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Vermischtes | Mo, 29.06.2009 10:23

Urkunde zur Anerkennung des Biosphärengebietes Schwäbische Alb als UNESCO-Biosphärenreservat offiziell übergeben

"Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb ist ein modellhafter Zukunftsentwurf für eine Region, die sich einer nachhaltigen Entwicklung verschrieben hat. Gewinner sind die Menschen vor Ort, aber auch Tourismus, Landwirtschaft, Handwerk und Gastronomie auf der Schwäbischen Alb. Die Anerkennung des Biosphärengebiets durch die UNESCO ist auch eine Bestätigung für Erfolg und Nachhaltigkeit unserer Politik der Partnerschaft im Natur- und Umweltschutz." Dies sagten Ministerpräsident Günther H. Oettinger und der Minister für Ernährung und Ländlichen Raum, Peter Hauk, am Freitag (26. Juni 2009) bei der Urkundenübergabe zur Anerkennung des Biosphärengebietes Schwäbische Alb als UNESCO-Biosphärenreservat durch die Vorsitzende des deutschen MAB-Nationalkomitees (UNESCO-Programm 'Der Mensch und die Biosphäre' - MAB), Gertrud Sahler, im Alten Lager in Münsingen (Landkreis Reutlingen).

Das Dorf Gruorn wurde 1938 für die Erweiterung des Truppenübungsplatzes geräumt. Die Kirche und das alte Schulhaus blieben erhalten und liegen heute mitten im Biosphärengebiet Schwäbische Alb (Foto: T. Knabe).

Das Dorf Gruorn wurde 1938 für die Erweiterung des Truppenübungsplatzes geräumt. Die Kirche und das alte Schulhaus blieben erhalten und liegen heute mitten im Biosphärengebiet Schwäbische Alb (Foto: T. Knabe).


 Die Anerkennung durch die UNESCO sei eine mit hoher Glaubwürdigkeit belegte Auszeichnung, die das Land nutzen werde, so Oettinger und Hauk. Sie habe das Konzept des Landes, wonach Naturschutz auch Wertschöpfung bedeuten könne, eindeutig bestätigt. Weltweit gibt es momentan 553 Biosphärenreservate aus 107 Staaten die in das Weltnetz der UNESCO-Biosphärenreservate aufgenommen wurden. In Deutschland gibt es aktuell 15 UNESCO Biosphärenreservate, eines davon nun in Baden-Württemberg.

"Die Einrichtung eines Biosphärengebiets Schwäbische Alb, ausgehend vom ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen, war nur möglich, weil sich die beteiligten Kreise und Gemeinden aktiv und freiwillig eingebracht haben", betonten Ministerpräsident Oettinger und Minister Hauk. Seither habe sich die Gebietskulisse in einem sehr dynamischen und nicht immer einfachen Prozess geradezu rasant entwickelt. Seit Juli 2005 – zu diesem Zeitpunkt hatte der Landkreis Reutlingen einen ersten Abgrenzungsentwurf vorgelegt - sei die ehemals anvisierte Fläche des Biosphärengebietes von 30.000 Hektar auf 85.000 Hektar angewachsen. „29 Gemeinden in den Landkreisen Reutlingen, Esslingen und im Alb-Donau-Kreis sind am Projekt beteiligt und inzwischen von den Chancen überzeugt, die eine Beteiligung am Biosphärengebiet bieten kann“. sagten Oettinger und Hauk.

Die laufenden Kosten einschließlich des Personals betragen laut Hauks insgesamt 730.000 Euro pro Jahr, wovon die Kommunen ab 2011 ein Drittel übernähmen. Die jährlichen Kosten beinhalteten seit dem letzten Jahr auch die direkt durch das Biosphärengebiet geförderten Projekte mit Gesamtinvestitionen von bislang insgesamt 840.000 Euro (Fördersumme 200.000 Euro pro Jahr). Auch die Landesstiftung beteilige sich mit insgesamt drei Millionen Euro an dem Projekt. Darüber hinaus würden etwa 2,5 Millionen Euro Landesmittel in das Besucher - und Informationszentrum im Alten Lager investiert. Seit 2001 wurden über 400 Projekte zur nachhaltigen Regionalentwicklung mit einer Gesamtinvestition von 11,1 Millionen Fördergeldern aus dem 'Projekt des Landes zur Erhaltung und Errichtung von Natur und Umwelt' (PLENUM) und durch 'Regionen aktiv'! " verwirklicht, davon über 80 im Bereich des „sanften Tourismus“. Hauk: „Die aktuellen Zahlen zeigen, dass sich Naturschutz für den Einzelnen und für die Gemeinden in jeder Form lohnt.“

Die Vorsitzende des Deutschen MAB-Komitees, Gertrud Sahler, wies darauf hin, dass das Land Baden-Württemberg mit dem Biosphärengebiet Schwäbische Alb in vielerlei Hinsicht die Vorgaben des Deutschen MAB-Komitees vorbildlich umgesetzt habe. Dies sei auch von der UNESCO in Paris mit großem Wohlwollen aufgenommen worden. „Im Bereich der Regionalentwicklung haben Sie bereits heute die Nase vorn", erklärte Sahler. Ergänzend hob sie hervor, dass der „partizipative Ansatz“, das heißt die Einbindung der Kreise und Kommunen sowie der Bevölkerung insgesamt, hervorragend realisiert worden sei. "Dies war sicherlich einer der Schlüssel zum Erfolg und dies wird auch die Basis dafür sein, dass das Biosphärengebiet Schwäbische Alb, jetzt geadelt zum UNESCO Biosphärenreservat, einen hohen Standard unter den deutschen Biosphärenreservaten einnehmen wird".

Der Zeitraum von vier Jahren vom ersten Abgrenzungsentwurf für dieses Biosphärengebiet bis zur UNESCO-Anerkennung sei beachtlich kurz, sagten Ministerpräsident Oettinger und Minister Hauk. Sie bedankten sich insbesondere bei Gertrud Sahler, die die Schwäbische Alb nicht nur beim internationalen Koordinierungsrat der UNESCO in Korea mit vertreten habe, sondern die auch die Entwicklung des Biosphärengebietes über die ganze Zeit hinweg kompetent und konstruktiv von Seiten des Deutschen MAB-Komitees betreut habe.

Zusatzinformation: Das Biosphärengebiet Schwäbische Alb liegt rund 50 Kilometer südöstlich von Stuttgart. Beteiligt sind 29 Gemeinden aus den zwei Regierungsbezirken Stuttgart und Tübingen, den drei Landkreisen Alb-Donau, Reutlingen und Esslingen sowie dem Gutsbezirk Münsingen.

Die Biosphärengebietskulisse hat eine rund 40 Kilometer lange Nord-Süd-Ausdehnung und erstreckt sich damit vom Albvorland über den steil aufsteigenden Albtrauf, die Albhochfläche bis an die Donau im Süden. Die Hang- und Schluchtwälder am Albtrauf sind ein markantes naturräumliches Alleinstellungsmerkmal des Biosphärengebiets. Aber auch die landschaftsprägenden Streuobstwiesen im Albvorland und die abwechslungsreiche traditionelle Kulturlandschaft auf der Schwäbischen Alb mit ihren Wacholderheiden, Magerrasen, Wiesen, Weiden, Ackerflächen und Wäldern kennzeichnen das Biosphärengebiet. Ein wichtiger Bestandteil ist auch der ehemalige Truppenübungsplatz Münsingen, welcher zentral in der Gebietskulisse liegt.

(Quelle: Staatsministerium)