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Wirtschaft | Mi, 11.08.2010 09:49

Anteil der Selbstständigen in Baden-Württemberg im europäischen Vergleich gering

Nach den Angaben des Mikrozensus, der größten amtlichen Haushaltsbefragung in Deutschland, waren im Jahr 2009 rund 5,3 Mill. Personen in Baden-Württemberg erwerbstätig. Wie das Statistische Landesamt feststellt, sind von den Erwerbstätigen 89 Prozent in einem abhängigen Arbeitsverhältnis als Angestellte (58 Prozent), Arbeiter (26 Prozent) oder Beamte (5 Prozent) beschäftigt. Rund 536.000 Personen (10 Prozent aller Erwerbstätigen) üben eine selbstständige Tätigkeit aus. Als mithelfender Familienangehöriger in einem Betrieb eines Familienmitglieds arbeitet rund 1 Prozent der Erwerbstätigen.


Im Vergleich zum Jahr 1999 hat sich die Zahl der Erwerbstätigen insgesamt um ca. 489.000 Personen (10 Prozent) erhöht, während die Zahl der Selbstständigen um etwa 60.000 Personen (13 Prozent) angestiegen ist. Rund 46 Prozent aller Erwerbstätigen sind Frauen. Der Frauenanteil an allen Selbstständigen fällt mit knapp 31 Prozent (164.000) jedoch wesentlich geringer aus. Allerdings hat sich die Zahl der selbstständigen Frauen in den letzten 10 Jahren um 30 Prozent (37.000) erhöht, während die Zahl der selbstständigen Männer nur um gut 6 Prozent (22.000) angewachsen ist.

Die Gruppe der Selbstständigen unterteilt sich in knapp 54 Prozent Selbstständige ohne Beschäftigte (so genannte »Solo-Selbstständige«) und rund 46 Prozent Selbstständige mit Beschäftigten. Fast die Hälfte aller Selbstständigen (48 Prozent) ist im Bereich »Sonstige Dienstleistungen« beschäftigt. Von den selbstständigen Frauen sind sogar mehr als zwei Drittel (68 Prozent) und von den selbstständigen Männern 39 Prozent in diesem Bereich tätig, der u.a. das Kredit- und Versicherungsgewerbe, das Grundstückswesen, Vermietung, wirtschaftliche Dienstleistungen (z.B. DV-Dienstleister oder Werbung) und öffentliche und private Dienstleistungen umfasst. Im Bereich Handel, Gastgewerbe und Verkehr ist ein gutes Viertel (26 Prozent) aller Selbstständigen tätig. Knapp 20 Prozent arbeiten im Produzierenden Gewerbe und rund 5 Prozent im Bereich Land-, Forstwirtschaft, Fischerei.

Die durchschnittliche Arbeitszeit der Selbstständigen – gemessen an den normalerweise geleisteten Arbeitsstunden je Woche – liegt mit rund 45 Stunden je Woche deutlich über dem Durchschnitt der wöchentlichen Arbeitszeit aller Erwerbstätigen in Voll- und Teilzeit (35 Stunden je Woche). Mehr als die Hälfte der Selbstständigen (56 Prozent) gaben an, 45 und mehr Stunden pro Woche zu arbeiten. Knapp ein Viertel der Selbstständigen (24 Prozent) arbeitet im Durchschnitt 55 bis 69 Stunden je Woche und fast jeder Zehnte Selbstständige sogar 70 und mehr Stunden. Bezogen auf alle Erwerbstätigen arbeiten 19 Prozent der Erwerbstätigen im Durchschnitt wöchentlich unter 20 Stunden, 15 Prozent 21 bis 35 Stunden, 45 Prozent 36 bis 40 Stunden, 5 Prozent 41 bis 44 Stunden und 15 Prozent 45 und mehr Stunden.

Baden-Württemberg (10 Prozent) und Deutschland (11 Prozent) weisen im europäischen Vergleich relativ geringe Selbstständigenquoten auf. Lediglich in Luxemburg und in 4 nordischen Staaten (Norwegen, Dänemark, Lettland, Estland) liegt der Anteil der Selbstständigen an allen Erwerbstätigen unter 10 Prozent. Stark verbreitet ist die Selbstständigkeit in süd- und osteuropäischen Ländern. Die höchsten Selbstständigenquoten weisen Griechenland (30 Prozent), Türkei (26 Prozent), Italien und Portugal (23 Prozent) sowie Rumänien (21 Prozent) auf. In der Europäischen Union (EU 27) sind im Durchschnitt knapp 15 Prozent aller Erwerbstätigen als Selbstständige tätig.

Auffällig ist, dass die Beschäftigungsform der »Solo-Selbstständigkeit« in süd- und osteuropäischen Ländern stärker verbreitet ist. Im Durchschnitt der Europäischen Union (EU 27) liegt der Anteil der Solo-Selbstständigen an allen Erwerbstätigen bei 10 Prozent, in Griechenland sogar bei knapp 21 Prozent, während er in Deutschland bei lediglich 6 Prozent liegt.

(Redaktion/Stat. LA)