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Vermischtes | Do, 08.01.2009 12:22

Der Kapitän ist von Bord gegangen

Von: Tabea Knabe

Weltmeister Markus Baur verabschiedet sich mit einem rauschenden Handballfest in der Stuttgarter Porsche-Arena vom aktiven Handball / Deutsche Nationalmannschaft gewinnt gegen Baur All Stars

Die Baur All-Stars schenkten der Handball-Nationalmannschaft in deren letztem Test-Spiel nichts (Foto: T.Knabe).

Die Baur All-Stars schenkten der Handball-Nationalmannschaft in deren letztem Test-Spiel nichts (Foto: T.Knabe).


Für sein letztes aktives Spiel wählte Markus Baur, gebürtiger Meersburger, die Porsche-Arena in Stuttgart. Dies geschah nicht zuletzt, weil er sich in der Region wohlfühlt. In den Anfängen seiner aktiven Zeit spielte er von 1989-1993 beim VfL Pfullingen. „Seit meiner Zeit beim VfL Pfullingen habe ich sehr viele Freunde hier in der Region - und auch die Familie meiner Frau ist ja hier zu Hause", erklärt Baur seine Beweggründe.

Sein Debüt im Trikot der Handball-Nationalmannschaft feierte Baur im Sommer 1994 in Balingen. Nach insgesamt 227 Länderspielen und 706 Toren beendete er seine bemerkenswerte Karriere nach der Europameisterschaft 2008 in Norwegen. Die größten Erfolge im DHB-Team waren neben dem Weltmeistertitel 2007 der Gewinn der Europameisterschaft 2004, die Silber-Medaille bei den Olympischen Spielen 2004 und die Vize-Weltmeisterschaft 2003. Ab 1993 spielte Markus Baur in der Handball-Bundesliga. Vier Jahre trug er zunächst das Trikot der SG Wallau-Massenheim. Mit dem DHB-Pokalsieg 1994 errang er mit dem Verein unter Trainer Heiner Brand seinen ersten nationalen Titel.  In der Saison 1997/1998 spielt er für den TV Niederwürzbach von wo er 1998 zur HSG Wetzlar wechselte. Seine erfolgreichste Zeit bei einer Vereinsmannschaft begann 2001 mit dem Wechsel zum TBV Lemgo. Hier feierte er zwischen 2001 und 2007 eine deutsche Meisterschaft (2003), einen DHB-Pokalsieg (2002), den Sieg im EHF-Pokal (2006) und einen Erfolg im DHB-Super-Cup (2002). Insgesamt bestritt er 410 Bundesligaspiele und erzielte hierbei 1606 Tore.

Im Sommer 2007 begann Markus Baur seine zweite Karriere als Spielertrainer des schweizer Erstligisten Pfadi Winterthur. Doch bereits im Januar 2008 erreichte ihn der Ruf des TBV Lemgo und er kehrte als Cheftrainer zu seinem ehemaligen Verein zurück.

Das Abschiedspiel für Markus Baur war zugleich das letzte Testspiel für die Nationalmannschaft vor der WM in Kroatien (16. Januar bis 01. Februar 2009). Der amtierende Weltmeister nutzte das Duell für letzte Experimente. Dabei zeigten besonders Michael Kraus (7 Tore/ TBV Lemgo), Sebastian Preiß (5 / TBV Lemgo) und Pascal Hens (5 / HSV Hamburg) überragende Leistungen.

Für die Baur All-Stars, bestehend aus ehemaligen und aktiven Handball-Größen, trafen Christian Schwarzer (5) und Stefan Lövgren (5) am besten. Baur selbst traf für sein Team viermal. Im Vergleich zum letzten, eher glanzlosen Sieg gegen Griechenland sah man hier vor allem in der zweiten Halbzeit deutliche Steigerungen. Dies nicht zuletzt, weil Michael Kraus, Baurs Nachfolger als Kapitän, nach fast sechswöchiger Verletzungspause wegen eines Muskelfaserrisses ein gelungenes Comeback feierte.

„Dass ich das letzte Spiel verloren habe, kann ich verkraften. Ich bin riesig stolz, wer heute alles mit mir gespielt hat“, sagte Baur und dankte mit bebender Stimme vor allem seiner Familie. Von den 6800 Zuschauern wurde Markus Baur mit tosendem Applaus und minutenlangen Standing Ovations gefeiert.

In einem Begleitheft zum Abschiedsspiel, das für die Zuschauer in der Porsche-Arena auslag, schreibt er, dass er zuvor Bedenken hatte, ob die Halle der geeignete Ort sei: „ Ich habe mich gefragt: Ist die Halle nicht viel zu groß für so eine Partie? Und: Wie sieht das aus, wenn Du nachher ganze Tribünenblöcke abhängen musst?“

Dazu sei bemerkt: Die Halle war binnen einer Woche ausverkauft. Für Eintrittskarten zu diesem einmaligen Spiel wurden bei Internet-Auktionen zum Schluss über 100 Euro geboten…

Das All-Star-Aufgebot von Markus Baur:

Markus Baur (37 Jahre / Trainer TBV Lemgo); Frank von Behren (32 / Ass. Geschäftsführung, GWD Minden); Lars Christiansen (36 / SG Flensburg-Handewitt); Mirza Džomba (31 / RK Zagreb); Henning Fritz (34 / Rhein-Neckar Löwen); Michael Hegemann (31 / GWD Minden); Rolf Hermann (27 / TBV Lemgo); Filip Jícha (26 / THW Kiel); Florian Kehrmann (31 / TBV Lemgo); Andreij Klimovets (34 / Rhein-Neckar-Löwen); Stefan Kretzschmar (35 / Sportdirektor SC Magdeburg); Daniel Kubeš (30 / TBV Lemgo); Carlos Lima (38 / Karriere beendet); Stefan Lövgren (38 / THW Kiel); Christian Ramota (35 / Karriere beendet); Christian Schwarzer (39 / Rhein-Neckar-Löwen); Vlado Šola (40 Jahre / Karriere beendet); Ólafur Indriði Stefánsson (35 / BM Ciudad Real); Daniel Stephan (35 / Sportlicher Leiter TBV Lemgo); Steffen Weber (36 / TSG Münster); Volker Zerbe (40 / Geschäftsführer TBV Lemgo) 

Trainer: Velimir Petkovic (52 / Frisch Auf Göppingen); Co-Trainer: Jürgen Franke (55 / Co-Trainer TBV Lemgo)