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Wirtschaft | Mi, 14.11.2012 09:15

Jeder fünfte Ausbildungsvertrag in Baden-Württemberg wird vorzeitig gelöst

2011 wurden bis zum Stichtag 31.12. insgesamt 17.249 Ausbildungsverträge in der Dualen Ausbildung in Baden-Württemberg vorzeitig gelöst. Das sind gut sieben Prozent mehr als im Vorjahr (16.102). Dabei wurde jeder dritte Ausbildungsvertrag schon in der viermonatigen Probezeit gelöst. Das sind Ergebnisse des Statistischen Landesamtes.


Die Lösungsquote 2011 beträgt in Baden-Württemberg 20,9 Prozent (2010: 19,5 Prozent). Diese Lösungsquote (LQ) ist bundesweit die niedrigste. Sie liegt 3,5 Prozentpunkte unter dem Bundesdurchschnitt von 24,4 Prozent. Differenziert nach Geschlechtern liegt die Lösungsquote der weiblichen Auszubildenden (22,0 Prozent) um fast 2 Prozentpunkte über der der männlichen (20,1 Prozent).

Ein deutlicher Unterschied von 8,6 Prozentpunkten ist zwischen den deutschen und ausländischen Jugendlichen in Baden-Württemberg festzustellen mit 20,0 bzw. 28,6 Prozent. Diese Lösungsquote der ausländischen Jugendlichen in Baden-Württemberg ist dennoch die niedrigste unter allen Flächenbundesländern (Bund: 30,9 Prozent). Auffällig ist die landesweite Lösungsquote der ausländischen männlichen Jugendlichen von 29,4 Prozent, die gut 10 Prozentpunkte über die der deutschen Altersgenossen liegt (19,0 Prozent).

Stellt man die Ausbildungsbereiche gegenüber fällt auf, dass der größte Ausbildungsbereich Industrie und Handel mit einer Lösungsquote von 18,3 Prozent gut 2,6 Prozentpunkte unter dem Landesdurchschnitt von 20,9 Prozent liegt. Im Handwerk mit seinen gut 6.200 vorzeitig gelösten Ausbildungsverträgen ergibt sich landesweit die höchste Lösungsquote mit 27,2 Prozent. Die niedrigste Lösungsquote mit 5,5 Prozent hat der Ausbildungsbereich Öffentlicher Dienst. Bei den Berufen des Hotel- und Gaststättengewerbes wurden im Berichtsjahr 2011 von sieben begonnenen Ausbildungsverträgen drei wieder vorzeitig gelöst (41,9 Prozent). Beim Ausbildungsberuf Koch/Köchin ist es sogar knapp jeder zweite, der seinen Ausbildungsvertrag wieder löst (45,7 Prozent). Diese zwei Berufsgruppen werden tendenziell überwiegend von Jugendlichen mit Hauptschul- bzw. Realschulabschluss ausgewählt. Welche Ursachen zu diesen hohen Lösungsquoten führen, kann die Statistik nicht beantworten.

Als Gegenbeispiel dienen die Berufe der spanenden Metallverformung mit einer Lösungsquote von 11,6 Prozent. Hier sind es auch hauptsächlich Jugendliche mit einem Hauptschul- oder Realschulabschluss, die sich entschieden haben, eine 42-monatige Ausbildung als Zerspanungsmechaniker oder Zerspanungsmechanikerin zu machen. Bei den Steuerfachangestellten werden Ausbildungsverträge bevorzugt von Jugendlichen mit Hochschul- oder Fachhochschulreife abgeschlossen. Dennoch liegt hier die Lösungsquote von 21,2 Prozent über dem Landesdurchschnitt.

Vertragslösung bezeichnet nicht unbedingt einen Abbruch der Berufsausbildung. Auch Betriebs- oder Berufswechsel innerhalb des dualen Systems können mit Vertragslösungen einhergehen. Vertragslösungen können unterschiedliche Ursachen haben (zum Beispiel auch Betriebsschließungen) und damit sowohl durch den Ausbildungsbetrieb als auch den Auszubildenden erfolgen.

(Redaktion)