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Wirtschaft | Di, 16.02.2010 09:45

Südwestwirtschaft langsam auf Erholungskurs

Die Stimmung der Unternehmen in Baden-Württemberg hellt sich weiter auf: Sowohl die aktuelle wirtschaftliche Situation als auch die Zukunftsperspektiven haben sich seit vergangenem Herbst leicht verbessert. „Der Auftrieb kommt vor allem von der gestiegenen Auslandsnachfrage“, erläutert Dr. Herbert Müller, Präsident der IHK-Region Stuttgart, die federführend im Bereich Volkswirtschaft für die zwölf IHKs in Baden-Württemberg ist.


Knapp ein Fünftel der Unternehmen beurteilt die momentane Geschäftslage als gut, im Herbst 2009 lag ihre Zahl bei 18 Prozent. Als schlecht bezeichnen 28 Prozent ihre Situation (Herbst 2009: 36 Prozent). Dies hat die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage ergeben, an der sich knapp 4.200 Unternehmen aller Betriebsgrößen und Branchen beteiligten.

39 Prozent der Unternehmen mit Exportorientierung rechnen mit steigenden Ausfuhren, nur noch 14 Prozent gehen von einer sinkenden Auslandsnachfrage aus. Insbesondere Asien, Südamerika und die Märkte der europäischen Union setzen positive Impulse. Weniger optimistisch betrachtet die Wirtschaft im Südwesten allerdings die Nachfrage aus dem Inland. Stagnierender privater Konsum, steigende Arbeitsplatzunsicherheit und das Auslaufen der Abwrackprämie tragen zu dieser Einschätzung bei. Zwei Drittel der Unternehmen sehen in der geringen Inlandsnachfrage die größte Gefahr für ihre weitere Entwicklung.

„Vor dem Hintergrund ihrer geringen Kapazitätsauslastung, ihrer angespannten Ertragslage und den anziehenden Finanzierungskonditionen verspüren die Unternehmen wenig Neigung zu Investitionen“, erklärt der IHK-Präsident. Zwar plant ein Fünftel der Betriebe höhere Inlandsinvestitionen (Herbst 2009: 14 Prozent), mehr als ein Viertel jedoch will Investitionen verringern (Herbst 2009: 36 Prozent). Die Mehrheit plant keine Veränderungen.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt bedroht den leichten Aufschwung, dies bestätigen auch die Beschäftigungspläne der Südwestwirtschaft: Nur elf Prozent der Betriebe wollen ihre Belegschaft vergrößern, 26 Prozent planen einen Personalabbau. In der Industrie gehen sogar 35 Prozent der Unternehmen davon aus, ihre Beschäftigtenzahl verringern zu müssen. Nur acht Prozent rechnen mit Einstellungen.

Blick in die Branchen: Die Industrie erholt sich langsam, jedoch geht es nach wie vor mehr Betrieben schlecht als gut. Die Erwartungen für die Zukunft sind aufgrund der besseren Auftragslage dagegen vermehrt optimistisch. Die Unternehmen der Chemie- und Pharmabranche sind mit ihrer momentanen Lage zufrieden und rechnen mit einer weiteren Belebung ihrer Geschäfte in diesem Jahr. Auch hier liegt die Zuversicht in den steigenden Exporten begründet. Die Bauwirtschaft ist dagegen weniger optimistisch: Die aktuelle Situation ist zwar noch positiv, doch Baumaßen, die nicht durch Konjunkturprogramme finanziert sind, werden zunehmend verschoben oder bleiben aus. Verhalten optimistisch blickt der Großhandel - vor allem der konsumnahe Teil der Branche - auf die kommenden Monate, seine Geschäftslage hat sich weiter verbessert. Dem Einzelhandel geht es im Moment sogar besser als erwartet, nur der KfZ-Handel leidet unter dem Auslaufen der Abwrackprämie.

Angesichts der Risiken auf dem Arbeitsmarkt ist die Stimmung der Gesamtbranche jedoch von Skepsis geprägt. Die Dienstleister bezeichnen ihre Lage insgesamt als befriedigend: Dem IT-Sektor und den Beratungsunternehmen geht es relativ gut, Branchen wie Verkehr, Zeitarbeit und Werbung vermelden einen Aufwärtstrend bei immer noch ungünstiger Lage. Die Konjunkturbelebung lässt das Hotel- und Gaststättengewerbe auf steigende Umsätze mit Firmenkunden hoffen. Von privaten Kunden wird dagegen eher eine nachlassende Ausgabenbereitschaft befürchtet. Im Ganzen ist die Branche verhalten zuversichtlich.

(IHK BW)