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Wirtschaft | Mi, 29.07.2009 10:20

IHK Ulm: Keine Kreditklemme in der Region

Aber Einzelfälle mit Schwierigkeiten / IHK Ulm fordert gemeinsame Aktivitäten statt gegenseitige Schuldzuweisung


In einer aktuellen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) über die Veränderung der Kreditkonditionen schneidet die Region deutlich besser ab als der Durchschnitt in Deutschland. Bundesweit berichten 23 Prozent der 14.000 antwortenden Unternehmen aller Größenklassen über eine Verschlechterung der Kreditkonditionen, in der IHK-Region Ulm nur 17,6 Prozent. Eine Ablehnung bzw. Nicht-Verlängerung des Kredits teilen bundesweit 3 Prozent mit, im IHK-Bezirk Ulm hingegen nur 1,6 Prozent. Es gibt aber auch Betriebe, die von verbesserten Kreditkonditionen berichten. Bundesweit sind dies 10 Prozent und in der IHK-Region Ulm immerhin 12,9 Prozent.

„Vor diesem Hintergrund ist die Kreditklemme in unserer Region zum Glück noch nicht angekommen. Man muss die Sache differenzierter betrachten“, so Otto Sälzle, Hauptgeschäftsführer der IHK Ulm. Bei der DIHK-Umfrage wird auch deutlich, was die Unternehmen meinen, wenn sie von einer Verschlechterung der Kreditkonditionen reden: höhere Sicherheiten, höhere Zinsen und verschärfte Dokumentationspflichten. Hierfür einseitig und pauschal alle Geschäftsbanken, Sparkassen und Volksbanken anzugreifen ist nicht berechtigt. Die Eigenkapitalunterlegungsvorschriften für die Kreditvergabe nach BASEL II sprechen eine klare Sprache, hieran haben sich alle Kreditinstitute zu halten.

Ob allerdings diese strengen Regeln, die in normalen Zeiten uneingeschränkt richtig sind, in einer Wirtschaftskrise, mit einem nicht vorhersehbaren Ausmaß wie diese, dazu führen, dass die Gefahr einer Kreditklemme größer wird – darüber streiten sich die Gelehrten. Die IHK Ulm vertritt die Meinung, dass die Ratingvorschriften und die Eigenkapitalrichtlinien vor dem Hintergrund der Krise überprüft werden müssen und nicht zum Engpassfaktor werden dürfen.

Neben den Hausbanken spielen die öffentlichen Förderbanken wie die KfW-Bankengruppe für den Bund und die L-Bank sowie die Bürgschaftsbank für Baden-Württemberg eine wichtige Rolle, um die Unternehmen mit neuen Krediten zu versorgen. Vor allem der Bereich Liquiditäts- bzw. Betriebsmittelkredite hilft den Betrieben in der aktuellen Situation. Bei einer aktuellen Umfrage der IHK Ulm unter 25 regionalen Bank- und Sparkassenvorständen wurde erhoben, dass es generell eher selten Abstimmungsprobleme mit den öffentlichen Förderbanken gibt.

Dennoch berichtet bis zu einem Viertel der Hausbanken über Abstimmungsprobleme mit der KfW und auch mit der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg. Dies ist nach Ansicht der IHK Ulm zu viel. Sehr glatt läuft hingegen die Abwicklung mit der L-Bank Baden-Württemberg.

Der IHK Ulm ist es ein Anliegen, dass die Wirtschaft wieder ins Laufen kommt und die Versorgung der Unternehmen mit Kapital sichergestellt ist. „Wir müssen alle gemeinsam die Krise meistern. Mit dem Finger auf den anderen zu zeigen und lautstarke Forderungen zu äußern, hilft nicht weiter“, bekräftigt Bernd Radtke, Geschäftsführer der IHK Ulm die Aktivitäten der IHK Ulm in Sachen Krisenbewältigung. Im Rahmen von Informationsveranstaltungen mit der KfW-Bankengruppe sowie der L-Bank, Bürgschaftsbank und mittelständischen Beteiligungsgesellschaft waren 125 Unternehmen im Haus der Wirtschaft. Die KfW berichtete zudem von über 200 Beratungsgesprächen tagsüber in ihrem Bus auf dem Ulmer Münsterplatz, davon rund 80 von Unternehmen. Dies wertet die IHK Ulm als sehr gutes Zeichen, dass die öffentlichen Programme zunehmend angenommen werden.

(Quelle: IHK Ulm)