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Wirtschaft | Mi, 31.03.2010 09:09

Baden-Württembergs Wirtschaftsleistung ging 2009 um 7,4 Prozent zurück

Die baden-württembergische Wirtschaft hat ihre schwerste Rezession seit Bestehen des Landes zu bewältigen. Im Jahr 2009 ging das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 7,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Dies ergaben die vom Arbeitskreis »Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder« unter Vorsitz von Dr. Carmina Brenner, Präsidentin des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg, veröffentlichten regionalen Wirtschaftszahlen.


Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat sich im Bundesländervergleich überdurchschnittlich stark auf die hiesige Wirtschaft ausgewirkt. Für Deutschland insgesamt war 2009 ein Rückgang des preisbereinigten BIP, dem Maß für die insgesamt erbrachten wirtschaftlichen Leistungen, um 5,0 Prozent festzustellen und lediglich das Saarland wies mit minus 7,9 Prozent einen noch stärkeren Konjunktureinbruch als hier zu Lande auf.

Besonders stark betroffen von der Krise war die heimische Industrie und hier vor allem die exportabhängigen Wirtschaftsbereiche. Erweist sich die Südwestindustrie in wirtschaftlich »guten Jahren« als zentraler Wachstumsmotor, der maßgeblich zu einer günstigeren Konjunkturentwicklung des Landes beiträgt, so musste sie 2009 einen massiven Rückgang ihrer Wirtschaftsleistung verkraften, der in diesem Ausmaß in der Geschichte des Landes ohne Beispiel ist. Infolge des globalen Nachfrageeinbruchs gewerblicher Erzeugnisse, die mehr als 90 Prozent der Gesamtexporte Baden-Württembergs ausmachen, hatte die Industrie 2009 einen beispiellosen Ausfall der Auslands- (‑26,5 Prozent) wie auch Inlandsbestellungen (‑25,5 Prozent) zu verzeichnen. In breiter Front wurden die bedeutenden Industriebranchen des Landes erfasst. Zum Teil mussten sie im Vorjahresvergleich Produktionseinbußen von über einem Viertel hinnehmen, so die hiesigen Schlüsselbranchen »Maschinenbau« (‑29 Prozent) sowie die »Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen«(‑25,5 Prozent). Aber auch in den Bereichen »Herstellung von Metallerzeugnissen« (‑25,5 Prozent), »Metallerzeugung und –bearbeitung« (‑28 Prozent) und »Herstellung von DV-Geräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen« (‑29,5 Prozent) blieb die Produktionsentwicklung 2009 preisbereinigt weit hinter ihrem Vorjahresergebnis zurück. Dabei brach vor allem das Exportgeschäft weg. Allein die Ausfuhren der beiden exportstärksten Bereiche »Maschinen« sowie »Kraftwagen- und Kraftwagenteile« mit einem Exportanteil von jeweils rund einem Fünftel, waren 2009 um 23,5 bzw. um mehr als 28 Prozent zurück gegangen.

Insgesamt brach das Verarbeitende Gewerbe 2009 massiv ein. Hier war die preisbereinigte Bruttowertschöpfung (BWS) um mehr als 22 Prozent geringer als im Vorjahr. Aufgrund der industriebetonten Wirtschaftsstruktur – mit einem Anteil von gut einem Viertel an der gesamten BWS aller Wirtschaftsbereiche weist Baden-Württemberg im Bundesländervergleich mit Abstand die höchste Industriequote auf (Bundesdurchschnitt rund 19 Prozent) – betraf das Rekord-Minus die Südwestwirtschaft überdurchschnittlich stark. Die negative Entwicklung im Verarbeitenden Gewerbe trug damit maßgeblich zum Rückgang des BIP 2009 von 7,4 Prozent bei.

Einen erheblichen Rückgang der Wirtschaftsleistung erfuhren 2009 auch die Bereiche Verkehr und Nachrichtenübermittlung mit – 7,6 Prozent sowie Handel und Gastgewerbe mit – 3,2 bzw. – 3,9 Prozent. Im Bereich Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister war die Wirtschaftsleistung mit – 0,6 Prozent im Jahr 2009 ebenfalls niedriger als im vorherigen Jahr. Dagegen erzielten die Land- und Forstwirtschaft, Fischerei mit + 2,1 Prozent sowie die öffentlichen und privaten Dienstleister mit + 1,2 Prozent im Berichtsjahr ein leichtes Wachstum. Die BWS im Baugewerbe blieb mit + 0,1 Prozent nahezu unverändert im Vergleich zu 2008.

Südwestindustrie zum Jahreswechsel 2010: Anzeichen moderater Erholung
Die Nachfrage nach hiesigen Industriegütern zieht wieder an. Im Januar 2010 konnte die Südwestindustrie mit einem Plus um 20,5 Prozent im Vorjahresvergleich einen kräftigen Anstieg der preisbereinigten Auftragseingänge verbuchen. Damit setzte sich die seit November 2009 steigende Nachfrageentwicklung im Vergleich zu den Vorjahresmonaten fort. Maßgebliche Impulse kamen hierbei in erster Linie aus dem Auslandsgeschäft (+ 35,5 Prozent). Diese positive Tendenz ist allerdings vor dem Hintergrund des ausgesprochen niedrigen Vorjahresniveaus zu sehen, an dem die aktuellen Monatswerte gemessen werden. Dass der Erholungskurs gegenwärtig noch sehr zögerlich verläuft, zeigt sich im Vormonatsvergleich der Auftragseingänge der Industrie, die im Januar 2010 noch um 5,5 Prozent, und damit den zweiten Monat in Folge, zurückgingen.

(Redaktion/Stat. Landesamt)