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Wirtschaft | Di, 16.10.2012 08:53

„Third Billion Index“: 4% zusätzliches BIP-Wachstum durch berufliche Gleichstellung von Frauen und Männern möglich

Binnen zehn Jahren werden zusätzlich weltweit bis zu drei Milliarden Menschen am Wirtschaftsgeschehen teilnehmen. Dazu tragen die Schwellenländer China und Indien mit jeweils einer Milliarde Menschen bei. Frauen könnten die dritte Milliarde stellen, die dann als Arbeitnehmerinnen, Managerinnen oder auch Konsumentinnen am globalen Wirtschaftsgeschehen partizipieren. Das ist ein Ergebnis der globalen Studie "Empowering the Third Billion: Women and the World of Work in 2012" von Booz & Company.


Bisher wird Frauen dieser Zugang in vielen Teilen der Welt allerdings noch durch fehlende Bildung oder gesellschaftliche Restriktionen verhindert. Die Mobilisierung dieses noch unerschlossenen wirtschaftlichen Potenzials kann dabei erhebliche gesellschaftliche, aber auch volkswirtschaftliche Effekte erzielen. Anders als bei dem in China und Indien generierten Wachstum werden die "Third Billion"-Impulse ihre Wirkung für die Weltwirtschaft wesentlich dezentraler und vielschichtiger entfalten. Wäre beispielsweise in Deutschland der Anteil berufstätiger Frauen und Männer ausgeglichen, so würde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sprunghaft um 4% ansteigen.

Die weltweiten strukturellen Voraussetzungen für die Teilhabe der Frauen am wirtschaftlichen Leben bemisst der "Third Billion Index 2012". In diesem rangiert Deutschland mit Rang 8 (Scorewert: 67,1) in der internationalen Spitzengruppe. Auch ist der Abstand zu den Top 3 der 128 untersuchten Nationen - Australien (70,6), Norwegen (70,6) und Schweden (69,5) - nur noch sehr gering.

„Die gute Platzierung im globalen Ranking verdeutlicht die vergleichsweise guten Rahmenbedingungen in Deutschland. Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch eine Menge zu tun bleibt, bis die wirtschaftliche Gleichstellung der Geschlechter gelebte Realität ist“, so Christine Rupp, Partnerin und Recruiting-Verantwortliche bei Booz & Company im deutschsprachigen Raum. „Aktuelle Gesetzesinitiativen wie die kürzlich vom Bundesrat auf den Weg gebrachte Frauenquote in den Aufsichtsräten großer Unternehmen sowie bereits umgesetzte rechtliche Regelungen wie der Anspruch auf Elternzeit oder der staatlich forcierte Ausbau der Kinderbetreuung gehen in die richtige Richtung.“

 Bereits heute gehört Deutschland im Bereich der gleichen Entlohnung für vergleichbare Arbeit zur Spitze der acht Wirtschaftsnationen, die geschlechtsbedingte Lohndiskriminierung durch gesetzliche Vorgaben weitgehend zu verhindern versuchen. Nach einer aktuellen Erhebung des Statistischen Bundesamtes beträgt die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland zwar nominell noch 22%. Bereinigt um Faktoren wie häufigere und längere Auszeiten, beispielsweise für Eltern- oder Teilzeit, und niedrigere Verdienstmöglichkeiten in Branchen mit hohem Frauenanteil dürfte diese jedoch faktisch eher bei 8% liegen. Bei der Förderung von Gründerinnen belegt Deutschland im weltweiten Vergleich sogar den dritten Platz. Hier schlagen vor allem die staatlichen Förderprogramme für Gründerinnen und der gute Zugang zu Gründungskrediten beispielsweise über die KfW positiv zu Buche.

Gerade aufstrebende Wirtschaftsnationen wie China (Rang 58), Indien (Rang 115), Saudi-Arabien (Rang 123), die Vereinigten Arabischen Emirate (Rang 109) oder Ägypten (Rang 108), haben in diesem Bereich großen Aufholbedarf. Aber auch in Deutschland zeigen sich noch erhebliche Defizite, wenn es darum geht, berufstätigen Frauen die gleichen Karrierechancen wie ihren männlichen Kollegen zu ermöglichen. So stellen Frauen in Deutschland 51% der Hochschulabsolventen, aber nur 31% der leitenden Funktionen in Unternehmen. „Im Top-Management der 500 größten deutschen Konzerne beträgt der Frauenanteil sogar nur 2,4%“, bemängelt Rupp.

Ein weiteres Studienergebnis: Hohe "Third Billion"-Indexwerte eines Landes führen zu deutlich besseren Ergebnissen beim Pro-Kopf-Einkommen, der Alphabetisierungsrate und beim Zugang zu Bildungsmöglichkeiten. „Dieser signifikante Effekt verdeutlicht: Maßnahmen zur Förderung des beruflichen Einstiegs, der Karriereentwicklung und der finanziellen Unabhängigkeit von Frauen sind kein Selbstzweck, sondern führen mittel- bis langfristig zu immensen makroökonomischen Vorteilen für den jeweiligen Standort führen“, so die Booz-Partnerin Rupp weiter. „Daher ist es eine vordringliche Aufgabe der Politik und der Unternehmensentscheider auf allen Ebenen, mit gezielten Ausbildungs-, Förder- und Kinderbetreuungsinitiativen die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass Frauen ihr volles ökonomisches Potenzial ausschöpfen und damit auch die Weltwirtschaft substanziell voranbringen können.“

(Redaktion)