Sign In

Welcome, Login to your account.

Wirtschaft | Di, 11.08.2009 10:18

Wirtschaftskrise dämpft Tourismusentwicklung in Baden-Württemberg im ersten Halbjahr 2009

Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise setzte sich für das baden-württembergische Tourismusgewerbe die positive Tendenz vor allem der letzten beiden Jahre im ersten Halbjahr 2009 nicht weiter fort. Nach Feststellung des Statistischen Landesamtes kam der Tourismus im Vergleich zu vielen anderen Branchen insbesondere aus dem industriellen Bereich bisher aber mit einem blauen Auge davon.

Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben in Baden-Württemberg jeweils im ersten Halbjahr (Zur Vergrößerung bitte auf die Grafik klicken).

Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben in Baden-Württemberg jeweils im ersten Halbjahr (Zur Vergrößerung bitte auf die Grafik klicken).


Im ersten Halbjahr 2009 ging die Zahl der Gäste in den Beherbergungsbetrieben mit mehr als acht Schlafgelegenheiten (einschließlich Reiseverkehrscamping) gegenüber dem ersten Halbjahr 2008 um 3,9 Prozent oder 0,3 Mill. auf 7,3 Mill. zurück. Bei einer rechnerischen Aufenthaltsdauer von 2,6 Nächten verminderten sich die für die Gastgeber letztlich wichtigeren Übernachtungen um 3,5 Prozent oder 0,7 Mill. auf 19 Mill. Vor allem die Auslandsgäste, deren Übernachtungen seit Mitte 2002 bis weit in das Jahr 2008 kontinuierlich zugenommen hatten, trugen mit einer Abnahme um 6,8 Prozent oder 0,2 Mill. auf gut 3 Mill. Übernachtungen relativ stark zu diesem Ergebnis bei. Bei den Gästen aus Deutschland verzeichneten die Beherbergungsbetriebe dagegen bei einem absoluten Rückgang um 0,5 Mill. auf knapp 16 Mill. Übernachtungen ein deutlich geringeres Minus von 2,8 Prozent.

Auch wenn die Reisemotive nicht direkt erfasst werden, deuten die verschiedenen Aufgliederungen darauf hin, dass sich die Rückgänge insbesondere auf geschäftlich und gesundheitlich bedingte Reisen konzentrierten: So nahmen unter den Betriebsarten die Übernachtungen in der Hotellerie (Hotels, Hotels garnis, Gasthöfe und Pensionen), in der Geschäftsreisende vorzugsweise absteigen, mit minus 4,5 Prozent und in den Vorsorge- und Reha-Kliniken mit minus 5 Prozent jeweils überdurchschnittlich ab. Die sog. Parahotellerie, zu der meist preiswertere Unterkünfte wie Jugendherbergen, Campingplätze oder Ferienwohnungen zählen und die eher von Urlaubs- und Erholungstouristen frequentiert werden, verbuchte dagegen ein deutliches Plus von 2,4 Prozent. Unter den Gemeindegruppen mussten die Mineral- und Moorbäder (–4,8 Prozent), in denen das Kurwesen eine besonders starke Rolle spielt, und die Gemeinden ohne touristisches Prädikat (–5,8 Prozent) besonders starke Übernachtungseinbußen hinnehmen. Dies traf insbesondere für die hierin enthaltenen Großstädte ab 100 000 Einwohner zu, die im ersten Halbjahr 2009 das Übernachtungsergebnis aus dem Vorjahr um 6,1 Prozent verfehlten. Mit den Kneippkurorten (+1,6 Prozent) und den Erholungsorten (+1,5 Prozent) verzeichneten zwei Gemeindekategorien mit Tourismusprädikaten dagegen sogar leicht Übernachtungszuwächse. Auch die Gemeinden mit den Prädikaten eines Heilklimatischen Kurorts (–0,8 Prozent) bzw. eines Luftkurorts (–1,7 Prozent) wiesen vergleichsweise geringe Übernachtungsrückgänge auf.

In der regionalen Betrachtung gilt dies auch für den Schwarzwald, deren Übernachtungen um 1,8 Prozent und damit vergleichsweise gering abnahmen. Der Bereich Bodensee-Oberschwaben als zweites »klassisches« Tourismusziel des Landes übertraf sein Übernachtungsergebnis aus dem Vorjahr sogar um 1,5 Prozent, wobei das Reisegebiet Bodensee mit einem stattlichen Plus von 5,1 Prozent deutlich herausragte. Demgegenüber verzeichnete die überwiegend städtisch geprägte Region Stuttgart mit einem Minus von 10,2 Prozent die mit Abstand stärksten Übernachtungsverluste. Auch in den Reisegebieten Schwäbische Alb (–6 Prozent) und Nördliches Baden-Württemberg (–4,6 Prozent) nahmen die Übernachtungen deutlich überdurchschnittlich ab.

(Quelle: Stat. Landesamt)