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Wirtschaft | Do, 12.03.2009 10:16

Wirtschaftskrise trifft Erwerbstätige im Südwesten besonders stark

Stellenzuwachs im Schlussquartal 2008 bereits deutlich schwächer Im Jahr 2008 stieg die Zahl der Arbeitsplätze in Baden-Württemberg durchschnittlich um 1,5 Prozent bzw. 85 000 auf 5,61 Millionen.


Wie das Statistische Landesamt nach neuesten Berechnungen des Arbeitskreises »Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder« feststellt, fiel der Stellenzuwachs um 6 000 geringer aus als in der Erstberechnung vom Januar 2009 (Eildienst Nr. 13/2009 vom 22. Januar 2009). Grund ist die aktuellere Datenbasis mit Angaben bis einschließlich Dezember 2008 (1). Danach hat sich der Stellenzuwachs aufgrund der Wirtschaftskrise gegen Jahresende spürbar verlangsamt. In Baden-Württemberg waren im Schlussquartal 2008 rund 5,66 Mill. Menschen erwerbstätig, 1,1 Prozent oder 61 000 mehr als im entsprechenden Vorjahresquartal. Alleine zwischen September und Dezember 2008 hat sich nach vorläufigen Angaben der Bundesagentur für Arbeit bei den rund 3,9 Mill. sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmern der Stellenzuwachs gegenüber dem Vorjahr von 2,1 Prozent auf 1,1 Prozent fast halbiert. Diese Gruppe stellt fast 70 Prozent aller Erwerbstätigen im Land. Im Laufe des Jahres 2008 hat der Stellenzuwachs im Produzierenden Gewerbe und in den Dienstleistungsbereichen an Kraft verloren. Im Baugewerbe wurde bereits über das ganze Jahr hinweg Personal abgebaut.

Arbeitsplätze im Südwesten durch Konjunktur, Kurzarbeit und gestiegene Zahl an Arbeitslosen stärker belastet als bundesweit
Im Jahr 2008 entwickelte sich die Zahl der Arbeitsplätze in Baden-Württemberg etwas günstiger als im Durchschnitt aller Bundesländer (Jahresdurchschnitt: +1,4 Prozent, Schlussquartal: +1 Prozent). Vieles deutet jedoch darauf hin, dass im ersten Quartal 2009 die Erwerbstätigen im stärker industriegeprägten Südwesten besonders von der globalen Nachfrageschwäche betroffen sein werden. Bereits im Dezember 2008 hatte die Zuwachsrate der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Land mit einem Plus von 1,1 Prozent erstmals wieder unter dem bundesweiten Zuwachs von 1,3 Prozent gelegen. Auch die Frühindikatoren, die der Erwerbstätigkeit erfahrungsgemäß vorauslaufen, zeigen eine solche Entwicklung. Die reale Wirtschaftsleistung ging in Baden-Württemberg im Schlussquartal 2008 um 3 Prozent zurück, also deutlich stärker als bundesweit mit einem Minus von 1,6 Prozent. Im ersten Quartal 2009 wird für Baden-Württemberg sogar ein Rückgang um 4 Prozent erwartet. Die Zahl der gemeldeten Stellen lag nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit im Februar 2009 im Südwesten 16 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor, bundesweit waren es minus 11 Prozent.

Weitere Auswirkungen der massiven Auftragsschwäche insbesondere im Südwesten spiegelt die Entwicklung der konjunkturell bedingten Kurzarbeit (2) wider. Von Oktober 2008 bis Februar 2009 gingen aus konjunkturellen Gründen bei der Bundesagentur für Arbeit von fast 8 000 baden-württembergischen Betrieben für rund 300 000 Beschäftigte Anmeldungen zur Kurzarbeit ein. Im gesamten Bundesgebiet waren es im gleichen Zeitraum mehr als 40 000 Betriebe und 1,47 Millionen Beschäftigte. Damit entfielen rund 20 Prozent der bundesweiten Anmeldungen zur konjunkturellen Kurzarbeit auf Baden-Württemberg. Gemessen am Anteil der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmer von 14 Prozent ist der Südwesten damit vergleichsweise stark von der Kurzarbeit betroffen. Die Anzeigen können als potentielle Zugänge zur Kurzarbeit interpretiert werden. Wie viele Personen tatsächlich kurz arbeiten, wird erst mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung sichtbar. Nach neuesten Angaben der Bundesagentur für Arbeit hat sich der Bestand an Personen, die wegen des Auftragsrückgangs tatsächlich von Kurzarbeit betroffen sind, seit dem letzten Tiefststand im August 2008 bis Dezember in Baden-Württemberg von knapp 3 000 auf 32 000 mehr als verzehnfacht, in Deutschland hat sie sich im gleichen Zeitraum von 29 000 auf 201 000 versiebenfacht. Ob bzw. wie stark sich die Zunahme der Kurzarbeit letztendlich auf die Zahl der Arbeitsplätze auswirkt, wird davon abhängen, inwieweit die Betriebe im Land die Auftragsflaute mittels Kurzarbeit überbrücken und Entlassungen vermeiden können.

Dass dies nicht in allen Fällen gelingt, zeigt die aktuelle Entwicklung der Arbeitslosigkeit. In Baden-Württemberg wurden im Januar und Februar 2009 rund 10 000 bzw. 20 000 Arbeitslose mehr gezählt als in den entsprechenden Vorjahresmonaten. Die Beschäftigungssituation dürfte sich daher im ersten Quartal 2009 durch die gestiegene Arbeitslosigkeit verschlechtern. Bundesweit war die Arbeitslosenzahl im Januar und Februar noch geringer als ein Jahr zuvor. Allerdings blieb Baden-Württemberg auch im Februar mit einer Arbeitslosenquote von 4,8 Prozent das Land mit der geringsten Arbeitslosigkeit. Bundesweit betrug die entsprechende Quote 8,5 Prozent.

(1) Im Januar 2009 waren lediglich Daten bis Oktober 2008 verfügbar.

(2) Kurzarbeit gemäß § 170 SGB III.

Quelle: Statistisches Landesamt