Sign In

Welcome, Login to your account.

Wirtschaft | Mo, 16.06.2008 10:37

Studie des Wirtschaftsministeriums liefert erstmals fundierte Aussagen zu Motiven von Auswanderern aus Baden-Württemberg

Wirtschaftsminister Pfister will sich verstärkt für die Rückkehr hoch qualifizierter Auswanderer einsetzen


Um mehr über die Gründe für eine Auswanderung und die Qualifikation von Auswanderinnen und Auswanderern zu erfahren, hat das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg die Unternehmensberatung Rambøll Management mit einer Studie beauftragt, die jetzt vorliegt. „Erstmals wurden dabei tatsächlich aus Baden-Württemberg ausgewanderte Personen befragt“, erklärte Wirtschaftsminister Ernst Pfister.

Die Ergebnisse zeigten, dass insbesondere hoch qualifizierte Personen das Land verlassen und berufliche Gründe hierbei eine entscheidende Rolle spielen. Es habe sich aber auch herausgestellt, dass sich ein Großteil der Auswanderer eine Rückkehr vorstellen kann, dabei aber eine Reihe von Problemen sieht. „Als wesentliche Hindernisse für eine Rückkehr wurden insbesondere berufliche Faktoren wie fehlende adäquate Stellenangebote und fehlende berufliche Netzwerke genannt“, so der Minister.

Ernst Pfister zog daraus die Schlussfolgerung, dass sich das Land künftig verstärkt um die vielen hoch qualifizierten und rückkehrwilligen Auswanderer bemühen muss. „Mit dieser Studie haben wir erstmals fundierte Erkenntnisse darüber, warum Deutsche und auch Baden-Württemberger ihr Glück in der Fremde suchen“, so der Minister. Deutlich werde, dass es sich bei den Auswanderern zum großen Teil um hoch qualifizierte Fachkräfte handle und der überwiegende Teil noch unentschlossen sei, ob er dauerhaft im Ausland bleibt. „Mein Ziel ist es natürlich, dass diese wertvollen Fachkräfte nach ein paar Jahren – bereichert um wertvolle Erfahrungen – wieder zurückkehren. Die Studie gibt mir wertvolle Hinweise, wie dies erreicht werden kann“, so Ernst Pfister.

Anlass zu der Studie gab die seit Jahren zunehmende Abwanderung von Deutschen ins Ausland. Im Jahr 2007 verzeichnete das Statistische Bundesamt mit 165.000 Personen seit 1954 die höchste registrierte Zahl von Deutschen, die auswandern. Auch Baden-Württemberg kehren immer mehr Deutsche den Rücken. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes ist die Zahl der aus Baden-Württemberg ausgewanderten Deutschen zwischen 2000 und 2006 von knapp 18.000 auf rund 25.000 Personen im Jahr gestiegen. Hauptzielländer waren 2006 die Schweiz mit rund 5.600 und die USA mit 2.300 Auswanderern.

Zum ersten Mal wurde deshalb auch die Qualifikationsstruktur der Auswanderer in den zwei wichtigsten Zielländern Schweiz und USA untersucht. Die Daten des Schweizer Bundesamts für Statistik ergeben, dass von den 115.000 Deutschen, die 2007 in der Schweiz erwerbstätig waren, 64 Prozent über eine höhere Berufsbildung, einen Hochschulabschluss oder eine Promotion und weitere 33 Prozent zumindest über Abitur, Fachabitur oder eine Berufsausbildung verfügen. Für die USA lassen die vorhandenen Daten nur allgemeine Aussagen zu: Gemäß dem U.S. Department of Homeland Security erhielten 2005 knapp 9.300 Deutsche eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung. Die Personen, für die ein Tätigkeitsbereich angegeben ist, arbeiten vor allem in gewerblich-technischen Berufen (43 Prozent) und im Bereich „Verwaltung und Management“ (29 Prozent).

Kern der Studie bildete eine Online-Befragung von ausgewanderten Baden-Württembergern in der ganzen Welt zu den Gründen und Perspektiven der Abwanderung. Es beteiligten sich 486 Baden-Württemberger, die derzeit im Ausland leben. Die Ergebnisse zeigen, dass der Hauptgrund für eine Abwanderung der Wunsch nach beruflichen Erfahrungen für weitere Karriereschritte ist. Für 78 Prozent der Befragten war dies ein sehr wichtiger oder wichtiger Grund. An zweiter Stelle folgen mit 72 Prozent das Interesse am interkulturellen Austausch und mit 54 Prozent fehlende Aufstiegs- und Karrierechancen. Andere Aspekte wie Lohnniveau, Arbeitsbedingungen und soziale Absicherung spielen für die Auswanderung aus Baden-Württemberg eine geringere Rolle.

32 Prozent der Befragten planen einen dauerhaften Auslandsaufenthalt, während 24 Prozent von einer zeitlich befristeten Auswanderung ausgehen. Der Großteil, nämlich 45 Prozent, hat diesbezüglich keine konkreten Pläne. Auf die Frage nach einer möglichen Rückkehr nach Baden-Württemberg antworteten lediglich acht Prozent, dass sie auf keinen Fall zurückkommen möchten. 29 Prozent wollen auf jeden Fall nach Baden-Württemberg zurück und die restlichen 63 Prozent sind noch unentschlossen. Als Probleme bei einer möglichen Rückkehr werden genannt: fehlendes adäquates Stellenangebot (52 Prozent), fehlende berufliche Netzwerke (45 Prozent), fehlendes adäquates Stellenangebot für den Partner (30 Prozent), Probleme bei der Übertragung von Rentenansprüchen (21 Prozent) sowie Probleme bei der Anerkennung von Qualifikationen aus dem Ausland (20 Prozent).

„Im Rahmen seiner Fachkräfteinitiative wird das Wirtschaftsministerium als Anlaufstelle für Fachkräfte aus dem Ausland und Rückkehrwillige gemeinsam mit der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit einen zentralen Ansprechpartner einrichten“, so Ernst Pfister. Zudem werde das Ministerium den Problemen bei der Übertragung von Versicherungsansprüchen und der Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen nachgehen.

Um die dauerhafte Abwanderung zu begrenzen und die Attraktivität des Fachkräfte-Standorts Baden-Württemberg zu steigern, setzt sich das Wirtschaftsministerium dafür ein, dass insbesondere die Steuern und Sozialabgaben für die Beschäftigten in Deutschland abgesenkt werden. „Es ist nicht länger tragbar, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland im internationalen Vergleich die dritthöchste Abgabenlast zu tragen haben. Wir fordern deshalb eine Einkommenssteuerreform in Stufen, die ab 2009 einsetzt. Zeitgleich muss der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung weiter abgesenkt werden“, so Ernst Pfister.

Die vollständige Studie kann auf der Seite der Fachkräfteinitiative des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg – www.fachkraefte-bw.de – heruntergeladen werden.

Quelle: Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg