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Wirtschaft | Di, 09.09.2008 10:37

Unternehmensinsolvenzen in Bayern im 1. Halbjahr 2008 um 14,1 Prozent zurückgegangen

Einzelunternehmen und GmbHs am stärksten von Insolvenz betroffen


Nach Mitteilung des Bayerischen Landesamts für Statistik und Datenverarbeitung wurden im ersten Halbjahr 2008 insgesamt 1 722 Unternehmensinsolvenzen gemeldet und damit um 14,1 Prozent weniger als vor einem Jahr. 43,4 Prozent der insolventen Unternehmen waren weniger als acht Jahre lang wirtschaftlich tätig. Die Gesamtsumme der Gläubigerforderungen nahm gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 68,3 Prozent auf 708 617 Euro ab und bezifferte sich auf durchschnittlich 411 508 Euro je Unternehmen. Bayernweit waren im ersten Halbjahr 2008 insgesamt 5 169 und somit 49,2 Prozent weniger Beschäftigte von Unternehmensinsolvenzen betroffen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Entwicklung der Gläubigerforderungen und der betroffenen Arbeitsplätze ist beeinflusst von der Insolvenz eines Großunternehmens aus der Informationsbranche, welche im statistischen Ergebnis des 1. Halbjahres 2007 berücksichtigt ist. Die meisten Unternehmensinsolvenzen gab es mit 668 in Oberbayern, den stärksten Rückgang mit -30,1 Prozent in Schwaben.
 
Wie das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung mitteilt, wurden von den Insolvenzgerichten in Bayern im ersten Halbjahr 2008 insgesamt 8 750 Anträge auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gemeldet. Hiervon betrafen 1 722 Verfahren bzw. 19,7 Prozent Unternehmen (Vorjahr: 20,6 Prozent). Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen nahm somit um 282 bzw. 14,1 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2007 ab.

Erneut bezogen sich relativ viele Insolvenzfälle auf junge Unternehmen. So waren 747 bzw. 43,4 Prozent der Unternehmen, die im ersten Halbjahr 2008 Insolvenz anmelden mussten, weniger als acht Jahre wirtschaftlich tätig (erstes Halbjahr 2007: 46,4 Prozent), darunter 375 Unternehmen nur bis zu drei Jahren.
Die Mehrzahl der insolventen Unternehmen waren Einzelunternehmen (46,1 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen) oder Gesellschaften mit beschränkter Haftung (42,2 Prozent). Personengesellschaften machten nur 7,3 Prozent aller Unternehmensinsolvenzen aus, Private Companies Limited by Shares (Ltd.) 2,9 Prozent. Der Anteil aller anderen Rechtsformen betrug jeweils weniger als ein Prozent.

Von allen Unternehmensinsolvenzen entfielen mit 20,9 Prozent die meisten auf den Wirtschaftsabschnitt „Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz“, gefolgt von den Bereichen „Baugewerbe“ mit 15,3 Prozent, „Freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen“ mit 11,8 Prozent und „Verarbeitendes Gewerbe“ sowie „Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen“ mit jeweils 10,0 Prozent.
Die von den Gläubigern angemeldeten Forderungen an die insolventen Unternehmen beliefen sich im ersten Halbjahr 2008 auf insgesamt 708,6 Millionen Euro und lagen damit um 68,3 Prozent niedriger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die durchschnittliche Gläubigerforderung pro Insolvenzfall betrug somit 411 508 Euro (-63,1 Prozent). Dass sich die Gläubigerforderungen derart stark reduzierten, geht auf die Insolvenz eines Großunternehmens aus der Informationsbranche zurück, welche im statistischen Ergebnis des Vorjahreszeitraums berücksichtigt ist.
355,6 Millionen Euro bzw. 50,2 Prozent der Gläubigerforderungen entfielen auf GmbHs, 159,7 Millionen Euro bzw. 22,5 Prozent auf Einzelunternehmer, Angehörige freier Berufe und Kleingewerbe und 144,2 Millionen Euro bzw. 20,4 Prozent auf Personengesellschaften. Auf junge Unternehmen, die zum Zeitpunkt des Insolvenzverfahrens weniger als acht Jahre tätig waren, entfielen immerhin 35,2 Prozent aller Gläubigerforderungen.

Von den Unternehmensinsolvenzen waren im ersten Halbjahr 2008 bayernweit 5 169 Arbeitnehmer und damit 49,2 Prozent weniger Arbeitnehmer als vor einem Jahr betroffen. Auch diese Entwicklung ist beeinflusst von der o.g. Großinsolvenz im ersten Halbjahr 2007. Die meisten bedrohten Arbeitsplätze befanden sich in Oberfranken (1 078 bzw. 20,9 Prozent) und Oberbayern (1 056 bzw. 20,4 Prozent). Mit 338 (bzw. 6,5 Prozent) gefährdeten Arbeitsplätzen schnitt die Oberpfalz am günstigsten ab.

Quelle: Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung