WirtschaftDo, 07.07.2011 08:39

Unternehmen setzen auf kontinuierliche Restrukturierung, um Wettbewerbsfähigkeit zu steigern - Risikomanagement unterschätzt

Nach der Finanz- und Wirtschaftskrise geben sich deutsche und internationale Unternehmen wieder optimistisch und schätzen ihre Wettbewerbsfähigkeit als hoch bis sehr hoch ein. Um ihre Chancen auf dem Markt zu erhöhen, setzen deshalb 83 Prozent der Unternehmen weltweit weiter auf Restrukturierung. Abgesehen von Energie- und Handelsunternehmen verbesserte sich bei den meisten deutschen Unternehmen die Liquiditätslage deutlich.

Derselbe Trend ist auch international zu beobachten - allerdings bezeichnen weltweit zehn Prozent die Lage noch immer kritisch. Risiken, die von der Entwicklung der Rohstoffpreise und Währungskurse abhängen, sind für Unternehmen immer noch Grund zur Sorge. Trotzdem unterschätzt die Mehrheit der Unternehmen die Rolle eines strukturierten Risikomanagements. Dies sind die Ergebnisse der neuen nationalen und internationalen Restrukturierungsstudien von Roland Berger Strategy Consultants.

"Nach der schweren Wirtschaftskrise hat sich die Stimmung bei den deutschen und internationalen Unternehmen endlich wieder aufgehellt", sagt Max Falckenberg, Partner bei Roland Berger. "Inzwischen erwarten in Deutschland 80 Prozent einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von mindestens zwei Prozent in diesem Jahr." 2012 rechnen immerhin noch 53 Prozent mit einem solchen Plus.

Während 73 Prozent der befragten Unternehmen von einer Umsatzsteigerung von mindestens zehn Prozent ausgehen, befürchtet etwa ein Viertel von ihnen stagnierende Umsätze im laufenden Jahr. Weltweit wird - außer in China - ein BIP-Plus von 1,6 Prozent in diesem und 1,8 Prozent im kommenden Jahr erwartet. Chinesische Unternehmen dagegen rechnen in beiden Jahren mit einem Wachstum von mehr als neun Prozent. Trotzdem herrscht geteilte Meinung über die Nachhaltigkeit des Aufschwungs. So glaubt gerade mal die Hälfte der deutschen Unternehmen, dass die aktuelle wirtschaftliche Erholung lange halten wird. International bezeichnen sogar 71 Prozent der befragten Firmen den Aufschwung als nicht substanziell.

Insgesamt sind deutsche Unternehmen der Ansicht, dass sie mit gestärkter Wettbewerbsfähigkeit aus der Krise hervorgegangen sind (79%) - weltweit sind es 64 Prozent. Mehr als die Hälfte der deutschen und 68 Prozent der internationalen Firmen konnten ihre Marktposition durch Restrukturierungsmaßnahmen verbessern. So sehen mehr als 80 Prozent der Unternehmen das Thema Restrukturierung als Daueraufgabe. Dabei bemühen sich sowohl deutsche (87%) als auch internationale Firmen (81%) primär darum, ihre Kosten zu senken und ihre Effizienz zu steigern. Strategie und vor allem Risikomanagement spielen noch eine untergeordnete Rolle.

"Die Bedeutung des Risikomanagements im Bezug auf wieder anziehende Rohstoffpreise und volatile Währungskurse wird von den Unternehmen - etwa im Vergleich zu Kostenthemen - unterschätzt und sollte einen höheren Stellenwert einnehmen", sagt Roland Berger Partner Falckenberg. Dabei hält es die überwiegende Mehrheit der Unternehmen für eine wichtige Möglichkeit, die Währungs- und Rohstoffpreisrisiken an den Kunden weiterzugeben. Allerdings sehen sie erhebliche Schwierigkeiten bei der Umsetzung.

Die Studien zeigen außerdem, dass sich die Liquiditätssituation der Unternehmen sowohl in Deutschland als auch weltweit deutlich entspannt hat. So betrachten nur acht Prozent der deutschen Firmen die Lage als kritisch; im Jahr 2009 waren es noch 19 Prozent. Doch manche Industriebereiche zeigen noch Liquiditätsprobleme: So hat sich die Lage bei über 30 Prozent der Energieunternehmen und bei 17 Prozent der Handelsbetriebe verschlechtert. Weltweit sorgen sich immerhin noch zehn Prozent der Befragten um ihre Liquidität.

Für 76 Prozent der befragten Unternehmen wird Asien 2011 am meisten vom Aufschwung profitieren - das sind sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Es folgen Mittel- und Südamerika mit 56 Prozent. Aufgrund dieses Wachstums sieht rund die Hälfte der Unternehmen weltweit Bedarf an Finanzierung, um das Wachstum voranzutreiben. Dafür setzen die meisten Unternehmen auf die interne Finanzierungskraft (81%); an zweiter Stelle folgen mit großem Abstand Bankkredite (56%).

Mögliche Behinderungen für künftiges Wachstum sehen in Deutschland 73 Prozent, weltweit 68 Prozent der Befragten in der mangelnden Verfügbarkeit qualifizierter Mitarbeiter. "Hochqualifiziertes Personal einzustellen und langfristig an das Unternehmen zu binden, sind wichtige Voraussetzungen, um erfolgreich am Markt zu sein. Denn gute Mitarbeiter sorgen für nachhaltiges Wachstum im Unternehmen. Kein Wunder, dass qualifizierte Fachkräfte immer stärker umkämpft sind", resümiert Falckenberg.

(Redaktion)