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Wirtschaft | Di, 01.12.2009 09:49

Trotz Fachkräftemangel: Deutsche Unternehmen bieten Generation 50Plus kaum altersgerechte Möglichkeiten im Job

Der demografische Wandel lässt die Belegschaften deutscher Unternehmen schneller altern, als diese Angebote wie Weiterbildung oder Entlohnungsmodelle anpassen. Das sorgt für steigende Unzufriedenheit bei älteren Arbeitnehmern. Aus Sicht der Generation 50Plus trauen Unternehmen in Deutschland den Älteren zu wenig Entwicklungspotenzial zu und bieten ihnen keine interessanten beruflichen Perspektiven. Das zeigt eine aktuelle Studie des Managementberatungs-, Technologie- und Outsourcing-Dienstleisters Accenture.


Viele Maßnahmen, die sich speziell an ältere Mitarbeiter richten, kommen bei der Zielgruppe offenbar nicht an. Nur ein Drittel der Älteren sind laut Studie mit den Trainings- und Weiterbildungsangeboten in ihrem Unternehmen zufrieden. Die Mehrzahl der Befragten bemängelt, dass ihre Bedürfnisse in Bereichen wie Gesundheit, Mitarbeiterführung und Karriereentwicklung zu wenig berücksichtigt werden (63 Prozent). 60 Prozent gaben zudem an, dass die Entlohnungsmodelle ihrer Arbeitgeber angepasst werden sollten. Kritik gibt es auch an den Vorgesetzten: Zwei Drittel der Befragten (65 Prozent) fühlt sich nicht motiviert, über das normale Rentenalter hinaus zu arbeiten. Lediglich im Bereich Arbeitszeitgestaltung gelingt es den deutschen Unternehmen, die Ansprüche von immerhin jedem zweiten älteren Beschäftigten zufrieden zu stellen (55 Prozent).

"Die Unternehmen konzentrierten sich bisher meist darauf, das Ausscheiden älterer Mitarbeiter aus dem Berufsleben vorzubereiten", beobachtet Fred Marchlewski, Geschäftsführer im Bereich Talent und Organization Performance bei Accenture. "Angesichts des Fachkräftemangels und steigender Lebensarbeitszeiten müssen sie künftig verstärkt Programme entwickeln, die speziell Ältere fördern und motivieren."

Zumindest einige Unternehmen haben jedoch bereits die Herausforderung des demografischen Wandels erkannt und Schritte eingeleitet, um das Potenzial der Älteren weiter zu nutzen und zu entwickeln. Laut der Studie von Accenture haben rund ein Viertel der Unternehmen (24 Prozent) altersgerechte Programme zur Gesundheitsförderung eingeführt und immerhin 22 Prozent bieten flexible Arbeitszeitmodelle. In anderen Bereichen bleibt allerdings noch viel zu tun: Nur zehn Prozent der Unternehmen haben altersgerechte Entlohnungsmodelle, neun Prozent berücksichtigen die Bedürfnisse der Älteren in der Mitarbeiterführung, und lediglich sieben Prozent verfügen über angepasste Programme zur Karriereplanung.

"Die Aussicht, entweder in Frührente zu gehen oder ohne Perspektive bis zur Pensionierung weiterzuarbeiten, frustriert viele ältere Mitarbeiter", sagt Fred Marchlewski. "Die Unternehmen müssen deshalb viel stärker als bisher eine Kultur der Wertschätzung von Erfahrung und Kompetenz schaffen, verbunden mit Konzepten, die besser auf die Bedürfnisse der Generation 50Plus abgestimmt sind."

Für die Studie "Das Urteil der 50Plus" befragte das Marktforschungsinstitut Dialego im Auftrag von Accenture deutschlandweit 500 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Alter von 50 bis 65 Jahren aus mittelständischen und großen Produktions-, Dienstleistungs- und öffentlichen Unternehmen. Die Teilnehmer beurteilten Programme in den Bereichen Gesundheitsförderung, Arbeitszeitgestaltung, Lernen und Weiterbildung, Lohn/Gehalt/Vergütung, Führung und Motivation, Karriereentwicklung.

(ots)