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Wirtschaft | Di, 21.12.2010 07:20

Baden-Württemberg lässt die Krise hinter sich

Nach aktuellem Berechnungsstand stieg das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Jahr 2010 um 4,75 Prozent. Die konjunkturelle Boomphase, in der sich die baden-württembergische Wirtschaft seit der zweiten Jahreshälfte 2010 befindet, dürfte noch bis in das Jahr 2011 hinein tragen. Vorboten einer zyklischen Abschwächung sind allerdings schon jetzt erkennbar, wie ein Blick auf den Gesamtkonjunkturindikator des Statistischen Landesamts zeigt. Infolgedessen ist für das Jahr 2011 mit einem BIP-Anstieg von 2,5 Prozent eine gedämpfte, aber fortgesetzte Erholung zu erwarten. Schon 2011 könnte die Wirtschaftleistung damit bereits wieder das Niveau von 2008 erreicht haben.


„Die baden-württembergische Wirtschaft lässt den wirtschaftlichen Einbruch des Jahres 2009 schneller hinter sich als erwartet. Nach einem wachstumsstarken Jahr 2010 wird die Wirtschaftsleistung voraussichtlich auch 2011 über dem Trend liegen“, so fasste die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Dr. Carmina Brenner, ihre Einschätzungen zur Wirtschaftsentwicklung im Land zusammen.

 „Für die Dynamik des Aufschwungs gibt es mehrere Gründe. An erster Stelle ist die erstaunliche Erholung des Welthandels zu nennen, von dem unsere exportorientierte Industrie besonders profitiert“, so Brenner weiter. Nach vorläufigen Berechnungen nahmen die Exporte des Landes in den ersten drei Quartalen 2010 um gut 23 Prozent auf 112 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit 91 Mrd. Euro zu. Möglicherweise nähern sich die heimischen Ausfuhren damit für das ganze Jahr 2010 an die Rekordziffern der Vorkrisenjahre an. Das rasche Wiedererstarken des Welthandels ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die vergangene Wirtschaftskrise in erster Linie eine Krise der Industrieländer war, die – anders als befürchtet – das Wachstum in den Schwellenländern kaum beeinträchtigt hat. Diese Tatsache findet sich in den baden-württembergischen Exportzahlen wieder: Besonders stark nahmen die Exporte in den asiatischen Raum zu, vor allem bedingt durch die dort sehr kräftig steigende Nachfrage nach Investitionsgütern. Die Exporte nach China legten von Januar bis September 2010 um bemerkenswerte 78 Prozent oder 3,4 Mrd. Euro auf knapp 8 Milliarden Euro zu. Diese Dynamik verschiebt auch die Gewichte der ausländischen Märkte für baden-württembergische Güter. Mit einem Anteil an der Gesamtausfuhr von knapp 7 Prozent ist China mittlerweile der fünftwichtigste Abnehmer baden-württembergischer Produkte. Mit rund 59 Mrd. Euro gehen mehr als die Hälfte aller heimischen Ausfuhren nach wie vor in Länder der Europäischen Union. Der Exportzuwachs lag hier in den ersten drei Quartalen bei rund 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die ausgezeichnete konjunkturelle Lage strahlte 2010 auf Beschäftigung und Arbeitsmarkt aus: Nach jetzigem Kenntnisstand nahm die Anzahl der Erwerbstätigen in Baden-Württemberg im Jahr 2010 um 0,5 Prozent zu (das entspricht einem Plus von rund 30.000 Erwerbstätigen). Auch 2011 wird der Beschäftigungsaufbau voraussichtlich anhalten und die Zahl der Erwerbstätigen um 0,75 Prozent zulegen. Die Beschäftigungszunahme des Jahres 2010 ist im Wesentlichen auf den Bereich der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zurückzuführen, ein Personenkreis, der rund 3,9 Mill. der rund 5,6 Mill. Erwerbstätigen im Land umfasst. Die Arbeitslosigkeit geht saison- und kalenderbereinigt seit Dezember 2009 von Monat zu Monat zurück, und zwar ungefähr seit Jahresbeginn 2010 mit einem Tempo nicht unähnlich dem der letzten Hochkonjunkturphase. Es zeichnet sich ab, dass die vergangene Krise keinen erhöhten Sockel an Arbeitslosen hinterlassen wird. Die Zahl der Arbeitslosen lag zwischen Januar und November 2010 im Mittel bei 276.000 Personen, und damit um rund 10.000 unter dem Vorjahreswert. Die Arbeitslosenquote im Land belief sich im November auf 4,3 Prozent (Bund: 7,0 Prozent).

Wenn der stärkste ursprüngliche Impuls für die gesamtwirtschaftliche Erholung auch in der Auslandsnachfrage liegen dürfte, so ist der Funke inzwischen auf die Binnennachfrage übergesprungen. Im Verarbeitenden Gewerbe ist bei den Inlandsumsätzen ungefähr seit September 2009 eine recht stetige trendmäßige monatliche Steigerung festzustellen, während die Auslandsumsätze seit Jahresmitte 2010 eher auf der Stelle treten. Getragen wird die Binnenkonjunktur in erster Linie von der Nachfrage nach Investitions- und Vorleistungsgütern: Die Inlandsumsätze stiegen hier in den ersten drei Quartalen 2010 im Vorjahresvergleich um 4,1 bzw. 16,5 Prozent. Bislang spiegeln sich die erfreulichen Arbeitsmarktzahlen kaum in der Konsumgüternachfrage wider: Seit Sommer 2009 stagnieren die Inlandsumsätze der Konsumgüterhersteller, und im Vorjahresvergleich schlägt im ersten Dreivierteljahr 2010 ein leichtes Minus von 0,6 Prozent zu Buche. In den Dienstleistungsbranchen ist die Bilanz bislang eher durchwachsen. Die industrienahen Branchen aus Handel, Gastgewerbe und Verkehr konnten die krisenbedingten Einbußen des Jahres 2009 durch ein kräftiges Umsatzwachstum im abgelaufenen Jahr zum Teil wieder ausgleichen. Bei den meisten konsumnahen Sparten fiel die Erlösentwicklung schwächer aus. Was die Konsumnachfrage angeht, besteht aber begründete Hoffnung, dass das Verbrauchervertrauen der günstigen Situation auf dem Arbeitsmarkt folgt. „Insgesamt bleibt festzuhalten, dass sich die baden-württembergische Konjunktur auf einen soliden zweiten Pfeiler stützen kann, der auch dann noch tragen dürfte, wenn außenwirtschaftliche Risiken erneut Realität werden sollten“, betonte Brenner.

(Redaktion)