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Vermischtes | Di, 09.12.2008 11:04

Joachim Franz ist "Europäer des Jahres 2009"

Magazin Reader's Digest zeichnet den Extremsportler für seinen Einsatz gegen Aids aus

Mit spektakulären Aktionen versucht Joachim Franz die Menschen für das Thema Aids aufzurütteln. 2004 befestigte er zusammen mit seinem Team auf dem 7439 Meter hohen Pik Pobedy in Kirgisistan eine drei Meter große Aids-Schleife, um gegen das Ignorieren dieser Krankheit in Asien zu demonstrieren. (Foto: Uli Joos; Quelle: obs/Reader's Digest Deutschland)

Mit spektakulären Aktionen versucht Joachim Franz die Menschen für das Thema Aids aufzurütteln. 2004 befestigte er zusammen mit seinem Team auf dem 7439 Meter hohen Pik Pobedy in Kirgisistan eine drei Meter große Aids-Schleife, um gegen das Ignorieren dieser Krankheit in Asien zu demonstrieren. (Foto: Uli Joos; Quelle: obs/Reader's Digest Deutschland)


Stuttgart (ots) - Der deutsche Aids-Aktivist und Extremsportler Joachim Franz ist vom Magazin Reader's Digest zum "Europäer des Jahres 2009" gewählt worden. Der Verlag zeichnet den 48-Jährigen aus Wolfsburg für seinen jahrelangen, weltweiten Einsatz gegen die Immunschwächekrankheit Aids aus. Im Jahr 2008 war der Titel an die Französin Maria Nowak verliehen worden, die Notleidenden weltweit mit Kleinstkrediten zu einer menschenwürdigen Existenz verhilft.

Seit 1996 wählen die Chefredakteure der 21 europäischen Ausgaben von Reader's Digest Persönlichkeiten, die am besten die Traditionen und Werte Europas verkörpern, zum "Europäer des Jahres". Joachim Franz ist der 14. Träger dieser Auszeichnung, die erst zum zweiten Mal an einen Deutschen geht. Die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung wird Joachim Franz Anfang nächsten Jahres offiziell übergeben. Die 21 europäischen Ausgaben des Magazins Reader's Digest stellen den "Europäer des Jahres 2009" zeitgleich in der Januar-Ausgabe vor, die am 15. Dezember erscheint.

Franz war einst Werkzeugmacher bei VW in Wolfsburg, fasste aber mit knapp 30 Jahren den Entschluss, sein Leben radikal zu ändern: "Mein gelebtes und mein erträumtes Leben passten nicht zusammen. Ich hatte so wenig erreicht, so wenig gesehen", erinnert er sich im Rückblick. Fortan betrieb der strak Übergewichtige Sport, stellte das Rauchen ein, trank keinen Alkohol mehr und nahm dank intensiven Lauftrainings mehr als 40 Kilo ab. Er lief Marathons, begann mit dem Radfahren.

Als erstes großes Projekt wollte er die 6000 Kilometer lange Chinesische Mauer ablaufen, verkaufte dafür sein Auto, nahm Schulden auf - aber die Idee scheiterte an einem Mangel an Sponsoren. Anfang der 90er-Jahre wechselte er zum Triathlon und trainierte für die Teilnahme am berühmten Ironman auf Hawaii. Dann aber stoppte ihn ein schwerer Verkehrsunfall, der den Sportler für eineinhalb Jahre außer Gefecht setzte. "Der Unfall war das Beste, was mir passieren konnte", sagt Franz im Rückblick und räumt ein, damals auf einem Egotrip gewesen zu sein.

Während er sich noch von seinem Unfall erholte, erreichte der Niedersachse erneut einen Wendepunkt in seinem Leben. Franz traf einen Schulfreund, der an Aids erkrankt war. "Wenn jemand so schwer gezeichnet ist, ist das nicht mehr der Mensch, den du mal gekannt hast." Dennoch blieb er bei ihm, begleitete ihn bis zum Tod. Als er dann bei Extremläufen in Südafrika, auf den Philippinen und in Nepal die Folgen von Aids sah, entschied er sich, fortan den Sport mit einem sozialen Engagement zu verbinden.

So fuhr er zum Jahreswechsel 2001 mit dem Fahrrad von Paris nach Dakar und sammelte 100.000 Euro Spenden. Zwei Jahre später absolvierte er die Strecke zwischen Kapstadt und Johannesburg auf dem Rad, täglich trat er 130 Kilometer weit in die Pedale und lief danach noch jeweils 50 Kilometer. Mehrfach drohte wegen Beschwerden an der Achillessehne der Abbruch der Aktion, aber Franz hielt durch, sammelte Spenden für die Erforschung und Bekämpfung des HIV-Virus: "Wie kann ich durch Dörfer laufen, in denen 90 Prozent der Bevölkerung weggestorben sind, und dann jammern, dass ich Schmerzen habe?"

Mit ähnlichen spektakulären Aktionen versuchte Joachim Franz auch in den Folgejahren die Menschen für das Thema Aids aufzurütteln. 2004 befestigte er zusammen mit seinem Team auf dem 7439 Meter hohen Pik Pobedy in Kirgisistan eine drei Meter große Aids-Schleife, um gegen das Ignorieren dieser Krankheit in Asien zu demonstrieren. 2005 schaffte er es dann mit seinem Team, auf dem Rad die 23.000 Kilometer lange Panamericana in nur 35 Tagen abzufahren. Die jüngste Aktion: Seit Oktober läuft die Initiative "cape2cape". Dabei besteigt das Team Franz in 20 Ländern vom Nordkap bis zum Kap der Guten Hoffnung den jeweils höchsten Berg, um auf die Dunkelziffer der Infizierten aufmerksam zu machen.

Inzwischen hat sich Joachim Franz mit seinen spektakulären Projekten weltweit einen Namen gemacht. Die Aids-Hilfe der UN unterstützt ihn genauso wie Sponsoren, er hält Vorträge vor Managern wie vor Strafgefangenen. VW hat ihn zum Gesundheitsbotschafter ernannt. Allein im vergangenen Jahr sammelte er 400.000 Euro Spenden, die an Hilfsprojekte in der ganzen Welt gehen. Auch wenn es noch immer keinen Impfstoff gegen Aids gibt, der Aktivist aus Deutschland will in seinem Einsatz nicht nachlassen. Sein Credo: "Wenn du erst einmal am Start stehst, hast du schon gewonnen." Für diesen langen Marsch erhält Franz nun von Reader's Digest die Auszeichnung "Europäer des Jahres 2009".