannten Key Performance Indicators (KPIs), überwachen.

Eine derartige Erfolgsmessung und Steuerung wird bisher aber erst in neun von 20 Unternehmen umgesetzt. In einzelnen Branchen sind es sogar noch deutlich weniger. Unter den befragten Banken messen 39 Prozent die Nachhaltigkeit ihrer Aktivitäten, bei den Versicherern nur ein Drittel. Das Schlusslicht bilden Unternehmen aus dem Bereich Telekommunikation, IT und Medien. Hier sind es nur 31 Prozent. Führend ist der Handel als der einzige Bereich, in dem mit 53 Prozent mehr als die Hälfte der Unternehmen die Nachhaltigkeit systematisch lenken.

Als ersten Schritt, um das Nachhaltigkeitsmanagement fest in einem Unternehmen zu etablieren, empfiehlt es sich, in der obersten Führungsebene einen Verantwortlichen zu benennen. Dieser sorgt für die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen und die Entwicklung ethischer Richtlinien. „Das Topmanagement sollte den Anspruch gesellschaftlich verantwortungsbewussten Handelns vorleben und dafür sorgen, dass diese Werte auch im mittleren Management und bei den Mitarbeitern verankert werden“, sagt Hagedorn.

Die Erfolge das Nachhaltigkeitsmanagements sollten auch außerhalb des Unternehmens kommuniziert werden: „Nachhaltige Unternehmen genießen viele Vorteile, wie einen guten Ruf am Arbeitsmarkt. Sie haben es leichter, qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnen“, so Hagedorn. Doch auch in dieser Hinsicht besteht in der deutschen Wirtschaft noch großer Nachholbedarf. Selbst unter den Unternehmen, die bereits Nachhaltigkeits-KPIs einsetzen, veröffentlichen nur 19 Prozent diese Steuerungskennzahlen in ihrem externen Berichtswesen.

(Redaktion)