WirtschaftDi, 02.09.2014 10:46

Weiterer Rückgang bei Ausbildungsverträgen

Mit einem Ausbildungsvertrag in der Tasche starten heute 39.800 junge Menschen bei einem baden-württembergischen Industrie-, Handels- oder Dienstleistungsbetrieb ins Berufsleben. Die Industrie- und Handelskammern (IHKs) im Land haben zum Ende August rund 740 Lehrverträge weniger eingetragen als im August 2013, ein Minus von knapp zwei Prozent. Die Kammern registrieren damit das dritte Jahr in Folge eine Abnahme der Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge.

Ursachen für diese Entwicklung sind nach Angaben der IHKs der demografische Wandel, wodurch immer weniger Jugendliche jährlich die Schulen verlassen, sowie der Trend zu höheren Schulabschlüssen und Studium. Die IHKs rechnen damit, dass in Baden-Württemberg rund 6.000 Lehrstellen in diesem Jahr unbesetzt bleiben könnten. Demgegenüber liege die Zahl der Studienabbrecher in Deutschland durchschnittlich bei über einem Fünftel der Studierenden.

„Der Mangel an Bewerbern stellt viele Unternehmen heute schon vor Probleme“, sagt Andreas Richter, Hauptgeschäftsführer der IHK Region und Federführer Ausbildung der IHKs in Baden-Württemberg. Halte der Trend an, würde sich damit auch die Fachkräftesituation in den Unternehmen für die Zukunft zusätzlich verschärfen. „Fehlende Auszubildende von heute sind fehlende Fachkräfte von morgen“, so Richter.

Die IHKs unterstützten die Ausbildungsbetriebe mit unterschiedlichsten Angeboten bei der Suche und Vermittlung von Auszubildenden, wie zum Beispiel in dem Projekt „Ausbildungsbotschafter“, wo Azubis in Schulen für ihre Berufe werben und setzen sich bei der Schulpolitik für die Verbesserung des Wirtschaftswissens und Berufsorientierung von Schülern ein. Laut Richter müsse es aber auch ein Umdenken in den Betrieben geben. „Junge Leute erwarten heute mehr als ein attraktives Gehalt. Sie brauchen Begleitung in der Ausbildung und ein gutes Betriebsklima, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie berufliche und persönliche Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Sie wollen in einem Betrieb arbeiten, das Werte vertritt und Produkte herstellt, die nachhaltig sind.“ Viele Unternehmen hätten bei ihrem Auftritt als Arbeitgeber und beim Umgang mit ihren Auszubildenden noch Modernisierungs- und Nachholbedarf. Auch müsse dafür qualifiziertes Personal vorhanden sein.

Richter: „Der Königsweg zur Fachkräftesicherung in den Betrieben ist und bleibt die betriebliche Ausbildung. Sie ist ein Wettbewerbsvorteil unserer Wirtschaft und darf nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.“

Neben rund 4.500 neuen Ausbildungsplätzen stellen die Südwestbetriebe für das beginnende EQ-Jahr ab Oktober knapp 1.200 EQ-Plätze bereit, von denen nach Einschätzung der IHKs nur ein Teil nachgefragt werden wird. Ende August lag die Zahl der neuen EQ-Verträge in Baden-Württemberg bei mehr als 800. Bei EQ absolvieren Jugendliche ein sechs- bis zwölfmonatiges Praktikum im Betrieb indem Teile eines anerkanntes Ausbildungsberufs vermittelt werden. Ist der Ausbildungsbetrieb zufrieden mit dem Praktikanten, wird dieser sehr häufig übernommen und kann eine Lehre anschließen. Über dieses Modell werden laut IHKs rund zwei Drittel der EQ-Praktikanten in ein Ausbildungsverhältnis überführt.

(Redaktion)