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Unternehmensnachrichten | Fr, 12.11.2010 14:27

Trochtelfinger Tafelrunde - Lesung mit Tatort-Kommissar Kopper: Welche Biene hat schon ein Navigationsgerät?

Was passiert, wenn ein Tatort-Kommissar sich auf Spurensuche nach der Herkunft seiner Lebensmittel macht? Ganz einfach: Er entdeckt einige Dinge die ihm nicht „schmecken“ und beschließt darauf hin sich ein Jahr lang nur noch regional zu ernähren. Diesen Selbstversuch hat Andreas Hoppe, alias Mario Kopper, in seinem Buch „Allein unter Gurken: Mein abenteuerlicher Versuch, mich regional zu ernähren“ zusammen mit Co-Autorin Jacqueline Roussety unterhaltsamer, aber auch sehr informativer Form beschrieben.

Zur Trochtelfinger Tafelrunde kamen rund 100 Gäste, um die Autoren-Lesung zu hören und sich über die Themen Biodiversität und Agrogentechnik zu informieren. (Foto: Alb-Gold)

Zur Trochtelfinger Tafelrunde kamen rund 100 Gäste, um die Autoren-Lesung zu hören und sich über die Themen Biodiversität und Agrogentechnik zu informieren. (Foto: Alb-Gold)


Zur Trochtelfinger Tafelrunde unter dem Motto „Natürliche Artenvielfalt und regionale Lebensmittel“ kamen rund 100 Gäste, die nicht nur gebannt der Lesung der Autoren zuhörten, sondern durch Fachreferenten und im Podiumsgespräch interessante Informationen zum Thema Biodiversität und Agrogentechnik vermittelt bekommen haben. Seit zwei Jahren finden die Tafelrunden in regelmäßigen Abständen mit unterschiedlichen Themen beim Nudelhersteller Alb-Gold statt. Entstanden ist diese Veranstaltungsreihe durch die Idee des im Sommer verstorbenen Firmenchefs Klaus Freidler. Sein Sohn Oliver betonte zur Begrüßung der Gäste, dass die Familie diese Tradition mit gleicher Leidenschaft und Engagement fortsetzen wird. Information und Aufklärung sei wichtig für mündige Verbraucher und ein Grundrecht für die Menschen. Zusammen mit seinem Bruder André vertrat er das Familienunternehmen auf dem Podium.

Anhand zahlreicher Beispiele stellt Prof. Dr. Roman Lenz, Leiter des Instituts für Landschaftsplanung und Landschaftsinformatik an der FH Nürtingen-Geislingen,  die aktuelle Situation des rapide zunehmenden Artensterbens dar. Geht das Artensterben mit unverminderter Geschwindigkeit weiter, müsse das System früher oder später zusammenbrechen.

Sein wissenschaftlicher Kollege Andreas Bauer-Panskus vom Wissenschafts- und Projektbüro eipgen wies auf den Zusammenhang von Artensterben und neuen Technologien in der Landwirtschaft hin. Beispielsweise durch die Aussaat gentechnisch veränderter Pflanzen komme es zur Kreuzung mit verwandten Wild- oder Unkrautpflanzen. Nach einem solchen Artensprung sind gentechnische Konstrukte endgültig nicht mehr aus der Natur rückholbar.

In den beiden Lesungen von Hoppe und Roussety gingen die beiden Autoren beispielsweise auf die Zusammenhänge zwischen Gentech-Pflanzen und dem Lebensmittel Honig ein. So musste in Brandenburg vor einigen Jahren Honig aus dem Verkehr gezogen, in dem Rückstände von gentechnisch veränderten Pflanzen gefunden wurden. Dieser musste anschließend vernichtet werden und der Imker blieb auf dem Schaden sitzen. „Welche Biene hat schon ein Navigationsgerät?“ fragte sich hier der „Honeyman“ Andreas Hoppe.

Beim moderierten Podiumsgespräch erklärte André Freidler, dass im Kundenzentrum des Familienunternehmens das Interesse an der Gläsernen Produktion und an Informationen rund um die gesunde Ernährung ungebrochen sei. Die Leute wollen weg von den anonymen Lebensmitteln und die Gesichter hinter den Produkten sehen.

Wer die Eiaufschlagmaschine oder die großen Trockner in der Nudelproduktion gesehen hat, der konsumiert die Produkte mit einem anderen Gefühl. Transparenz – möglichst vom Saatgut bis auf den Teller – sei ein grundsätzlicher Pfeiler der Alb-Gold Firmenphilosophie.

Was denn das Unternehmen tun würde, um seine Produkte unter dem Logo „Ohne Gentechnik“ verkaufen zu können, war eine Frage an seinen Bruder Oliver. Zunächst würde versucht möglichst umfangreich regionale Rohstoffe wie beispielsweise Dinkel von der Alb in der Produktion einzusetzen. Hier besteht die direkte Kontrollmöglichkeit der Vertragslandwirte und der Mühlen. Hartweizen, der wichtigste Rohstoff für die Premiumteigwaren wachse aber nicht auf der Alb. Dieser muss importiert werden. Aufwendige und teure Zusatzuntersuchungen der Rohstoffe seien die Folge, erklärte der Betriebswirt. Vor allem durch Verunreinigung des Hartweizengrießes auf den Transportwegen bestünde eine ernstzunehmende Gefahr. Alb-Gold geht hier einen neuen Weg und baut gemeinsam mit französischen Landwirten Hartweizen an. „Wir sind nicht mehr auf große Containerschiffe aus Übersee angewiesen und können den Transport selbst in die Hand nehmen“, so Freidler weiter. Die Ohne Gentechnik-Garantie für die in Trochtelfingen produzierten Produkte zu geben sei keinesfalls einfach. Der Aufbau der gentechnikfreien Erzeugerkette vom Hühnerfutter bis zur fertig verpackten Nudel hat  Jahre gedauert und ist mit zusätzlichen Kosten verbunden, die nicht von den verursachenden Agrokonzernen getragen werden.

Mit der Lesung des Epilogs aus dem Buch „Allein unter Gurken“ wurde die Runde abgeschlossen. Das Fazit von Andreas Hoppe nach seinem einjährigen Selbstversuch sich regional zu ernähren war einfach und klar: Jeder kann mit seinem eigenen Handeln zu mehr Vielfalt in der Natur und auf dem Teller beitragen. Für ihn haben die Erfahrungen während des Jahres dazu geführt, dass er die Natur, den Genuss und das Leben allgemein bewusster wahrnimmt und genießt.

Kulinarische Genüsse gab es für die Gäste beim anschließenden gentechnikfreien Imbiss, bei dem so manches Thema weiter vertieft wurde.

(Redaktion)