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Wirtschaft | Di, 06.08.2013 11:26

Zusammenbrüche von Kartellen begünstigen Unternehmensfusionen

Nach dem Zusammenbruch von Kartellen fusionieren in den folgenden drei Jahren deutlich mehr Unternehmen als in den drei Jahren, die dem Zusammenbruch vorausgehen. Diesen Zusammenhang hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) Mannheim nun in einer aktuellen Studie belegt. So steigt die Anzahl der weltweiten Unternehmenszusammenschlüsse nach einem Kartellzusammenbruch um bis zu 51 Prozent. Das zeigt ein Vergleich auf Branchenebene, der die drei Jahre vor und nach dem Zusammenbruch zugrunde legt.


In den drei Jahren vor Kartellzusammenbrüchen gab es demnach weltweit 696 Unternehmensfusionen in den in die Studie einbezogenen Branchen. In den drei Jahren danach waren es 1.052 Fusionen. Werden ausschließlich horizontale Fusionen betrachtet, das heißt Zusammenschlüsse von Unternehmen der gleichen Produktionsstufe, steigt die Anzahl der weltweiten Fusionen sogar um bis zu 83 Prozent. Hier handelte es sich um einen Anstieg von 196 auf 359 Fusionen weltweit.

Des Weiteren hat das ZEW die Zahlen für Fusionen mit Beteiligung eines europäischen Unternehmens sowie für Fusionen mit Beteiligung von ausschließlich europäischen Unternehmen betrachtet. Auch hier sind die Anstiege klar zu erkennen, aber nicht so deutlich ausgeprägt wie für weltweite Fusionen.

Die Ergebnisse der ZEW-Studie legen den Wettbewerbsbehörden nahe zu bedenken, dass Fusionen für die beteiligten Unternehmen möglicherweise die "second best"-Alternative zum gerade zusammengebrochenen Kartell sein könnten. Ehemalige Kartellmitglieder könnten daher systematisch versuchen, die durch den Kartellzusammenbruch verloren gegangene Marktmacht über das vermehrte Eingehen von Fusionen wieder zu erlangen. Weiterhin weist die ZEW-Analyse darauf hin, dass es notwendig sein kann, Ressourcen in Wettbewerbsbehörden, Kanzleien und ökonomischen Beratungsgesellschaften umzuschichten oder sogar aufzustocken, um den Anstieg der Fusionsfälle im zur Verfügung stehenden Zeitrahmen zu bewältigen.

Kartellabsprachen zwischen Wettbewerbern zielen typischerweise darauf ab, den Wettbewerb zu verringern und gleichzeitig die Unternehmensgewinne zu steigern. Dazu treffen zwei oder mehrere Unternehmen Absprachen etwa hinsichtlich Preisen, Auftragsvergabe oder Outputquoten. Da solche Vereinbarungen ökonomischen Schaden anrichten, beispielsweise in Form höherer Preise oder geringerer Innovationsaktivitäten, stellen sie einen schweren Verstoß gegen die Kartellgesetze dar.

Bei Fusionen verschmelzen zwei oder mehrere Unternehmen zu einem neuen Unternehmen. Das Ziel ist Verbundvorteile zu nutzen und die Gewinne zu steigern. Man unterscheidet drei Formen von Fusionen: Bei horizontalen Fusionen schließen sich Unternehmen der gleichen Produktionsstufe zusammen. Bei vertikalen Fusionen handelt es sich um Unternehmen vor- oder nachgelagerter Produktionsstufen. Schließlich verschmelzen bei konglomeraten Fusionen Unternehmen verschiedener Produktionsstufen und Branchen.

(Redaktion)