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Wirtschaft | Mi, 04.04.2012 09:21

IHK: In Baden-Württemberg fehlen 230.000 Fachkräfte

In diesem Jahr werden in Baden-Württemberg rund 230.000 Fachkräfte fehlen. Vor allem Techniker, Fach- und Betriebswirte, Meister und Fachkaufleute werden von Unternehmen häufig vergeblich gesucht.


In der Region Stuttgart bietet sich ein ähnliches Bild, hier fehlen insgesamt 81.000 Fachkräfte. Folglich bleibt jede 13. offene Stelle in der Region Stuttgart unbesetzt. Damit ist Stuttgart die Region mit dem akutesten Fachkräftemangel, im restlichen Baden-Württemberg bleibt jede 19. Stelle offen. Dies ergibt die Analyse des jetzt aktualisierten Fachkräftemonitors der Industrie- und Handelskammern in Baden-Württemberg. Die interaktive Webanwendung (www.fachkraeftemonitor-bw.de) vergleicht Fachkräfteangebot und -nachfrage in 105 Berufsgruppen und 17 Branchen in den zwölf Regionen Baden-Württembergs bis zum Jahr 2025.

Insgesamt fehlen im Südwesten 128.000 beruflich ausgebildete Fachkräfte, die eine höhere Qualifikation, etwa eine Weiterbildung zum Meister oder Fachwirt, haben. Den größten Mangel verzeichnet dabei der Gesundheits- und Pflegebereich, hier fehlen 23.000 höher qualifizierte Fachkräfte wie beispielsweise Fachkrankenschwestern oder leitende Pflegefachkräfte. 20 Prozent mehr offene Stellen als Fachkräfte gibt es in der technischen Forschung und Entwicklung, in Bereichen wie der CAD-Konstruktion, der Maschinenbautechnik oder bei den Industriemeistern. Auch bei den Akademikern klafft eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt: Trotz des erfolgreichen Ausbaus der Universitäten und gestiegener Absolventenzahlen fehlen im Südwesten dieses Jahr 38.000 Akademiker, davon 28.000 Ingenieure, 7.000 Wirtschaftswissenschaftler und 4.000 Informatiker.

„Auf der Grundlage dieser empirisch fundierten Daten wird klar: Es gibt in Baden-Württemberg einen deutlichen Fachkräftemangel, der sich in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird. Bis zu seinem nächsten Höhepunkt im Jahr 2021 wird dieser Mangel auf 411.000 Personen ansteigen“, erklärt Dr. Herbert Müller, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart.

Gleichzeitig gebe es auch Berufsgruppen, Branchen und Regionen, in denen zeitweilig ein Überangebot an Fachkräften zu beobachten sei. So herrsche beispielsweise ein leichter Überschuss bei den Sprach-, Geistes- und Gesellschaftswissenschaften vor. Auch im Bereich Land- und Forstwirtschaft und bei den Reinigungsberufen gebe es mehr Personal als offene Stellen. Bei den Hilfsberufen ist ebenfalls generell ein Überschuss an gering qualifizierten Arbeitskräften zu beobachten. „Das heißt, der Mangel ist nicht allumfassend“, so Dr. Müller. Zudem werde die Fachkräftenachfrage auch in Zukunft konjunkturell bedingt erheblich schwanken. Doch auch wenn es der Wirtschaft schlechter gehe, werde es aufgrund des demografischen Wandels nicht mehr wie bislang zu großen Fachkräfteüberschüssen kommen. Selbst die zum Teil deutlichen Überschüsse bei den Hilfskräften lösen sich bis 2025 nahezu auf. „Der Fachkräftemangel kommt und bleibt“, fasst der IHK-Präsident zusammen.

Umso wichtiger sei es, die notwendigen Rahmenbedingungen dafür zu schaffen, weitere Fachkräftepotenziale für den Arbeitsmarkt zu erschließen. Ansonsten habe die heimische Wirtschaft mit erheblichen Nachteilen im internationalen Wettbewerb zu rechnen.

Der IHK-Fachkräftemonitor wurde 2008 vom Wirtschaftsforschungsinstitut WifOR, Darmstadt, für die IHKs in Baden-Württemberg entwickelt. Die Anwendung startet jetzt mit komplett aktualisiertem Datenmaterial, zahlreichen neuen Funktionen und verbesserter Nutzerfreundlichkeit. Zusätzlich bietet der IHK-Fachkräftemonitor jetzt in 25 Hilfsberufsgruppen erstmals auch Zahlen zu den gering qualifizierten Arbeitskräften, die nicht zu den Fachkräften zählen. Der Fachkräftemonitor fußt auf Daten der IHK-Konjunkturumfragen, der Bundesagentur für Arbeit, der Statistischen Ämter sowie des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung. Er wird jährlich aktualisiert.

(Redaktion)