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Wirtschaft | Mi, 21.10.2009 09:55

Breitbandversorgung: So wichtig wie Straßen, Energie und Wasser

Moderne und schnelle Infrastrukturen für Telekommunikation sind heute Voraussetzung für einen starken Wirtschafts- und Technologiestandort. In der Region Bodensee-Oberschwaben, deren wirtschaftliche Stärke auf einer gesunden Mischung von großen Firmen und Mittelstandsunternehmen basiere, sei bei einer Befragung aller eingetragenen Firmen vor zwei Jahren die Wichtigkeit des Themas „Breitband“ bereits an dritter Stelle von 30 Standortfaktoren genannt worden, berichtete Professor Dr. Peter Jany, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK). Jany sprach vor Vertretern und Fachreferenten des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, die ihr siebtes IuK-Referententreffen in der T-City Friedrichshafen abhielten.


Im Bereich Breitband bestehe dringend Handlungsbedarf, so Jany. Die Umsetzung der Breitbandstrategie der Bundesregierung, die einen 100-prozentigen Ausbau mit mindestens 1Mbit pro Sekunde bis Ende 2010 vorsieht, fordere das Engagement vieler Beteiligter. Während in großen Städten der Ausbau längst realisiert wurde, gibt es in großflächigen Bezirken, zu denen auch die IHK-Region Bodensee-Oberschwaben zählt, bislang lediglich punktuelle Telekommunikationsinfrastrukturverbesserungen. Firmen in ländlichen Gebieten abseits der Städte haben  das Nachsehen. „Bei uns sind lediglich neue Gewerbegebiete noch unversorgt“, berichtete Gerd Neubauer von der Handelskammer Bremen. „Davon können wir bislang nur träumen“, so Franz Fiderer, Innovationsberater der IHK Bodensee-Oberschwaben. Bis zum Ende des Jahres werde es die erste Version eines Infrastruktur-Atlasses geben, kündigte Dr. August Ortmeyer (DIHK) an. Ansprechpartner sei die Bundesnetzagentur. Über das Zukunftsinvestitionsgesetz stünden in den Ländern 130 Millionen Euro für den Breitbandausbau zur Verfügung. In Baden-Württemberg seien Anfang des Jahres gerade mal 10 Prozent der für 2008 und 2009 zur Verfügung stehenden Gelder beantragt worden, berichtete Fiderer. Als möglichen Grund hierfür vermuteten die DIHK-Referenten, dass Bürgermeister vielfach mit dem Thema Breitband überfordert seien. In vielen IHK-Regionen suchten sich die Kommunalvertreter daher kompetente Partner. Die Rolle der IHKs bleibe dabei auf die Vermittlung beschränkt, waren sich die Tagungsteilnehmer einig. „Wir kümmern uns um die regionalpolitischen Rahmenbedingungen, informieren und beantworten Anfragen.“ Das Thema Breitband gewinne als wirtschaftlicher Standortfaktor allerdings zunehmend an Bedeutung. Ihm komme ein ähnlicher Stellenwert wie Straßen, Energie und Wasser zu.  „Wir müssen Teiber, Anstoßer und Vermittler bleiben“, betonte Fiderer.

Die Deutsche Telekom (DT) gehe davon aus, dass der Breitbandbedarf künftig stark zunehmen wird, berichtete Ulrich Adams, Vorstandsbeauftragter für den Breitbandausbau in Deutschland.   Die Kosten für eine flächendeckende Glasfaserinfrastruktur schätzen Experten auf bis zu 50 Milliarden Euro. „Solche Investitionen erfordern Planungssicherheit“, betonte Adams. Diese sei derzeit aber noch nicht gegeben. Der geplante Ausbau bedinge finanzielle Anstrengungen aller Anbieter, so Adams weiter. Diese könnten sich dann gegenseitig Zugang zur Infrastruktur auf der Bit-Stream-Access-Ebene ermöglichen. Ausgebaut werden könnten bestimmte Gebiete und Regionen entweder durch einen Provider allein beziehungsweise komplementär zu einem anderen Provider oder gegebenenfalls parallel, wenn bereits Vorleistungen wie beispielsweise Leerrohre oder Glasfaserkabel erbracht worden sind.

Der von der Bundesregierung gewünschte 100-prozentige Ausbau mit mindestens 1 MBit pro Sekunde könne nur in gemeinsamer Anstrengung aller Telekommunikationsunternehmen und in Zusammenarbeit mit den Kommunen realisiert werden, sagte Adams. Das Kooperationsmodell der Deutschen Telekom sieht Möglichkeiten vor, entweder eine garantierte Kundenzahl zu gewährleisten, Leerrohre zur Verfügung zu stellen oder die Leitungsverlegung im Tiefbau zu finanzieren. „Die Deutsche Telekom rechnet in 2009 mit circa 8000 Anfragen zum Thema Breitbandversorgung im ländlichen Raum und mit bis zu 2500 Angebotsaufforderungen“, berichtete Adams. In 2009 plant die Deutsche Telekom 750 Kooperationen mit Gemeinden abzuschließen.  Vom Land Baden-Württemberg geförderte Ausschreibungen müssten wettbewerbs- und technologieneutral erfolgen. Das günstigste Ergebnis der Ausschreibungen seien  häufig Funklösungen. „Diese werden von Bürgerinitiativen aus Furcht vor Elektrosmog aber oft abgelehnt“, erklärte Adams die Tatsache, dass ein Großteil der Fördergelder zur Breitbandversorgung im ländlichen Raum noch nicht abgerufen sind.   

Begeistert waren die DIHK-Tagungsteilnehmer von dem Projekt T-City Friedrichshafen, der „gemeinsamen Zukunftswerkstatt von Friedrichshafen und der Deutschen Telekom“. Die Zeppelinstadt hatte sich im Wettbewerb gegen 51 Bewerber durchgesetzt und wurde im Februar 2007 zur T-City gekürt. Bis zum Jahr 2012 werde gezeigt, wie moderne Informations- und Kommunikationstechnologie die Lebens- und Standortqualität einer Stadt verbessern, berichtete Andreas Roth, Stadt Friedrichshafen. Rund 80 Millionen Euro investiere die Deutsche Telekom in das T-City-Projekt. 98,4 Prozent der Häfler Bürger können bereits die Breitbandstruktur nutzen. Zahlreiche Unternehmen und Einrichtungen beteiligen sich und bringen Projektideen ein. „Bürger und Unternehmen profitieren gleichermaßen“, so Roth.

(IHK Weingarten)