Do, 28.04.2011 09:32

Firmenchroniken unterstützen sanfte Übergänge in der Unternehmensnachfolge

Von: Irene Wahle

Das eigene Unternehmen loszulassen und weiter zu geben verlangt viel Mut. Denn ist ein Abschied von einem tragenden Eckpfeiler des Lebens. „8.600 Mal geschah das in den Jahren zwischen 2002 und 2008 in Deutschland.“ Das sagt eine vom Europäischen Wirtschaftszentrums und dem Institut für Mit-telstandsforschung der Universität Mannheim herausgegebene Studie aus und ergänzt: „80% der Unternehmensübergaben sind gut vorbereitet gewesen. Das ermöglichte dem neuen Inhaber einen guten Start.“

Eine Möglichkeit sich mit der Nachfolge auseinander zu setzen, bieten Firmenchroniken. Der Unternehmer kann sich durch die Reflexion von einem Lebensabschnitt verabschieden; eine Bilanz über den zurückgelegten Weg ziehen; sich über die Zukunft seines Unternehmens klar werden und dadurch seinen Staffelstab vertrauensvoll übergeben. In der Firmenchronik können bewährte Kunden- und Geschäftsbeziehungen besprochen werden. In Form von Geschichten und Geschichte spiegelt die Unternehmenschronik dem Inhaber und dem Nachfolger Unternehmensleistungen,  verdeutlicht die Firmenphilosophie und  legt Zeugnis durch Referenzen zufriedener Kunden ab. Sie gibt Branchenwissen weiter und erzählt von überwundenen Stolpersteinen. Eine Firmenchronik erklärt einstige Entscheidungen, die daraus gewonnenen Einsichten und dokumentiert Erkenntnisse, Tipps und Tricks aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf ein unternehmerisches Ereignis.

Die Aufzeichnungen bieten für den Nachfolger eine Quelle, um  aus dem Erfahrungsschatz eines Betriebes zu schöpfen, Menschen und Unternehmung hautnah kennen zu lernen und unterstützen ihn dabei Sicherheit zu gewinnen. Die Firmenchronik kann außerdem dazu genutzt werden, um in den Dialog mit dem Neuen zu treten. In diesem Prozess können Fragen nach der Führungsstruktur, dem Führungsstil,  der Unternehmenskultur und dem Leitbild des Unternehmens gestellt und überdacht werden. Getreu der Erkenntnis von Dr. Bernd F. Pelz: „Es geht darum, dass sich die neue Führung auf das Unternehmen einstellt. Praktisch heißt das, der Neue muss Ideen durchsetzen und dabei das Wohl des Unternehmens im Auge behalten.“

Eine, die ein familiengeführtes Unternehmen in dritter Generation übernehmen wird und den Dialog mit den Altvorderen mittels einer Firmenchronik suchte,  ist Heike Eberle. Seit elf Jahren ist sie im familiengeführten Betrieb Eberle Bau in Landau mit Herz und Seele dabei. Die diplomierte Betriebswirtin wird den Betrieb von ihrem Vater, Helmut Eberle, übernehmen. So wird der Weg in die Zukunft des Familienunternehmens erleichtert.

Die Unternehmensbiographie von Eberle Bau entstand in den Vorbereitungen zum 60. Firmenjubiläum auf Betreiben der Nachfolgerin, Heike Eberle. Die anerkannte Qualtiätsmeisterin wollte herauszufinden: „Woher komme ich? Wer bin ich und wofür stehe ich?“ Sie recherchierte, schrieb und besprach sich mit ihrem Vater. Ihre Auseinandersetzung schenkte ihr die erneute Begegnung mit ihrem vor zwanzig Jahren verstorbenen Großvater, dem Unternehmensgründer, Otto Eberle. Sie sagt: „Dadurch wurde mir klar, aus welchem Hause ich komme, wer ich bin und wofür ich stehe. Ich erkannte, was meinen Großvater, meinen Vater und mich verbindet. Mir wurde bewusst, welche Unternehmerqualitäten jeder für sich in seiner Zeit benötigte, um unser Unternehmen erfolgreich zu führen. Mit Stolz blicke ich auf das, was die Menschen meiner Familie erschaffen haben: ein wertvolles Unternehmen, dass unzählige Bauwerke realisiert hat und bewahrt. Darunter Baudenkmäler, die die Menschen bewundern.“

Die Nachfolgerin, die etwas bewegen will, fügt hinzu: „während ich mich in die Wurzeln unserer Familie vertiefte, habe ich im Stillen meinem Großvater Otto für sein Werk gedankt und mich innerlich vor ihm verbeugt. Meinem Vater habe ich dafür gedankt, dass er unsere Firma für die Zukunft bewahrt hat. Die Beschäftigung mit meiner Familiengeschichte setzte Energien in mir frei und erleichterte es mir, meine Rolle als Nachfolgerin anzunehmen und in ihr zu wachsen. Last but not least offenbarte sie mir den Sinn meines heutigen Unternehmerinnentums:

„Wertstabil und nachhaltig bauen und sanieren. Unsere traditionsreiche Kompetenz als Referenz zu nutzen. Dabei herzlich mit unseren Kunden umzugehen.“

Gediegene Bauwerke, zufriedene Kunden und jüngst die Nominierung für den „Großen Preis des Mittelstandes“ anerkennen und bestätigen die traditionsreiche Unternehmerleistung.

Über die Biographin Irene Wahle:
Irene Wahle ist seit Dezember 2004 selbständig als Biographin. Die Freiberuflerin schreibt, gestaltet  und produziert Biographien und Firmenchroniken. Im Jahr 2008 gewann sie den „1. Deutschen Biographiepreis“ für die von ihr geschriebenen Lebenserinnerungen eines Berliner Betriebsingenieurs: „Kandelaber-Heckmann“. Irene Wahle setzt sich mit ihrer Arbeit dafür ein, Lebens – und Unternehmenserinnerungen als wichtigen Teil unserer Kulturgeschichte zu bewahren und Lebensleistungen zu würdigen. Weitere Informationen stehen unter www.irene-wahle.de zur Verfügung.

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