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Wirtschaft | Mi, 22.09.2010 12:11

ZEW-Studie: Hoffnungsschimmer in der IT-Industrie – High-Tech-Gründungen mit leichtem Anstieg

Die Anzahl der High-Tech-Gründungen ist in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr um 3,1 Prozent gestiegen. Das zeigt eine aktuelle Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), die in Zusammenarbeit mit Microsoft Deutschland durchgeführt wurde. Der Software-Bereich verzeichnete mit 15 Prozent sogar einen regelrechten Gründerboom. Allerdings nahmen High-Tech-Gründungen bei Spitzentechnologien wie der Medizintechnik, die langfristig besonders große Wachstumschancen besitzen, weiter ab. Insgesamt gesehen liegt die Gründungstätigkeit im High-Tech-Bereich mit 14.000 Neugründungen jedoch weiterhin auf einem der niedrigsten Niveaus seit Mitte der 90er Jahre.


Neben der leichten Erholung bei Gründungen in der High-Tech-Branche machten sich im vergangenen Jahr zahlreiche Arbeitnehmer als Ein-Personen-Unternehmen selbständig. Die Reform der deutschen GmbH und die dabei eingeführte Rechtsform "Unternehmergesellschaft" bietet hier einen neuen Rahmen. "Die Entwicklung der Gründungen in der High-Tech-Branche ist erfreulich. Allerdings ist diese vor allem von vielen Kleinstunternehmen getrieben. Der Beitrag dieser High-Tech-Gründer zum Innovationsgeschehen in Deutschland ist gering. Erst die weitere Entwicklung wird zeigen, ob aus diesen Kleinstunternehmen tragfähige Geschäftsmodelle resultieren", sagt Dr. Georg Licht, Leiter des Forschungsbereichs "Industrieökonomik und Internationale Unternehmensführung" beim ZEW. "Damit die deutsche Gründerszene stärker an Fahrt aufnimmt, bedarf es weiterer Start-ups mit technologischen Produktinnovationen, die Impulswirkung für die Gesamtwirtschaft haben. Der Innovationsstandort Deutschland droht sonst international den Anschluss zu verlieren", sagt Licht.

Im Rahmen der aktuellen Studie, die auch Forschungsergebnisse anderer Institute aufgreift, wird deutlich, mit welchen Hemmnissen sich Gründer in Deutschland auseinandersetzen. 36 Prozent der Befragten haben vor allem bei der Auftragsakquisition und dem Aufbau eines Kundenstamms Probleme (Gründerpanel des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn). Gerade etablierte Unternehmen hätten in Deutschland Bedenken, mit jungen Start-ups zusammenzuarbeiten, so die Gründer. Generell sind für viele Entrepreneure auch Finanzierungsengpässe eine bedeutende Hürde, mit der sie sich in der Gründungsphase konfrontiert sehen. Die vom ZEW befragten Unternehmer kritisierten den eingeschränkten Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten bei traditioneller Kreditfinanzierung sowie die zu geringe Zahl an Venture Capital-Gebern. Letztere hätten sich in den vergangenen zehn Jahren zunehmend auf die Wachstumsphase konzentriert, sich aus der Finanzierung der ersten Lebensphase dagegen vollkommen zurückgezogen. Zudem kommen Probleme bei der Rekrutierung qualifizierter Mitarbeiter hinzu. 25 Prozent der Gründer nannten im KfW-Gründungsmonitor 2010 darüber hinaus die Belastung für die Familie als Hemmnis. Für junge Unternehmen stellen somit auch persönliche Ängste und Sorgen ihrer Gründer große Entwicklungshürden dar.

"Deutschland bleibt als Land der technologischen Innovationen weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Das muss sich dringend ändern. Trotz einer positiven Entwicklung zeigt die aktuelle ZEW-Studie: Deutschland ist als High-Tech-Gründerland weiterhin stark versetzungsgefährdet", kommentiert Ralph Haupter, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Microsoft Deutschland, die aktuellen Ergebnisse. Deshalb setzt Microsoft mit seinen Förderprogrammen für High-Tech-Start-ups wie "unternimm was." und BizSpark genau bei den Problemen an und bietet innovativen Gründerunternehmen Technologie- und Vertriebs-Know-how sowie den Zugang zu Kunden- und Partnernetzwerken.

Haupter fordert: "Es muss steuerliche Anreize für Investoren in Deutschland geben, so wie es im europäischen Ausland bereits praktiziert wird und wie es die Koalition im Grunde vereinbart hat. Wie so oft haben wir hier kein Erkenntnis-, sondern ein Handlungsdefizit. Deutschland muss zu einer der attraktivsten Regionen für Business Angels und Venture Capital-Geber werden."

Innovative High-Tech-Gründungen spielen für den Standort Deutschland eine bedeutende Rolle. Besonders positive Effekte haben sie nicht zuletzt auch für den Arbeitsmarkt: Unternehmensgründer aus der High-Tech-Branche beschäftigen laut ZEW im Durchschnitt doppelt so viele Mitarbeiter wie Gründer in anderen Branchen. Nach fünf Jahren Geschäftstätigkeit steigt der Faktor sogar auf das Zweieinhalbfache. "Die High-Tech-Industrie zählt zu den Impulsgebern der deutschen Wirtschaft und besitzt in punkto Innovationskraft eine richtungsweisende Funktion", sagt Hans-Joachim Otto, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie.

Innovation und Beschäftigung in der IT-Industrie werden in großem Maße von kleinen Unternehmen und Neugründungen geprägt. Start-ups sind etablierten Unternehmen in Sachen Dynamik, Flexibilität und Innovationsbereitschaft deutlich überlegen. Dennoch müssen sie häufig gegen Vorurteile kämpfen. "Kunden haben bei jungen Unternehmen oft Bedenken, ob die Leistungen langfristig zur Verfügung gestellt werden. Probleme bei der Auftragsakquise, wie sie die ZEW-Studie beschreibt, sind da die logische Folge", berichtet Stefan Lemper, Geschäftsführer der Cooee GmbH und langjähriger Partner einer Venture Capital-Gesellschaft, aus der Gründerpraxis.

Unsichere Verdienstmöglichkeiten sowie Finanzierungsrisiken sind Ursachen, die potenzielle Gründer von dem Gang in die Selbstständigkeit abschrecken. "Deutsche streben oft nach einer Vollkasko-Gründung", bringt Ralph Haupter diese Entwicklung auf den Punkt. "Wir müssen bei etablierten Unternehmen der Old Economy die Bereitschaft wecken, mit Start-ups zusammenzuarbeiten und brauchen bei jungen Menschen einen Mentalitätswandel mit einem größeren Interesse an unternehmerischem Denken", so Haupter. "Dann bringt das Land von Bosch, Daimler und Co. auch in diesem Jahrhundert herausragende Gründerpersönlichkeiten hervor."

(Redaktion/ZEW)