Sign In

Welcome, Login to your account.

Vermischtes | Fr, 27.03.2009 10:26

So gestresst ist Deutschland

DAK-Studie: Jeder zweite Arbeitnehmer leidet unter hohen Belastungen

Unter psychischen Belastungen am Arbeitsplatz leidet jeder zwei Befragte (Foto: DAK).

Unter psychischen Belastungen am Arbeitsplatz leidet jeder zwei Befragte (Foto: DAK).


Rivalität, Leistungsdruck, Angst um den Job: Viele Arbeitnehmer sind im Stress. Das ist das Ergebnis einer DAK-Umfrage im Rahmen des aktuellen Gesundheitsreports*. Rund die Hälfte der Befragten gab an, bei der Arbeit unter hohen psychischen Belastungen zu leiden. Fast jeder siebte Beschäftigte hat Angst vor der Kündigung, jeder neunte sieht sich im Konkurrenzkampf mit seinen Kollegen. „Anhaltender Stress ist ein ernsthafter Risikofaktor für psychische Störungen“, sagt Martin Kordt, Gesundheitsökonom bei der DAK. Arbeitnehmer fallen heute aufgrund seelischer Leiden um rund 60 Prozent häufiger aus als vor zehn Jahren.

Millionen in der Stressfalle
Stress belastet Körper und Seele gleichermaßen: Mehr als die Hälfte aller Arbeitnehmer leidet an typischen Symptomen wie Schlafstörungen (53 Prozent), depressiven Verstimmungen (37 Prozent), Nervosität (36 Prozent) und Konzentrationsstörungen (32 Prozent). „Wer diese Anzeichen an sich beobachtet, sollte überlegen, wie er seine Energien besser einteilt“, rät Martin Kordt. Denn: „Die Grenze zu psychischen Erkrankungen wie Depression und Angststörungen ist fließend.“

Risikofaktor Unzufriedenheit
Betroffen sind laut DAK-Umfrage vor allem Frauen, ältere Arbeitnehmer und Menschen mit geringem Einkommen. Der DAK-Experte sieht neben Stress am Arbeitsplatz auch wirtschaftliche und soziale Hintergründe als Ursache: „Durch Mehrfachbelastungen, zunehmenden Leistungsdruck oder finanzielle Zwänge fühlen sich diese Menschen dem Stress oft besonders ausgeliefert.“ Mangelnder Einfluss auf die Arbeitsbedingungen gilt als weiterer Auslöser für Belastungen: „Je weniger Entfaltungsmöglichkeiten und Sicherheit ein Arbeitnehmer für sich sieht, umso anfälliger ist er für Stress“, betont Kordt.

Sackgasse Sucht
Auf der Suche nach einem Ausweg greifen viele Betroffene zu riskanten Mitteln: Vor allem Männer und ältere Berufstätige (je 10 Prozent) versuchen, Anstrengungen mit Alkohol zu bewältigen. Frauen dämpfen Belastungsempfindungen eher mit Schlaf- und Beruhigungsmitteln (7 Prozent). Eine nicht weniger gefährliche Lösung suchen Berufstätige in leistungssteigernden Medikamenten: Knapp zwei Millionen Berufstätige haben bei der beruflichen Leistung schon einmal mit Tabletten nachgeholfen.

Ausgleich ist das A und O
„Alkohol und Tabletten sind kein geeigneter Weg aus der Stressfalle“, erklärt Martin Kordt von der DAK. Nur der Ausgleich im Privatleben mache auf Dauer stressresistenter. Ein Bewusstsein hierfür besteht durchaus: Frauen und ältere Beschäftigte setzen nach Feierabend besonders auf Ruhe und Entspannungstechniken (67 bzw. 64 Prozent), aktiven Sport betreiben eher Jüngere und Akademiker (35 bzw. 45 Prozent). „Auch immer mehr Arbeitgeber erkennen die zentrale Rolle der Work-Life-Balance für die Produktivität ihrer Mitarbeiter“, so Kordt weiter. „Viele Unternehmen bieten ihren Angestellten deshalb Maßnahmen wie flexible Arbeitszeitmodelle, Fortbildungen im Stressmanagement oder Entspannungskurse.“

*Quelle: Der DAK-Gesundheitsreport 2009

Jedes Jahr wertet die DAK die Krankschreibungen von mehr als 2,5 Millionen erwerbstätigen Mitgliedern aus. Ergänzend wurden in diesem Jahr die Verordnungen von leistungssteigernden Medikamenten geprüft. Eine repräsentative Bevölkerungsumfrage unter rund 3.000 Arbeitnehmern zu ihrem Umgang mit Stressbelastungen, die Analyse ambulanter und stationärer Diagnosen sowie Stellungnahmen von namhaften Experten komplettieren die Studie. Die Ergebnisse sind im aktuellen Gesundheitsreport umfassend dargestellt.

Quelle: DAK