Marketing & PersonalDi, 08.06.2010 10:06

Psychische Belastungen bei Arbeitnehmern werden von Unternehmen unterschätzt

Immer mehr Arbeitnehmer leiden an psychischen Störungen. Doch trotz der steigenden Anzahl von Fehltagen und den hohen Kosten, die durch psychische Belastungen auf die Unternehmen zukommen, fehlt bei vielen das Bewusstsein für diese Erkrankungen. Dies ergab eine Umfrage des TÜV SÜD Life Service zur Wahrnehmung von Stress in Betrieben, bei der TÜV SÜD-Betriebsärzte befragt wurden.

TÜV SÜD befragte erfahrene Betriebsärzte zu psychischen Belastungen von Mitarbeitern in mittelständischen Unternehmen. Insgesamt sind sich über 80 Prozent der befragten Betriebsärzte darin einig, dass psychische Störungen am Arbeitsplatz zunehmen. Im Gegensatz dazu schätzen sie jedoch das Bewusstsein der Unternehmen für psychische Belastungen als schwach ein. Nur etwa jeder zehnte Betrieb nimmt demnach psychische Erkrankungen wirklich ernst. Dementsprechend niedrig ist auch die Bereitschaft, Geld in entsprechende Frühwarnsysteme und Präventivmaßnahmen zu investieren.

Knapp 63 Prozent erwarten auch für die nähere Zukunft keine nennenswerten Investitionen in diesem Bereich. Diese Zahlen sind jedoch insoweit erstaunlich, da psychische Erkrankungen für den Arbeitgeber enorme Kosten bedeuten. Neben verminderter Motivation und Leistungsfähigkeit sind auch die durchschnittlich 22 bis 27 Ausfalltage ein großer wirtschaftlicher Faktor. In den Augen der Betriebsärzte werden zum einen zu wenige Maßnahmen zur Prävention von psychischen Krankheiten angeboten und zum anderen ist die Wirksamkeit bestehender Angebote eher gering.

Dabei gaben mehr als zwei Drittel der Befragten an, dass sie in den Unternehmen, die sie betreuen, bereits mit typischen psychischen Belastungsfaktoren konfrontiert wurden. Zu den häufigsten zählen zu enge Terminvorgaben und damit steigender Zeitdruck, Konflikte am Arbeitsplatz und Mobbing. Aber auch mangelnde Anerkennung und Wertschätzung der Leistung sowie die Angst um den Arbeitsplatz treiben bei vielen Angestellten den Stresspegel in die Höhe. Über drei Viertel der befragten Ärzte hatte daher schon mit Beschäftigten zu tun, die unter depressiven Episoden und Angststörungen litten oder zu Suchtmittel griffen.

Doch auch körperliche Symptome, die oft eine psychische Ursache haben, wie Kopfschmerzen, Erschöpfung, Verspannungen und Schlafstörungen, gehören bei fast allen Befragten zum Arbeitsalltag.

Arbeitnehmer sind in den vergangenen Jahren immer seltener wegen klassischen Erkrankungen oder Unfällen ausgefallen, sondern zunehmend aufgrund psychischer Erkrankungen. Laut DAK-Gesundheitsreport 2009 ist die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen insgesamt gegenüber dem Vorjahr mit 7,9 Prozent stärker gestiegen als die anderer wichtiger Erkrankungsgruppen. Ihr Anteil am Krankenstand betrug im Jahr 2008 10,6 Prozent.

(Redaktion/TÜV SÜD)

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