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Datenschutz, KMU & Freiberufler | So, 25.03.2018 21:09

Datenschutz in Unternehmen: Fachkräfte fehlen für die Umsetzung der DSGVO

Von: Thomas Fromm

So langsam drängt die Zeit. In zwei Monaten tritt die DSGVO in Kraft. Der Aufwand für die Umsetzung ist hoch, nicht nur für große Unternehmen, sondern auch für kleine und mittlere Unternehmen. Erleichterungen für diese Unternehmensgrößen sind nämlich nicht vorgesehen, wenn davon abgesehen wird, dass erst ab zehn Mitarbeitern, die mit der Verarbeitung personenbezogener Daten beauftragt sind, ein Datenschutzbeauftragter zu benennen ist.


Der hohe Aufwand resultiert davon, dass prinzipiell ein komplettes Managementsystem aufgebaut werden muss mit dem Ziel Datenschutz und Datensicherheit langfristig sicherzustellen. Verarbeitungstätigkeiten müssen ermittelt und dokumentiert werden, was mitunter – auch in kleinen Unternehmen – sehr komplex werden kann. Geeignete technische und organisatorische Maßnahmen sind notwendig, um die Anforderungen der DSGVO umzusetzen. Datensicherheitskonzepte sollten einer Überprüfung unterzogen werden. Außerdem ist das Vertragswerk zu überarbeiten. Verarbeitungsverträge und Datenschutzerklärungen werden benötigt. Davon ist auch der Internetauftritt betroffen. Außerdem müssen sämtliche Mitarbeiter, die mit personenbezogene Daten zu tun haben, geschult und sensibilisiert werden. Das Thema Datenschutz soll nicht nur in der Führungsetage präsent sein, sondern bei allen Mitarbeitern eines Unternehmens.

Diese Aufgaben zeigen, dass für die Umsetzung Kompetenz in verschiedenen Fachgebieten notwendig ist. Rechtliche Kenntnisse sind für die konforme Umsetzung der Gesetze notwendig. Betriebswirtschaftliche bzw. organisatorische Kompetenzen helfen dabei die komplexen Verarbeitungsprozesse nachzuvollziehen und das Managementsystem umzusetzen. Umfangreiches IT-Wissen ist außerdem notwendig, um dabei mitzuwirken, damit ein möglichst hohen Schutzniveau der personenbezogenen Daten, die verarbeitet werden, sicherzustellen. Muss ein Datenschutzbeauftragter benannt werden, wird dieser wohl maßgeblich für die Umsetzung des Managementsystems verantwortlich sein, obwohl er lt. DSGVO eher eine beratende Funktion einnehmen sollte und der Ansprechpartner für Dritte ist.

Eine aktuelle Bitkom-Studie hat aufgezeigt, dass es an den dafür benötigten Fachkräften in Unternehmen fehlt. So planen nur die wenigsten mit einer Vollzeitstelle (14 Prozent), die meisten wollen den Datenschutz mit Teilzeitkräften bewerkstelligen. Ob sich das alles, auch unter dem Gesichtspunkt, dass zukünftig schon bei der Neuentwicklung von Produkten der Datenschutz beachtet werden muss – Stichwort Privacy by Design, mit geringem Personalbedarf umsetzen lässt, darf bezweifelt werden.

Eine Studie der Global Information Security Workforce geht davon aus, dass bis 2022 weltweit über 1,8 Millionen Arbeitskräfte im Bereich Cybersicherheit fehlen. In Deutschland, Österreich und der Schweiz haben 70 Prozent aller Unternehmen zu wenig Personal im Bereich IT-Sicherheit. Viele Unternehmen (37 Prozent) wollen, vor allem auch wegen der DSGVO, ihr Personal erhöhen, scheitern aber oftmals am Fachkräftemangel. Fast ein Viertel der befragten Unternehmen geht davon aus, dass sie über acht Tage benötigen um den Schaden infolge eines Hackerangriffs zu beheben. Dies steht im Widerspruch zu den Forderungen in der DSGVO. Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder bemerkt, dass Berater zum Thema Datenschutz „einer der größten Mangelberufe“ sind. Und genau diese benötigten Unternehmen, um die Thematik Datenschutz und Datensicherheit professionell umzusetzen. Die Implementierung eines Managementsystems für Datenschutz sollte nicht nur das Ziel haben gesetzeskonform zu handeln, sondern auch im ureigensten Sinne des Unternehmens zu sein. Deshalb sollten Unternehmen dafür sorgen, dass sie sich schnellstmöglich entsprechende Kompetenz sichern oder aufbauen. Dies kann intern, aber auch extern durch geeignete Berater, geschehen.

Links:
www.security-insider.de/fachkraeftemangel-bei-cybersecurity-wird-dramatisch-a-587470/
www.heise.de/newsticker/meldung/Bitkom-IT-Branche-schafft-tausende-neue-Arbeitsplaetze-und-beklagt-massiven-Fachkraeftemangel-3969322.html