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Wirtschaft | Fr, 13.04.2012 09:33

Hohes Potenzial für Frauen in MINT-Berufen

In Baden-Württemberg ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in MINT-Berufen in den letzten 10 Jahren um 17 Prozent gestiegen. Damit war der prozentuale Zuwachs gut doppelt so stark wie bei den Männern (+8 Prozent) und um 10 Prozentpunkte höher als der Anstieg der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen insgesamt (+7 Prozent). Dies teilt das Statistische Landesamt nach Auswertung der Beschäftigungsstatistk der Bundesagentur für Arbeit mit.


Im Jahr 2011 übten gut 448.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einen MINT-Beruf aus, davon waren insgesamt 370.000 Männer und 78.000 Frauen. Bezogen auf die insgesamt knapp 1,8 Millionen sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen im Land arbeiteten damit 4,3 Prozent in einem naturwissenschaftlich-technischen Beruf. Bei den Männern lag die entsprechende Quote mit 16,8 Prozent fast vier Mal so hoch.

Gemessen an der Gesamtzahl aller im Jahr 2011 beschäftigten MINT-Fachkräfte im Südwesten betrug der Frauenanteil lediglich 17,4 Prozent und war damit insgesamt deutlich geringer als bei allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Land (44,8 Prozent). In den einzelnen Berufssparten sind weibliche MINT-Fachkräfte allerdings unterschiedlich stark in den Belegschaften vertreten. So waren im Jahr 2011 unter den Technikern und Ingenieuren Frauen mit einem Anteil von 10,3 Prozent bzw. 11,0 Prozent vergleichsweise selten anzutreffen, demgegenüber war die Frauenquote bei den technischen Sonderfachkräften mit 55,2 Prozent überdurchschnittlich hoch. Im Vergleich zu anderen Bundesländern lag die Frauenquote bei MINT-Fachkräften mit 17,4 Prozent unterhalb des Bundesdurchschnitts (18,7 Prozent). Die Spannweite reichte dabei von 29,3 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern bis 15,6 Prozent im Saarland.

Gleichwohl deutet der Beschäftigungszuwachs in diesem Berufszweig darauf hin, dass sich Frauen immer häufiger auch für MINT-Berufe interessieren. Bei den in den letzten 10 Jahren in Baden-Württemberg neu entstandenen 39.000 MINT-Arbeitsplätzen betrug der Anteil der Frauen fast 30 Prozent. Seit dem Jahr 2001 wurde der zahlenmäßig stärkste Beschäftigungszuwachs von weiblichen MINT-Fachkräften mit einem Plus von gut 6.400 bei den Ingenieurinnen erzielt (+71 Prozent), gefolgt von den Datenverarbeitungsfachleuten mit einem Anstieg von über 3.000 (+21 Prozent). Auch im Bereich der Naturwissenschaften hat sich die Zahl der Frauen in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt (+2.300 Beschäftigte bzw. +108 Prozent). In den Fachgebieten Chemie, Physik und Mathematik nahm die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen um fast 900 zu (+47 Prozent), während bei den Männern ein Beschäftigungsabbau zu beobachten war (–1.500 Beschäftigte bzw. –16 Prozent). Dagegen ging in den letzten 10 Jahren die Zahl der Techniker und technischen Sonderfachkräfte sowohl bei Männern wie auch bei den Frauen zurück.

Ein Blick auf die von den weiblichen MINT-Fachkräften geleistete Arbeitszeit zeigt, dass das Angebot an Teilzeit-Arbeitsplätzen in wissenschaftlich-technischen Berufen vergleichsweise gering ist. Gerade eine Teilzeitbeschäftigung wird insbesondere von Frauen aus familiären Gründen häufig nachgefragt. Lediglich rund 25 Prozent der Frauen in MINT-Berufen arbeiteten im Jahr 2011 in Teilzeit, während die Teilzeitquote von Frauen über alle Berufsgruppen hinweg 36 Prozent betrug. Auch hier zeigt sich, dass die Spannweite der in Teilzeit beschäftigten Frauen in der Gruppe der MINT-Berufe recht groß ist. Mit 17 Prozent war die Quote der in Teilzeit arbeitenden Ingenieurinnen am niedrigsten. Die meisten teilzeitbeschäftigten Frauen gab es dagegen unter den Naturwissenschaftlerinnen. Mit einer Quote von 46 Prozent lag der Wert sogar um 10 Prozentpunkte über der Teilzeitquote bei allen sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen.

Regional betrachtet sind Frauen und Männer in MINT-Berufen in den 44 Stadt- und Landkreisen Baden-Württembergs unterschiedlich stark vertreten. Bezogen auf die jeweils insgesamt sozialversicherungspflichtig beschäftigten Personen reichte der Anteil der MINT-Berufe an allen Berufen bei den Männern von jeweils 9 Prozent in den Landkreisen Waldshut und Calw bis zu 25 Prozent im Landkreis Böblingen. Bei den Frauen waren MINT-Berufe mit einem Anteil von knapp 2 Prozent in Calw am schwächsten vertreten, am stärksten dagegen im Stadtkreis Heidelberg und im Landkreis Biberach mit jeweils fast 8 Prozent.

(Redaktion)