Sign In

Welcome, Login to your account.

Wirtschaft | Fr, 23.10.2009 09:37

Konjunktur: Im Handwerk kehrt die Zuversicht zurück

Am Ende des dritten Quartals lässt sich feststellen: die Handwerkskonjunktur in der Region Rhein-Neckar-Odenwald hat sich stabilisiert. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald unter ihren rund 12.600 Mitgliedsbetrieben. Damit wächst im Herbst die Hoffnung, dass die Talsohle der Krise erreicht ist. Handwerker beurteilen sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch die Aussichten besser als noch vor Jahresfrist.


Nach einer repräsentativen Umfrage in den Stadt- und Landkreisen des Kammerbezirks vergeben bei der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage nur noch 21 Prozent der befragten Handwerker schlechte Noten. Gut ein Drittel der Betriebe (34 Prozent) ist mit den Geschäftszahlen der vergangen drei Monate zufrieden. Im Zuge dieser Entwicklung verbesserte sich der Lageindex - also der Saldo aus positiven und negativen Bewertungen zur Geschäftslage - auf 13,9 Zähler und damit in den positiven Bereich. Mit dem aktuellen Wert wird der Stand des Vorjahresquartals - damals lag der Wert bei 9,0 Zählern - übertroffen.

Auch die Geschäftsaussichten deuten auf eine Geschäftsbelebung hin. Mit 24,9 Zählern notiert der Erwartungsindex nur knapp unter dem Stand des Vorjahresquartals mit 29,9 Punkten, aber deutlich über dem Wert des 2. Quartals, der noch bei 8,2 Punkten lag.

Positiv sieht das Handwerk der Region die Auftragslage, die sich in den vergangenen drei Monaten stabilisiert hat. Jedes vierte Unternehmen (23,6 Prozent) konnte einen Zuwachs des Auftragsbestandes melden, im Vorjahr 2008 waren es nur 21 Prozent.

Auch die Erwartungen an das kommende Quartal zeigen in den positiven Bereich: Knapp ein Drittel der Betriebe (32,4 Prozent) rechnet mit einem Auftragsplus - und auch dieser Wert liegt über dem Wert des Vorjahresquartals. Gleichzeitig ist auch der Anteil der Pessimisten, die Auftragsrückgänge befürchten, um drei Prozentpunkte auf nunmehr 20 Prozent zurückgegangen.

Der Anteil der Betriebe, die ihren Umsatz steigern konnten, ist im Vergleich zum Vorjahr deutlich gestiegen. Drei von zehn Handwerksunternehmern erzielten höhere Umsätze und damit deutlich mehr als noch vor Jahresfrist (damals 18 Prozent). Jeder vierte Betrieb allerdings musste Einbußen verkraften. Aber auch hier ist die Quote von 28 Prozent auf nunmehr 25 Prozent leicht rückläufig.

Was die Aussichten angeht, kehrt verhaltene Zuversicht zurück. Vier von zehn Betrieben (44,4 Prozent) rechnen mit steigenden Umsätzen. Allerdings hat sich der Anteil der Pessimisten im Vergleich zum Vorjahr um 7 Zähler auf 21 Prozent erhöht.

Mit 13 Prozent ist die die Zahl der Betriebe, die in den zurückliegenden Monaten ihre Belegschaft aufgestockt haben, deutlich höher als noch vor Jahresfrist (damals 7,7 Prozent). Der Anteil, die Abstriche beim Personal machen mussten, liegt mit 7,3 Prozent im Bereich des Vorjahresquartals. In die Zukunft blickend wollen 85 Prozent der Betriebe die Größe der Belegschaft stabil halten, lediglich jeder achte Betrieb (12,1 Prozent) denkt darüber nach, sich von Mitarbeitern zu trennen.

Neue Investitionsvorhaben werden bei den Handwerkern weiterhin hinten angestellt. Zwar hat sich der Anteil an Firmen, die in den zurückliegenden Monaten in Maschinen und Werkzeuge investiert haben, leicht auf 56,3 Prozent (Vorjahr 51,3 Prozent) erhöht. Die geringe Investitionsbereitschaft aber wird wohl auch noch im kommenden Quartal anhalten.

"Unsere Betriebe sind bislang vergleichsweise gut durch die Krise gekommen, und das soll auch so bleiben", fasst Kammerpräsident Walter Tschischka zusammen.

Deshalb sei es jetzt wichtig, so Tschischka mit Blick auf die neue Bundesregierung, die kleinen und mittleren Unternehmen schnell und gezielt zu stärken. Ganz oben auf der Prioritätenliste stünden ein klares Nein zu höheren Steuern und Abgaben sowie die Forderung nach Korrekturen beim Einkommenssteuertarif zum Abbau der "kalten Progression". Tschischka: "Die Konjunkturpakete sind für das Handwerk wichtig, aber wir brauchen dringend strukturelle Entlastungen".

(HWK MA)