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Wirtschaft | Mi, 13.02.2013 09:01

Stimmung bei deutschen Verbrauchern steigt an

Zum Ende des vergangenen Jahres hat das Vertrauen der Verbraucher in Deutschland leicht zugenommen. Dies ist das Ergebnis einer weltweiten Umfrage zum Thema Vertrauen und Einkaufsgewohnheiten von Nielsen Media Research. Der deutsche Index ist demnach im vierten Quartal 2012 im Vergleich zu den vorherigen drei Monaten um einen Punkt auf 87 Punkte angestiegen. Damit endete der Abwärtstrend der Vorquartale. Insgesamt ist die Stimmung der vergangenen beiden Jahre deutlich besser als in den Krisenjahren 2008 und 2009.


Getragen werde die jüngste Zuversicht der deutschen Verbraucher laut Nielsen in erster Linie von der robusten Wirtschaft hierzulande. Der Export sei in 2012 weiter gestiegen, auch wenn er insgesamt an Schwung verlor. Zudem erreichte die Zahl der Erwerbstätigen einen neuen Höchststand. Auch die Anleger vertrauten der deutschen Wirtschaft; der DAX legte im vergangenen Jahr um fast 30 Prozent zu.

Ihre persönliche Situation bewerteten die deutschen Verbraucher Ende 2012 dementsprechend etwas positiver als noch in den beiden Vorquartalen. Laut Nielsen-Report halten 46 Prozent ihre finanzielle Situation für gut bis exzellent – ein bis zwei Prozent mehr als in den sechs Monaten zuvor und weitaus mehr als im europäischen Durchschnitt (36 Prozent). Nur noch 53 Prozent waren der Ansicht, Deutschland befinde sich in einer Rezession. Im Vorquartal waren es noch 58 Prozent gewesen. Während die Bereitschaft einzukaufen im Schnitt europaweit sank, blieb sie in Deutschland gegenüber dem Vorquartal unverändert.

„Die deutschen Verbraucher lassen sich von der europäischen Schuldenkrise offenbar nicht länger die Kauflust verderben“, erklärt Ingo Schier, Geschäftsführer von Nielsen Deutschland. „Diese Entwicklung wird möglicherweise in 2013 verstärkt: Der Staat hat die Einkommenssteuer und die gesetzlichen Rentenbeiträge gesenkt. Zudem gibt es positive Prognosen für die Entwicklung von Beschäftigung, Tariflöhnen und Preisen.“

Allerdings sei die Trendwende beim Verbrauchervertrauen in Deutschland noch überschaubar. In manchen Bereichen schätzten die Deutschen die Situation auch kritischer ein als zuvor. So gaben beispielsweise 22 Prozent der Studienteilnehmer an, nach Abzug der Lebenshaltungskosten kein Geld mehr zur Verfügung zu haben. Das waren drei Prozent mehr als noch im Vorquartal. Erklären lässt sich dies mit den stark angestiegenen Energie- und Lebensmittelkosten Ende 2012. Erhöhte Energiekosten zählen deshalb auch zu den größten Sorgen der Deutschen. Strom und Gas zu sparen nannten 41 Prozent der Befragten als wichtigstes Ziel. Dies gilt auch, wenn sich die wirtschaftliche Situation verbessern sollte.

Zudem schätzen nur noch 45 Prozent der Studienteilnehmer die Jobsituation positiv ein. Das sind immer noch doppelt so viele wie im europäischen Durchschnitt, jedoch zwei Prozent weniger als im Vorquartal. Entscheidend für die Verbraucherstimmung bleibt aus Sicht von Nielsen deshalb, wie sich die Eurokrise entwickelt und welche Auswirkungen sie auf Deutschland hat.

Im Vergleich der fünf größten Volkswirtschaften der Welt lag Deutschland Index für das Verbrauchervertrauen auf Platz vier. Platz eins belegte Indien. Auf Platz zwei folgte China. Die USA landeten auf Platz drei, dicht gefolgt von Deutschland. In Japan blieb das Verbrauchervertrauen auf einem äußerst niedrigen Niveau.

In Europa trübte sich die Stimmung weiter ein. Der Verbrauchervertrauensindex sank in den letzten drei Monaten des Jahres 2012 im Vergleich zum dritten Quartal um drei auf 71 Punkte. Einen negativen Trend verzeichneten 20 von 29 Ländern; zehn davon sogar mit einem Vertrauensverlust von sechs oder mehr Punkten, wobei Belgien die Spitzenposition einnimmt. Der Index fiel zudem unter anderem in der Schweiz (minus 9), Frankreich (minus 9), Österreich (minus 7) und in den Niederlanden (minus 7).

„Grundsätzlich bleiben die Verbraucher weltweit wachsam und haben sich Ende des vergangenen Jahres mit ihren Ausgaben angesichts globaler ökonomischer und politischer Unsicherheiten erneut zurückgehalten“, erklärt Dr. Venkatesh Bala, Chefökonom von The Cambridge Group, einer Tochtergesellschaft von Nielsen. Verbraucher hätten weltweit mit wachsenden wirtschaftlichen Sorgen zu kämpfen, da die Eurokrise sich von Problem- auf Kernländer ausgeweitet habe, die Fiskalklippe in den USA als Drohszenario auftauchte und in China die steigende Inflation geldpolitische Maßnahmen notwendig machte. Angesichts anhaltender Schwäche in Europa und uneinheitlichem Wachstum in Asien könne es laut Dr. Bala sehr gut sein, dass die USA – mit einem sich verbesserndem Arbeitsmarkt – der entscheidende Treiber einer sich erholenden Weltwirtschaft in 2013 werde.

(Redaktion)