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Wirtschaft | Di, 22.11.2011 11:17

Migranten in Baden-Württemberg häufig ohne berufliche Qualifikation

Viele Migranten im Südwesten haben keine berufliche Qualifikation Nach den Ergebnissen des Mikrozensus 2010 hat von den baden-württembergischen Migranten im Alter von 25 bis unter 65 Jahren ein sehr hoher Anteil, nämlich rund 35 Prozent, keine Berufsausbildung vorzuweisen.


„Bei den gleichaltrigen Baden-Württembergern ohne Migrationshintergrund trifft dies nur auf etwa 9 Prozent zu“, so Dr. Carmina Brenner, Präsidentin des Statistischen Landesamts. „Entsprechend sind Migranten bei allen Ausbildungsabschlüssen weniger stark vertreten.“

Die im Durchschnitt geringere berufliche Qualifikation dürfte einen unmittelbaren Einfluss auf Erwerbsbeteiligung und Arbeitsmarktchancen von Migranten haben: So sind die Baden-Württemberger mit Migrationshintergrund wesentlich seltener berufstätig als Baden-Württemberger ohne Migrationshintergrund: Von letzteren gehen im erwerbsfähigen Alter, also im Alter von 15 bis unter 65 Jahren, 76,5 Prozent einer Erwerbstätigkeit nach, von den Migranten jedoch nur 66,3 Prozent. Die Unterschiede in der Erwerbsbeteiligung zeigen sich sowohl bei den Männern (Erwerbstätigenquote der Baden-Württemberger ohne Migrationshintergrund: rund 81 Prozent, bei den Migranten: gut 73 Prozent), als auch bei den Frauen (knapp 72 Prozent bzw. gut 59 Prozent).

Migranten sind nicht nur seltener berufstätig, sie sind auch stärker von Erwerbslosigkeit betroffen. Die Erwerbslosenquoten (d.h. der Anteil der Erwerbslosen an den Erwerbspersonen) von Personen mit und ohne Migrationshintergrund in Baden-Württemberg zeigen, dass diese beiden Bevölkerungsgruppen offensichtlich nicht die gleichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. So waren im Jahresdurchschnitt 2010 von den Baden-Württembergern ohne Migrationshintergrund knapp 4 Prozent ohne Arbeit, bei den Migranten lag die Erwerbslosenquote mit rund 9 Prozent hingegen mehr als doppelt so hoch. Die Ursachen für die schlechteren Arbeitsmarktchancen von Migranten dürften u.a. in teilweise unzureichenden Sprachkenntnissen zu suchen sein bzw. darin, dass im Ausland erworbene Ausbildungsabschlüsse nicht als gleichwertig angesehen werden.

Auch bei den jungen Baden-Württembergern mit bzw. ohne Migrationshintergrund zeigt sich im Hinblick auf die berufliche Qualifikation ein deutliches Gefälle: Nach den Ergebnissen des Mikrozensus hat ein sehr hoher Anteil der jungen, 25- bis unter 35-jährigen Migranten keinen beruflichen Ausbildungsabschluss (rund 27 Prozent). Bei den gleichaltrigen Baden-Württembergern ohne Migrationshintergrund traf dies auf lediglich rund 7 Prozent zu. Bei allen Ausbildungsabschlüssen sind die 25- bis unter 35-Jährigen mit Migrationshintergrund gegenüber den Personen ohne Migrationshintergrund weniger stark vertreten.

„Die Daten des Mikrozensus machen deutlich, dass wir diesen Teufelskreis nur mit Hilfe von Bildungsgerechtigkeit durchbrechen können“, so Integrationsministerin Bilkay Öney. Je früher Kinder Bildungsrückstände aufholten, umso weniger müsse später repariert werden. „Wir beabsichtigen, Sprachdefizite bereits mit Beginn des Kindergartens und nicht erst im letzten Kindergartenjahr zu identifizieren und zu fördern“, sagte die Ministerin. Darüber hinaus sei es wichtig, die Eltern von Kindern mit ausländischen Wurzeln in Initiativen stärker als bisher einzubeziehen.

Eine weitere Verbesserung für Migranten in Baden-Württemberg will die Ministerin über ein Landesanerkennungsgesetz erreichen. „Immer noch arbeiten zu viele Zuwanderer unter ihren Möglichkeiten, da ihre im Ausland erworbenen Qualifikationen bei uns nicht anerkannt werden. Das bedeutet für jeden Einzelnen und für die gesamte Volkswirtschaft einen immensen Verlust“, so die Ministerin. Immerhin gebe es inzwischen ein Bundesanerkennungsgesetz, das zum März 2012 in Kraft treten werde. „Wir arbeiten an einem Landesanerkennungsgesetz, das die Lücken des Bundesgesetzes schließen soll. Wir werden damit einerseits den Berufsqualifikationen von Zuwanderern besser gerecht, und andererseits leisten wir einen Beitrag zur Milderung des Fachkräftemangels“, sagte Öney.

(Redaktion)