UnternehmensnachrichtenDi, 05.11.2013 10:40

Vom äußeren Impuls zur internen Dynamik - wie das Thema „Lean“ uns erfasste

Von: Jens Amberg, Geschäftsführer

halstrup-walcher beschäftigt etwa 120 Mitarbeiter und ist Marktführer für Positioniersysteme und innovative Mechatronik- und Druckmesstechnik-Lösungen. Der Haupt-Geschäftsführer Jürgen Walcher des Kirchzartener Familienunternehmens wusste, dass das Unternehmen lean, also schlanker werden sollte. Er wusste auch, was das bedeutet, aber dass dieses Thema eine solche Dynamik entwickeln würde, hatte er nicht erwartet.

Eine Shopfloor-Runde bei halstrup-walcher in Kirchzarten. (Foto: halstrup-walcher)

Eine Shopfloor-Runde bei halstrup-walcher in Kirchzarten. (Foto: halstrup-walcher)

Jürgen Haid, der das Wertschöpfungsteam bei halstrup-walcher leitet, erinnert sich, dass ein starker externer Impuls erforderlich war, bis das Projekt ins Rollen kommen konnte. Ohne die professionelle Begleitung, die vielen methodischen Ansätze und auch die Begeisterung der Staufen AG für das Thema wäre sicher alles nicht viel mehr als ein Lippenbekenntnis geblieben.

Die Wirkung dieses externen Impulses wurde bewusst verstärkt, indem innerhalb kurzer Zeit die gesamte Belegschaft in das Thema schlankes Unternehmen eingeführt wurde. Es  wurden in allen Firmenbereichen 5SWorkshops durchgeführt. Dabei wird mit Blick auf optimale Abläufe und Ordnung den Verschwendungen der Kampf angesagt. Das Schlagwort kontinuierliche Verbesserung sagt im Grunde schon, worum es geht: Wäre es bei sporadischen externen Impulsen in Form von Berater-Workshops geblieben, so wäre der Fortschritt kaum zu einem ständigen Prozess geworden.

Im Zuge des Gesamtprojekts, wurden zwei Mitarbeiter aus der Fertigung als dauerhaft tätiges Wertschöpfungsteam aufgebaut. Schon bald ging dieses Team ein „Leuchtturmprojekt“ in der Fertigung an. Anstelle vieler paralleler Projekte wurde durch diese Fokussierung erreicht, dass in der Belegschaft eine weitaus höhere Bereitschaft zu Veränderungen entstand. Im Bereich der mechanischen Vorfertigung mit ihren Zahnradfräsmaschinen und Bearbeitungszentren wurden alle Mitarbeiter zum Thema 7V (die sieben Verschwendungsarten) geschult und in Workshops eingebunden. Hieraus folgten handfeste Anpassungen und auch Investitionen.

Als weitere Maßnahme wurde das Ideenmanagement wiederbelebt. Daraus entstanden weitere erfolgreiche Projekte in der Fertigung.

Ganz entscheidenden Anteil am Entstehen der internen Dynamik hatte die Einführung des Shopfloor-Management. Jeden Vormittag treffen sich zu festgelegten Zeiten alle Mitarbeiter (jeweils in ihrer Gruppe oder Abteilung) und anschließend der Führungskreis. Dabei werden alle relevanten Qualitäts-, Termin- und Kosten-Kennzahlen ausgewertet und wenn nötig Abstellmaßnahmen festgelegt. Zudem wird jede Störung bzw. nennenswerte Verschwendung im Anschluss an die Shopfloorrunde zeitnah bearbeitet.

Um auch auf technischem Gebiet aus jedem Fehler zu lernen und mit der geeigneten dauerhaften Abstellmaßnahme zu reagieren, finden regelmäßig 8D-Sitzungen statt, die nach dem bewährten VDA-Schema für 8D-Reports bearbeitet werden. Im Zuge von kontinuierlichen Verbesserungsmaßnahmen ist ein weiteres Leuchtturmprojekt gestartet worden, mit den Zielen Durchlaufzeitverringerung, Verbesserung der Lieferzeit und Erhöhung der Materialverfügbarkeit.

Abschließend erklärt Jürgen Walcher: „Zum einen lässt sich sagen, dass wir mit Blick auf die Entwicklung unserer Wertschöpfung jetzt unsere regelmäßigen Lohnerhöhungen auch wirklich verdienen. „Letztlich betreiben wir Lean nicht zur Nabelschau. Im Ergebnis wollen wir mit all unseren Maßnahmen erreichen, dass unsere Kunden in ihren eigenen schlanken Prozessen optimal unterstützt werden.“ Der Erfolg spricht sich inzwischen herum. Heute führt das Wertschöpfungsteam von halstrup-walcher auch in anderen Unternehmen entsprechende Workshops durch. „Das Hauptaugenmerk liegt für uns darauf, dass wir unsere positiven Erfahrungen nun gerne nach außen tragen“, so Jürgen Walcher.