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Wirtschaft | Mi, 23.03.2011 10:20

Insolvenz-Studie: Mittelstand besonders betroffen - Hauptursache liegt bei Finanzierungsproblemen

Bei allgemein verbessertem Wirtschaftsumfeld sind im Fall von Insolvenzen hauptsächlich mittelständische Unternehmen betroffen. Hauptursache sind Finanzierungsprobleme auch bei im Kern gesunden Unternehmen. Große Unternehmen und Konzerne sind dagegen kaum bedroht. Das ist das Ergebnis der neuen Studie "Insolvenzen in Deutschland 2011 - Trends nach der Wirtschaftskrise", für die die Experten von Roland Berger Strategy Consultants 320 Banker, Finanzinvestoren und Insolvenzverwalter befragt haben.


"Der Höhepunkt der Krise ist zwar überwunden, doch nicht alle deutschen Unternehmen können aufatmen. Im Fall einer Insolvenz sind vor allem mittelständische Firmen bedroht", sagen Max Falckenberg und Gerd Sievers, Partner im Bereich Corporate Performance bzw. Corporate Finance bei Roland Berger. Dies bestätigen auch 80 Prozent der befragten Teilnehmer der Studie. Bei Großunternehmen mit einem Umsatz über 500 Millionen Euro wird die Zahl der Insolvenzen in 2011 voraussichtlich zurückgehen bzw. stagnieren. Aufgrund der verbesserten wirtschaftlichen Entwicklung gehen die Umfrageteilnehmer insgesamt von einem Rückgang der Insolvenzen von mindestens fünf Prozent aus.

Die wesentliche Insolvenzursache für mittelständische Unternehmen ist laut 57 Prozent der Befragten nach wie vor die Finanzierung: "Selbst im Kern gesunde Unternehmen geraten durch erhebliche Finanzierungsprobleme in Schwierigkeiten", erklärt Roland Berger-Partner Max Falckenberg. "Denn Unternehmen mit einem hohen Verschuldungsgrad werden sich auch 2011 schwer tun, frisches Kapital zu bekommen, um notwendige Investitionen zu tätigen."

In 2011 werden verstärkt M&A-Transaktionen in Folge einer Insolvenz erwartet. "Die Insolvenz bietet gerade bei operativ gesunden Unternehmen die Möglichkeit, Probleme auf der Finanzierungsseite zu lösen und durch einen Verkauf das Unternehmen in eine sichere Zukunft mit neuen, solventen Eigentümern zu führen", sagt Gerd Sievers auf Basis seiner Corporate Finance-Erfahrung. Dies bestätigen auch rund 60 Prozent der Studienteilnehmer, die in der Sanierung mittels einer kurzfristigen M&A-Transaktion oder einer Auffanggesellschaft die am häufigsten gewählte Fortführungsvariante sehen.

Obwohl als Käufer für die meisten M&A-Transaktionen aus der Insolvenz immer noch strategische Investoren gesehen werden (43 Prozent), nimmt der Anteil der Finanzinvestoren von fünf auf 21 Prozent gegenüber 2010 zu. Dabei sehen 74 Prozent der Befragten Finanzinvestoren aus dem Distressed-Bereich als potentielle Käufer. "Strategische Investoren zeigen ihre Stärke vor allem in der Optimierung des operativen Geschäftes insolventer Unternehmen", erläutert Gerd Sievers. "Trotzdem stellen Finanzinvestoren zunehmend fest, dass die zum Verkauf stehenden Unternehmen im Kern häufig gesund sind. Dabei muss lediglich ein Finanzierungsproblem gelöst werden - dies macht die Transaktionen auch für diese Investorengruppe immer interessanter."

Bezüglich der Finanzierungsmöglichkeiten bei M&A-Transaktionen entspannt sich die Lage im Jahr 2011. Gingen im vergangenen Jahr noch 90 Prozent der Befragten von einer schlechten Entwicklung des Fremdkapitalzugangs aus, so schätzen jetzt 20 Prozent, dass sich die Möglichkeiten einer Fremdfinanzierung bei M&A-Transaktionen verbessern wird. Dementsprechend rechnen die meisten mit einem sinkenden Eigenkapitalanteil zur Finanzierung von M&A-Transaktionen in der Insolvenz - 62 Prozent schätzen den Eigenkapitalanteil zwischen 15 und 45 Prozent. In 2010 gingen 41 Prozent der Befragten von einem Eigenkapitalanteil von über 60 Prozent aus.

(Redaktion)