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Wirtschaft | Mi, 22.05.2013 10:22

Anzahl der Gründungen auf niedrigstem Stand seit 2000

Im vergangenen Jahr haben sich in Deutschland 775.000 Personen selbständig gemacht. Das ist die niedrigste Anzahl von Gründern seit dem Jahr 2000. Einen Lichtblick gibt es allerdings: 47 Prozent der Gründer gaben an, mit ihrem Gründungsprojekt eine explizite Geschäftsidee umzusetzen und damit eine Chance wahrzunehmen. 2011 sagten dies nur 35 Prozent. Das sind Ergebnisse des aktuellen Gründungsmonitors der KfW.


„Der Rückgang der Gründungstätigkeit ist besorgniserregend, denn Gründer helfen unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und Arbeitsplätze zu schaffen“, sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe, anlässlich der Vorstellung der jährlichen, repräsentativen Analyse zum Gründergeschehen in Deutschland.

Der Anteil von Gründern in den Freien Berufen (bspw. Berater, Dozenten, Erzieher) stieg seit dem Jahr 2005 von 15 Prozent auf 39 Prozent in 2012 an. „Die bemerkenswerte Zunahme von Gründern mit beratenden und erzieherischen Tätigkeiten zeigt, wie das Angebot auf die veränderte Nachfrage einer Wissensökonomie reagiert“, so Dr. Zeuner.

Die Mehrjahresanalyse zeigt, dass der Anteil der Vollerwerbsgründer, die Bürokratie als Gründungshemmnis wahrnehmen, zwischen 2008 und 2012 von 33 auf 40 Prozent gestiegen ist. Auch die Sorge, dass die Selbständigkeit die eigene Familie stark belastet, ist unter den Vollerwerbsgründern heute weiter verbreitet als noch vor fünf Jahren. Dem allgemeinen gesellschaftlichen Trend folgend gewinnt offenbar auch bei Gründern eine bessere Work-Life-Balance Bedeutung.

Das mit der Selbständigkeit verbundene finanzielle Risiko wird von 31 Prozent der Vollerwerbsgründer als Problem wahrgenommen. Dies geht einher mit einem höheren Anteil von Existenzgründern, die über Finanzierungsschwierigkeiten berichten. Das betrifft sowohl Vollerwerbsgründer als auch für Gründer im Nebenerwerb. Dabei gilt: Je höher der Finanzierungsbedarf ist, desto wahrscheinlicher werden Finanzierungsschwierigkeiten. Am Ende setzten zwei Drittel der Gründer Eigen- oder Fremdmittel zur Finanzierung ein.

Gründer erzielen ein leicht höheres durchschnittliches Einkommen als Arbeitnehmer. Angesichts ihrer hohen Wochenstundenzahl (Vollerwerbsgründer: 48 Stunden; Arbeitnehmer: 38 Stunden) ist ihr rechnerische Stundenlohn aber oftmals sehr niedrig. Die Selbstständigkeit zahlt sich dennoch für viele Gründer aus: Insgesamt hat sich für 42 Prozent der Gründer die Einkommenssituation ihres Haushalts netto verbessert. Nur 16 Prozent berichten von einer Verschlechterung.

Als Sonderthema wurden Gründer aus der Arbeitslosigkeit analysiert. Es zeigt sich, dass die Anzahl dieser Gründer im Zuge der veränderten BA-Bezuschussung um 32 Prozent gegenüber 2011 zurückgegangen ist. Dabei klagten Gründer aus der Arbeitslosigkeit vermehrt über Finanzierungsschwierigkeiten. Gleichwohl zeigen sich auch positive Aspekte. So gaben knapp 19 Prozent dieser Gründer an, innovativ zu sein, also eine Marktneuheit eingeführt zu haben. Zwischen 2008 und 2011 sagten dies nur 14 Prozent.

(Redaktion)